patriarchy – revisited

von phorkyas

„Schwer zu sagen“, sprach der Mann, „manch einer kriecht ja auch nicht gern
Und er meint, er muss es tun, um die Familie zu ernähr’n
Dem Andern macht es Spass, er schafft sich Frau und Kinder an
Als Vorwand, nur damit er besser arschkriechen kann!“

Hannes Wader „Arschkriecherballade“

Das was sich Patriarchat schimpft ist wert, dass es zugrunde geht. Hält sich aber zäh wie der totgesagte Gegenpart, der christliche Gottvater. Dabei sind es gerade die Männer, die sich gegen die Zumutungen wehren sollten. Gegen den Verschleiß als Kanonenfutter an der Front des Kapitalismus. Die geringere Lebenserwartung als Arbeitsdrohne. Das einzige, was die Mühen rechtfertigen soll, ist die Trias aus Geld, Macht, Erfolg – die Mohrrübe vor unserer Nase. Leere Versprechungen für alle bis auf eine Handvoll. Die die irgendwie Glück hatten, Erbschaft erhielten oder durchtrieben, skrupellos und vom Ehrgeiz zerfressen genug, um wirklich nach oben sich durchzukämpfen oder schlicht so durchgeknallt, dass sie glaubten sie könnten eine Delle ins Universum machen. Klar auch nur Rhetorik. Der eine Hippie am See Genezareth, der hat’s vielleicht geschafft, hinterließ aber Jünger, die anderen die Bergpredigt mit der Hellebarde beibrachten. Da sind die Jünger, des anderen Sandalenträger vom Siliziumtal, die die Welt mit ihren kleinen weißen Geräten beglücken, doch schon beinahe putzig, aber nicht weniger lästig.

Ich habe es satt. Die immergleichen Zerstreuungen des Netzes, die man schon tausendmal geklickt hat. Die Kultur und Traumfabriken mit ihren leeren Versprechungen, die letztlich nur dazu dienen, die ganze Maschinerie am Laufen zu halten. Die Schuldzuweisung an das Opfer: Ja, wenn du keinen Erfolg hast, dann hast du nicht hart genug gearbeitet, dann musst du dich mehr anstrengen,.. oder dann hast du vielleicht gar kein Talent und musst dir eben was andres suchen. Während nach der einfachen Logik der Aufmerksamkeitsökonomie doch schon klar ist, dass der Erfolg eben nur für ein paar bestimmt ist, nicht alle Bestsellerautoren oder Youtube-Sternchen sein können. Für den dreckingen Rest, auf dessen Schweiß und krummen Rücken, die Pyramiden, Kulturerrungenschaften, Quellcodeungetüme errichtet werden, bleibt dann nur noch die schale Ideologie, die Rolle als Claqueur, der darf dann zusehen, wo er bleibt.

Lasst uns doch ehrlich sein, der Lüge ins Gesicht sehen. Wenigstens das. Am nächsten Tag können wir uns ja wieder ins Büro schleppen und dort einen weiteren Tag durchstehen, zusammengehalten nur vom Kaffee und der Aussicht auf das Wochenende.