Warum das Internet dumm macht

von phorkyas

Das Internet ist die Pest. Ich möchte jetzt nicht, die Artikel herauskramen, dass Jugendliche, die häufiger soziale Netzwerwerke benutzen, unglücklicher sind, oder die Artikel dazu, wie wir Smartphonebenutzer, dazu manipuliert werden, längere Zeit mit diesem Ding zu vertun. Denn ich weiß: bei der Suche nach diesen Links würde ich schon wieder auf irgendwas Interessantes stoßen und diesen Artikel gar nicht erst schreiben. Es ist wirklich so schlimm, dass ich Blogartikel am besten offline schreibe. Das Internet macht mich zum Content-Konsumenten. Natürlich gibt’s irgendwie noch Leute, die das Zeugs da reinstellen, aber die meisten von uns, sind doch zu Klickvieh degeneriert, die nur noch „einen Daumen hoch da lassen“ sollen.

Und weil mich dieser dieser Geisteszustand an mir selbst so anekelt, möchte ich ihn hier kurz beschreiben. Als persönliche Innenansicht einer der Millionen Internetabhängigen. Was also passiert, wenn man Hirn in einen Browser stöpselt? Zunächst gibt es vielleicht eine gewissen Ähnlichkeit zu der Funktion, die früher das Fernsehen hatte: Wenn man sich nach der Schule oder Arbeitstag auf die Couch sinken ließ und durch die Kanäle zappte, das Hirn auf Durchzug, die Netzhaut und Trommelfell berieseln lässt. Für eine gewisse Zeit ja ganz OK zum entspannen, aber das Internet ist jetzt 24 Stunden verfügbar und… Ich verspüre manchmal geradezu diese Lust: Ach jetzt mal mit ’ne halbe Stunde Youtube den Kopf einfach wegschalten. Eine Betäubung des Bewusstseins, wie es sonst vielleicht nur Drogen erreichen. Und das Internet ist eine Droge. Aber eine, die das Volk so sehr durchsetzt wie der Alkohol. Es ist einfach so Usus und akzeptiert, dass man die Suchtkranken als Kollateralschaden mitnimmt.

Im Netz sitzt leider kein Peter Lustig, der uns von Zeit zu Zeit daran erinnert, dass Ding mal abzuschalten. Aber wie echte Suchtkranke, leben wir ja auch noch immer in der Illusion, dass wir das Ding ja abschalten könnten, wenn wir denn wollten. Nein, wir können es (fast) nicht mehr. Deshalb wollte ich schon eine App programmieren, die einem einfach mal für gewisse einprogrammierte Zeiten den Netzstecker zieht… Oder einen Kurs in digitaler Selbstverteidigung entwickeln.

Aber wie kämen wir wieder dahin, dass wir das Netz benutzen und nicht das Netz uns? Mitunter fühle ich mich schon nur noch als Datenpunktliferant für die Empfehlungsalgorithmen, die mich munter in ihrem Klicklaufrad halten wollen. Nur lassen sich die Machtverhältnisse wahrscheinlich nicht mehr so einfach auf den Kopf stellen. Ich glaube, eines der Hauptprobleme sind auch unterschwellige, pubertäre Machtphantasien, die bedient werden: Über die Suchmaschine fühlt sich jeder Dienst, jedes Wissen der Welt nur einen Klick weit entfernt an. Mit der Wikipedia als Joker fühlen wir uns schon fast allwissend. – Diese Macht, die wir durch das Digitale erlangt zu haben glauben, wird absurderweise meist nur durch die Machtlosigkeit deutlich, die wir verspüren, wenn wir mal kein Netz haben, kein Smartphone oder der Provider streikt. Dann würden wir den Zielort schon nicht mehr finden oder keine Pizza mehr bestellen können.

Der erste Schritt kann wohl nur Bewusstseinsschärfung sein. Beobachtung an uns, was die digitale Totaldruchdringung unseres Alltags mit unserem Bewusstsein schon macht. Kleine Dinge. Vielleicht reicht es ja schon, wenn man bei Treffen mit Freunden, das Dumbphone bewusst außer Reichweite legt.

Ach ich weiß es doch auch nicht.

Zerschlagt endlich Google und Facebook.

Schaltet das blöde Ding einfach ab.

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