Verheißung

von phorkyas

Mit dem nächsten Blog-Post wird alles besser, so flüstert man sich unentwegt zu, da werde ich genau das treffen, was da in mir rumort. Da werde ich einen raushauen, das alle vier Leser von den Socken haut. – Und letztlich durch ein fremdes Blogband scrollend, hatte ich das inverse Erlebnis: Ich las einen solchen Geistesblitz-Eintrag gelesen zu haben, ein paar eisklare Worte zu der ganzen Misere, in welche einen die Bloggerei und diese ganze Digitalmindfuckerei uns stürzt, aber dann standen an der Stelle dieses Beitrages nur noch ein paar dürre Worte und jetzt weiß ich nicht mehr ob es diesen Eintrag je gegeben hat.

Ein ähnliche perfides Spiel trieb die Religion mit unseren Seelen, wenn sie uns das blaue im Himmel versprach, und so etwas konstruierte, das größer als jedes irdische Glück war, doch gleichzeitig unerreichbar und für keinen Lebenden verifizierbar. Die Literatur und Kunst dreht sich meist auch, um die Konstruktion solcher larger than life-Illusionen. Meist betrifft diese die Helden selbst, aber gerade habe ich ein anderes Beispiel im Sinn: Dann wenn ein Kunstwerk im Kunstwerk prominent ins Scheinwerferlicht gerückt wird. So wie Austers „The Book Of Illusions“ einen Film im geistigen Auge des Lesers heraufbeschwört von allerhöchster Kunstfertigkeit und dann zerstört – aber wenn die Kunst gelingt, dann färbt ein wenig der in Szene gesetzten Höhe auf das Kunstwerk selbst ab.