Taumel

von phorkyas

Immer noch in Verunsicherung – some state of limbo. Warum hat mich das mit dem AlphaGo-Zeug so erwischt? Ist doch nur ein Spiel. Dass man die Maschine auf so eine begrenzte Aufgabe hin optimieren kann. Nun gut, was soll’s? Noch werden wir Menschen wohl nicht von den Elektronikhirnen wegautomatisiert werden, oder?

Kann das unheilvolle Gedankenknäul nicht entwirren. ‚S mischt sich in diese Enttäuschung oder Ernüchterung wohl auch das verstärkte Bewusstsein, dass Kunst als Religion, Opium oder Götze für mich nichts taugt. Das ist für mich doch auch nur Hochstapelei, wie lange will man sich damit selbst betrügen?

Aber da ist vielleicht auch noch eins mehr. Ich habe ja einige der Partien und Diskussionen darum verfolgt und.. natürlich ist eine so kleine Anzahl von Partien wenig an Daten, und das öffnet für Projektionen und gewagte Extrapolationen Tür und Tor, aber es hat mich schon schockiert, wie unterschiedlich und vielleicht auch wie falsch auch die Experten lagen: Die die z.B. nach der ersten Partie glaubten, AlphaGo würde keine weitere gewinnen. Oder wie schwer es fiel, den aktuellen Spielstand zu bewerten. Zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die Leute kamen. Gut die professionellen Kommentatoren, waren sich schon meist weitesgehend einig. Vielleicht sollte ich das einfach sehen. Denn, das ist fast der Punkt, an dem ich knabbere:

Ist hier vielleicht auch das diskursive, begriffliche Denken, mit dem wir Menschen unsere Probleme lösen schon ausgereizt, hinter sich gelassen, ein wenig perforiert? Ich meine, zu Go haben wir in den tausenden Jahren, die wir es spielen, ein Instrumentarium von Begriffen entwickelt, um das Spiel zu beschreiben. Und wenn einer der alten Bots versagte, dann konnte man sagen: Ha, da versteht er nicht was „sente“ ist oder, da hat er das „semeai“ nicht auslesen können, oder das „aji“ falsch bewertet, aber.. kann ja sein, dass AlphaGo so spielt als verstehe es die meisten unserer <a href="https://massgoblog.wordpress.com/2016/03/11/lee-sedols-strategy-and-alphagos-weakness/"Konzepte, aber was wenn das eher zufällig ist, wie man vielleicht an den ungewöhnlichen, aus dem Rahmen fallenden Zügen sieht? Dass manche diese Begriffe vielleicht gar keine objektiven Eigenschaften dieses Spiels sind, sondern unser Dazutun, und da wir uns daran halten, sie in unseren Partien natürlich auch zum Tragen kommen?.. Und was wenn Ähnliches für unser begriffliches Denken überhaupt gilt? Das Kausalität und dieser ganze Schmonzes nur unsere Projektionen in ein für sich eigentlich unstrukturiertes Chaos sind?