Lafcadios Loch

Rants from below

Kant erzählt irgendwo etwas von zwei Prinzipien: einem holistischen, das die Dinge in seiner (organischen) Ganzheit zu betrachten suche und einem reduktionistischen, das das Verständnis in der Zergliederung und Zerteilung in Subsachverhalte finden will. Mir erschien das mal etwas Tiefes, wo vielleicht schon die heutige, ideologische Spaltung in Geistes- und Naturwissenschaften zu finden sei.

Aber es gibt keine zwei Seelen in meiner Brust, es ist immer nur eine. Und die ist schon nur leeres Geplapper. Grunge-Gestammel. Es ist immer noch diese Musik, dass sie die Saiten in mir zum Schwingen bringt. (Pearl Jam’s MTV Unplugged Konzert!) Es befördert mich in meine Teenagerzeit – als ich mir alle Chemie, Physik und Mathematik, Chaostheorie in den Kopf kippte, die ich in die Finger kriegte, Dostojevskij und Kierkegaard. Es gab für mich keine Trennung zwischen Poesie und Wissenschaft, nur eine totale Ordnung der Welt in einer lyrischen Weltformel. Falls sie zu erreichen wäre. Ein komprimierter Satz, eine Gleichung, die die Essenz der Dinge träfe, oder wenigstens meine Verzweiflung.

Heute wüsste ich es nur im Schweigen herzustellen, aber ich schaffe es ja nicht einmal diesen Blog abzustellen. Immerhin könnte ich nun über die Entropie, die in diesem Beitrag/Zeichenkette enthaltene „Information“ genau beziffern, einen HMAC ausrechnen oder ihn auf ein paar Bytes komprimieren. Aber das istce4495eb69243d4a005731984aaa8f5b837aee9b5e9ec67cfd05ccca7f15c87a

Alle Erklärungen sind Lügen

„Wie alle Erklärungen Lügen sind. Wie auch diese Behauptung eine Lüge ist. Und das einzige, was zählt ist der Unterschied zwischen den Lügen, die funktionieren, und den anderen, an die wir umso beständiger glauben, je weniger sie funktionieren.“

Danke. Einfach

muetzenfalterin

Alle Erklärungen sind Lügen. Beschwichtigungen, die uns beruhigen, einlullen sollen.

Als ich meine Diplomarbeit über das Sterben, über den Tod und die menschliche Konstruktion dieser Begriffe und Vorgänge schrieb, wusste ich jeden Tag weniger vom Tod, vergaß mit jeder Seite, die ich schrieb, dass ich sterblich bin.

Es war Soziologie. Es waren Zeitzeugnisse. Viele Notizen, und wenn ich Glück hatte, ab und zu ein paar Verbindungen, die sich aufdrängten.

Es waren Termine bei den Betreuern, der immer näher rückende Abgabetermin, mein Tischapparat in der Universität, und die Entscheidung für ein blassgelbes, oder eher beige-gelbes Deckblatt im Copyshop.

Später habe ich behauptet, der Tod habe mein Leben lang so eine große Rolle gespielt; mein kranker Vater, der starb als ich fünf war, der schleichende Selbstmord meiner Großmutter, der vollendet war, als ich gerade zehn Jahre alt geworden war, der plötzliche Unfalltod meiner Mutter zwölf Jahre später, mein Großvater, der sich zwei…

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Dies ist kein Gedicht,
nur Zeilenumbrüche
kaschieren die schlichte
Prosa,
die Suhrkamp noch druckte,
wäre ich Verleger bei Hanser,
und Kulturversessene
erblickten dann sogar etwas wie
Transzendenz oder zumindest
schonlose Lakonie
in diesen Zeilen
aus Nichts.

Kernschmelze

Ich bin ein informationsverarbeitender Prozess auf einer hochparallelen, organischen Architektur. Wer will das noch bestreiten? Doch nur Leute, die statt von Glasfasern von der fasrigen Haptik ihre Lektüre faseln, als brächte sie es die paar nötigen IQ-Punkte näher an den kongenialen Kulturdarsteller, der ihnen das mindersinnige Ejakulat zwischen die Buchseiten pappte. Die Poesie unserer Zeit kommt aus den Google-Laboren. Die Hochkultur hat ausgedient. Wie schrieb schon Lyrik-Maschinist Enzensberger:

Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne:
sie sind genauer.

