Kunst kommt von künstlich

von phorkyas

Dass etwas Kunst sei, erkennen wir an der Form. Daran dass der Gegenstand eine Formung erkennen lässt über die reine Funktion und Gefallsucht hinaus. Das leicht Paradoxe jedoch ist, dass wenn die Kunst gelingt uns diese Gemachtheit gar nicht stört. Nur wenn’s uns nicht gelingt ins Kunstwerk hineinzufinden, dann stoßen wir uns an der gespreizten Sprache oder dem aufgesetzten Slang, dann steht das Werk nur dar als Fremdkörper; Alien.

Es gibt jedoch in meinen Ausbrüchen gegen die Kultur einen aufkeimenden Verdacht: Dass diese bizarre Alienhaftigkeit das menschliche Wesen überhaupt ausmacht. Könnten wir mehr von außen all unser Gebaren betrachten, wie bei den Tieren im Zoo, wir würden wahrscheinlich schreiend Reißaus nehmen vor dem hirnerweichenden Blödsinn, den wir tagtäglich treiben und der ganz einfach völlig normal ist. Und wenn Sie jetzt meinen, ich redete davon, wie wir alle versuchen unser Leben durch das Getippe auf winzige Smartphonebildschirmchen hindurch zu leben, dann ist es nicht ganz das. Mein Befremden reicht weiter bis auf die Digitalkritiker hinaus, die offenbar glauben, bedrucktes Papier sei die naturgegebene Schnittstelle zum menschlichen Körper und Geist. Beim Menschen etwas „Natürliches“, von sich aus so Gegebenes auszumachen ist ungefähr so sinnvoll wie Pistazieneis auf der Sonnenoberfläche zu suchen. Wir sind die Aliens, die sich ihre eigene Alienhaftigkeit vor sich selbst verschleiern. Wir gewöhnen uns einfach an noch die verrücktesten Moden, indem wir einfach nicht darüber nachdenken oder sogar noch Geistesenergie darauf verwenden, unsere Gedanken in die bestehenden Dinge hineinzupassen.

Der Aufklärung nach sollte das Bewusstsein etwas Helles, Leuchtendes sein, dass die Welt und sich selbst erkennt, aufklärt, erklärt. Aber die meisten unserer Äußerungen sind doch Verdunkelungen, automatisches Sprechen der gedankenlosen Sprache. Wirre Zuckungen unser neuronalen Netze, Sprachmüll, die auch ein Bot so dahinrotzen könnte. Wo dahinter soll der existenzielle Nerv liegen, der unantastbare Ich-Kern, wenn ich mich nur der Sprache bedienen kann, die mir durch die Sprachgemeinschaft eingeübt wurde. Und wäre es besser, wenn ich das Ganze in schöne, wohlgeformte Sentenzen gösse, dass es so schiene, oh, da hat sich aber jemand was gedacht? Wäre das denn rechtens, damit anderen verwirrten Seelen, so etwas wie Orientierung oder Halt vorzugaukeln? Wir, des Chaos vielgeliebte Kinder, sollten uns in Alien-Angesicht blicken. Ohne Angst. Vor wem sollen wir uns denn fürchten, den religiösen Aliens, die komische Zaubersprüche murmeln und das Blut ihres Gottes trinken und das wie alle wieder für völlig normal halten? Srly? Oder den Gralshütern der Kunst, denen nicht genug Form und Künstlichkeit in deinen Ergüssen ist?

Sie haben wohl recht.