Wort

von phorkyas

Das Problem mit der Sprache ist doch die subtile Gewalt über die Dinge, die mit dem bloßen Aussprechen der Worte unbemerkt einhergeht. Wenn wir das Wort an ein Ding heften, um es zu bezeichnen, dann ist das nicht nur ein Etikett für einen ganzen Katalog von Dingen, sondern dann impliziert das Wort auch schon, dass dieses Ding gewisse Eigenschaften und Verhaltensweisen teilt, mit all den anderen Objekten der gleichen Bezeichnung. So als habe die Sprache die Macht, das Ding in seinem Sein zu beschränken – ja, Sprache suggeriert gar, sie könne den Wesenskern der Dinge selbst aussprechen oder das Objekt selbst im Moment der Bezeichnung aus dem ganzen Seinsgewimmel herausheben, dass es überhaupt erst sichtbar wird.

Die Wortreligionen hatten dies schon vor Wittgenstein schon so verschärft. In einem Kinderlied heißt’s so:

Gott der Herr rief sie mit Namen
Dass sie all ins Leben kamen

Das wird auf ersten Blick so widersinnig erscheinen, wie es ist. Als ob ein Ding erst bezeichnet werden müsste, damit es existiert. So wie der Ort eines quantenmechanisches Objekt vor seiner Messung noch keinen bestimmten Wert hätte, so hätte die Ursuppe vor dem „Wort“ Gottes noch keinerlei Kontur. Erst das Logos formte die Welt aus dem Chaos.

Oder andersherum, erst indem wir sprechend und denkend, die logische Einheit der Welt nachvollziehen, entfaltet sie sich (in uns). Sprache gebiert Welt, oder so.

Und dem misstraue ich. Dass die Sprache da eine ganze Welt aus dem Hut zaubert, zur Not beliebige, disjunkte Welten, das geht doch nicht mit rechten Dingen zu, das ist doch Illusion,… Maya. Unterwegs zur Sprache hieße dann immer auch: Unterwegs zur Welttäuschung, zum „täuschende[n] Gefühl der Aufteilung in Innen und Außen, Subjekt und Objekt.“

Wort?

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