Väter und Söhne

von phorkyas

Dieser Vaterkomplex hatte mich bei Kafka schon genervt. Vielleicht auch nur in der sekundärliterarischen Überanschwellung, wo es dann wie etwas dem Werk Äußerlichen, bloß Aufgepfropftes wirkte. Dabei ist das physich-metaphysische Vater-Sohn-Verhältnis konstitutiv für Kunst und Literatur.

Das ging mir jetzt beim Lesen von „Söhne und Planeten“ wieder auf. Vielleicht verwende ich den Roman auch nur bei der gegenwärtigen Verschiebung meiner Perspektive. Worum es geht:
Der Gott-Vater als unhinterfragbare Autorität, physisch und intellektuelles Kraftzentrum ist für den Sohn immer ein Problem: Wie kann er sich seine Gunst oder Anerkennung erwerben oder muss er gar in Rebellion und Kampf ihn vom Thron verjagen? Jedenfalls: dem metaphysischen Vater können wir nie genügen, durch seinen Blick erfahren wir immer noch die Ungenügendheit selbst unser größten Stärken, die ganze lächerliche Endlichkeit unsere Fähigkeiten und Existenz. In den pubertären Allmachtsphantasien nehmen wir dann selbst seine Rolle ein, werden Weltordner, -erklärer, Leiter, Führer, Visionär: derjenige, der eine Delle ins Universum macht.

Diese spätpubertierenden, knapp über Zwanzigjähringen sind die Gefährlichen: Sie wollen die ganze Welt herausfordern, starten Revolutionen, Weltkonzerne, schließen sich dem Dschihad an, usw. Und ich weiß ja manchmal auch nicht, ob ich von ihrem Zorn und Ehrgeiz gerührt sein soll, ob ich sie lieber auslachen sollte, weil sie offenbar ein Vaterproblem haben. Ohne sie wäre die Welt vielleicht erträglicher und ruhiger, nicht so kaputt.. aber ohne Vertikalspannung und Übermensch, nur wer braucht die schon. Entropie macht doch eh alles platt, ob mit oder ohne Altersvorsorge.