Ich erschaffe, also bin ich.

von phorkyas

Aber nicht mehr als diesen Satz.

Oder was schließt sich daran an? Dass ich nur schreibend denken kann? Dass nur auf den Bildschirm fließenden Worte, nur das realitätwerdende, das letztlich-geschriebene Wort wirklich ist, während es auf dem unsichtbaren Eisberg dunkler, nur gefühlter, ungeschriebener Worte ruht? – Nur im Fluss des Textes und der Gedanken offenbart sich die strukturgebende Kraft des Geistes? Ohne die Schmerzen des Formulierens, Streichens, Editieren keine sinngebende oder symbolisch-verzerrende Wirklichkeit des Textes. – Ist es so?

Was da umherfleuchte, war aber vor allem dieser Gedanke: Dass das World Wide Web startete mit der Vision von allgemeiner Teilhabe und Inhalte-Schaffen, dass es keine Gatekeeper und Filter gäbe zwischen dem freien Austausch von Menschen. Was sich nun ins Gegenteil verkehrt: indem die Plattformen und Konzerne bzw. ihre Algorithmen bestimmen, was gesehen und geklickt werden kann. Und wir werden zunehmend auf die Seite des Klickviehs, der unmündigen Konsumenten geschoben. Aber selbst diejenigen, die das produzieren, auf das wir klicken, sind kaum einen Deut freier: Ziel ist die Reichweite, Metriken und Klickzahlen, auf die der Content zufrisiert wird. Dies sind die Bedingungen in Zeiten der digitalen Durchdringung aller Lebensbereiche. Wir sind nicht mehr weit entfernt von den Menschen in wall-e: an Screens gefesselte Reiz-Reaktionsschemata, die treffsicher vom Algorithmus hervorgesagt werden.