Kaffeevollautomatenpoesie

von phorkyas

Mein kleiner Stöpsel lässt öfter so Sätze fallen, die voll ins Schwarze treffen. Wenn es Richtung Kita geht, will er immer mit in Richtung Arbeit und hat sich bisher nicht überzeugen lassen, dass der Papa da im Büro nur ganz langweilige Dinge tut. Heute wollte er mich dann überzeugen. Wenn er mitkäme, dann könne ich Kaffee trinken, oder auch Kakao, OK?

Er weiß ja nicht, wie sehr er damit den Büroalltag ins Herz trifft, in welchem die Entscheidung am Kaffeevollautomaten oft die schwerwiegendste des Tages ist. Trink ich jetzt schon meinen zweiten Kaffee und riskiere dann, dass ich kurz vor Ende, wenn der Magen schon grummelt, mir keine zusätzliche Dosis Koffein einschießen kann? Oder nehme ich dieses Mal mit Milch?

Die meisten Bürosklaven dürften an dieser Maschine, an die man sich doch allzu häufig vom Schreibtisch flüchtet, schon eine feste Routine entwickelt haben. So dass der maschinelle Knopfdruck oder die Auswahl am Touchpanel doch zu einem individuellen Ritual gestaltet wird. An der Uni gab es zum Beispiel einen Professor, der bei einer sehr bestimmten Kaffeemenge von etwa der dreiviertel der gesamten Abfüllmenge, seine Kaffeetasse vom Automaten entfernte und den Rest in die Abtropfschale fließen ließ. Es ließe sich wahrscheinlich eine ganze Kaffeevollautomatentypologie entwickeln. Ich gehöre z.B. zu denjenigen, die ihren Kaffee immer schwarz trinken. Und immer einen nach dem Mittagessen. In der Gruppe der Milchtrinker gibt es dann auch noch die mit anderen Zusätzen wie Zucker oder gar Kakao. Oder die Exoten, die die Verwendung der Maschine ganz entfremden, indem sie sich Teewasser ziehen.

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