Heute sind’s die Specs und der Code. – Die sollten genau sein. Aber mein Hirn will’s immer noch nicht. Ich dachte, wenn ich mich ein paar Jahre in den Bauch der Maschine verkrieche lerne ich schon ihre Sprache. Es ist aber nur dreckiges Bitgefummel. Die Bits selbst, das Flüstern der Opcodes, das ist wenigstens nicht hässlich an sich, aber die tausenden Lagen an unnötigen Altlasten und Komplexität, die wir darüber gelegt haben, das ist von so frustrierender Abscheulichkeit, dass man all seine Rechner verbrennen und nie mehr eine Zeile Code schreiben möchte, weil sie ebenso entstellst ist wie dieses Meer der Scheußlichkeit. So ist Software. Legacy-Code, so nennen wir es gerne. So als wäre es nur das Werk unserer Vorgänger, die es einfach verbockt haben. Die nie Doku schrieben und uns nun dieses Werk des Horrors vermachten. Dabei sind wir es ja, die dieses Code-Monstrum am Leben erhalten, sogar fortschreiben, obwohl es Wert wäre, das es zugrunde ginge.
Aber das war nicht das Wichtige: Mein Hirn will da einfach nicht richtig rein: die Quantenmechanik war’s nicht, nicht die Algebra und jetzt ist es auch noch nicht der Code. Ich bin nicht Anders Fogh. Ich sitze nicht in den Quarantäne-Laboren der Malware-Analysten, ich sitze nicht unter der Glasdecke – mein Blick auf die InfoSec doch von außen. Aber auch schon nicht mehr ganz, kriege ich Infos zu WannaCry etc. doch jetzt schon quasi aus erster Hand. Was die Verwirrung und das Unbehagen eher noch erhöht.

Herr, vergib uns nicht, denn wir wissen nicht, was wir tun.

Als wir die Büchse der informationsverarbeitenden Systeme öffneten, konnte da jemand wissen, dass die Datenkabel den Erdball so dicht umschlingen würden? Dass wir Realität einmal fast ausschließlich durch digitale Filter wahrnehmen werden? Dass unser Hirn süchtig wie die Ratte mit ihrem Dopamin-Knopf rund um die Uhr in den globalen Datenstrom klinken wird?
Die Sicherheitslücken haben schon ihre „Vermarktung“. Der erste große Coup war wahrscheinlich Heartbleed. Da gab es schon ein eigenes Logo, auf welches das von Meltdown nun schon anspielt. Diese sozialen Dynamiken durchblicke ich auch nicht. Wann wird nun ein Ding so groß, dass es Wind in den Medien entfacht. Die Schwere des Bugs, wie viele Systeme betroffen sind, mit solch objektiven Metriken hat das eher wenig zu tun. Es ist ja auch oft gar nicht messbar, wie oft eine Sicherheitslücke ausgenutzt wurde, oder ob es überhaupt geschah, geschehen wird.

Ach verdammt, wieder voll verheddert. Aber das tolle am Blog ist ja: Trotzdem einfach schon mal „Publish“ drücken…

(Die Themen, die eigentlich behandeln wollte: Was wird aus unserem Denken, wenn wir es ausschließlich unter der Informationsverarbeitungsmetapher betrachten? – und die Beschreibung der Bugs nicht gegeben, die auch so unglaublich ist; dass Computercode, der nur spekulativ vorgeladen wurde und faktisch auf der CPU gar nicht ausgeführt werden wird, trotzdem dazu dienen kann Speicherinhalte unbefugt auszulesen!)

Wir stehen da vor dieser schönen neuen Welt des des LED-blinkinenden, digitalen und begreifen nicht mehr. Vielleicht ist der Anfang tatsächlich das Wort, bzw. die Wortreligionenen. Die Codes, Kommentare, Bücher des Juden- und Christentums. Das mag uns dann noch genügend albern vorkommen, dass die Töne der Seele nur der Widerhall des göttlichen Atems in einer Tonvase sind. Aber gehen wir nur ein paar Iterationen weiter. Als die Enzyklopädisten mit der Fackel der Aufklärung das gesamte Wissen der Menschheit versammelten und niederschrieben, wie heller ward es. Nun haben wir das alles digital, in ASCII oder Unicode und wie schön duster ist es!

Kein Ich mehr im World-Wide-Web, nur noch die Reiz-Reaktions-Schemata das nächste neuronale Netz des Sirenenserver zu füttern, dass er mir den nächsten Werbebanner serviere. Und wir, ewig im Klick-Konsumrausch, gaffen, nudeln uns den ganzen Content durch die Birne. Keine Leerstelle, zwischen den Bits, kein Padding, in dem ich mich oder ein Virus sich kodieren könnte. Kein Algorithmus, der uns erlöst, von der Welt, in der die baren Tatsachen der Fall sind.

Seit der Mensch seine Seele erfand, versucht er sich einen Reim auf ihre Zuflüsterungen zu machen.

Warum das Internet dumm macht

Das Internet ist die Pest. Ich möchte jetzt nicht, die Artikel herauskramen, dass Jugendliche, die häufiger soziale Netzwerwerke benutzen, unglücklicher sind, oder die Artikel dazu, wie wir Smartphonebenutzer, dazu manipuliert werden, längere Zeit mit diesem Ding zu vertun. Denn ich weiß: bei der Suche nach diesen Links würde ich schon wieder auf irgendwas Interessantes stoßen und diesen Artikel gar nicht erst schreiben. Es ist wirklich so schlimm, dass ich Blogartikel am besten offline schreibe. Das Internet macht mich zum Content-Konsumenten. Natürlich gibt’s irgendwie noch Leute, die das Zeugs da reinstellen, aber die meisten von uns, sind doch zu Klickvieh degeneriert, die nur noch „einen Daumen hoch da lassen“ sollen.

Und weil mich dieser dieser Geisteszustand an mir selbst so anekelt, möchte ich ihn hier kurz beschreiben. Als persönliche Innenansicht einer der Millionen Internetabhängigen. Was also passiert, wenn man Hirn in einen Browser stöpselt? Zunächst gibt es vielleicht eine gewissen Ähnlichkeit zu der Funktion, die früher das Fernsehen hatte: Wenn man sich nach der Schule oder Arbeitstag auf die Couch sinken ließ und durch die Kanäle zappte, das Hirn auf Durchzug, die Netzhaut und Trommelfell berieseln lässt. Für eine gewisse Zeit ja ganz OK zum entspannen, aber das Internet ist jetzt 24 Stunden verfügbar und… Ich verspüre manchmal geradezu diese Lust: Ach jetzt mal mit ’ne halbe Stunde Youtube den Kopf einfach wegschalten. Eine Betäubung des Bewusstseins, wie es sonst vielleicht nur Drogen erreichen. Und das Internet ist eine Droge. Aber eine, die das Volk so sehr durchsetzt wie der Alkohol. Es ist einfach so Usus und akzeptiert, dass man die Suchtkranken als Kollateralschaden mitnimmt.

Im Netz sitzt leider kein Peter Lustig, der uns von Zeit zu Zeit daran erinnert, dass Ding mal abzuschalten. Aber wie echte Suchtkranke, leben wir ja auch noch immer in der Illusion, dass wir das Ding ja abschalten könnten, wenn wir denn wollten. Nein, wir können es (fast) nicht mehr. Deshalb wollte ich schon eine App programmieren, die einem einfach mal für gewisse einprogrammierte Zeiten den Netzstecker zieht… Oder einen Kurs in digitaler Selbstverteidigung entwickeln.

Aber wie kämen wir wieder dahin, dass wir das Netz benutzen und nicht das Netz uns? Mitunter fühle ich mich schon nur noch als Datenpunktliferant für die Empfehlungsalgorithmen, die mich munter in ihrem Klicklaufrad halten wollen. Nur lassen sich die Machtverhältnisse wahrscheinlich nicht mehr so einfach auf den Kopf stellen. Ich glaube, eines der Hauptprobleme sind auch unterschwellige, pubertäre Machtphantasien, die bedient werden: Über die Suchmaschine fühlt sich jeder Dienst, jedes Wissen der Welt nur einen Klick weit entfernt an. Mit der Wikipedia als Joker fühlen wir uns schon fast allwissend. – Diese Macht, die wir durch das Digitale erlangt zu haben glauben, wird absurderweise meist nur durch die Machtlosigkeit deutlich, die wir verspüren, wenn wir mal kein Netz haben, kein Smartphone oder der Provider streikt. Dann würden wir den Zielort schon nicht mehr finden oder keine Pizza mehr bestellen können.

Der erste Schritt kann wohl nur Bewusstseinsschärfung sein. Beobachtung an uns, was die digitale Totaldruchdringung unseres Alltags mit unserem Bewusstsein schon macht. Kleine Dinge. Vielleicht reicht es ja schon, wenn man bei Treffen mit Freunden, das Dumbphone bewusst außer Reichweite legt.

Ach ich weiß es doch auch nicht.

Zerschlagt endlich Google und Facebook.

Schaltet das blöde Ding einfach ab.