Plots, plots.

von phorkyas

Was macht diese Serien aus, von denen die Leute den Blick nicht abwenden können. Die These, dass dies der Plot sei, wurde letztlich von jemandem aufgestellt doch letztlich verneint, mit dem Verweis auf mad men. Ich hatte ja weiland auch schon so eine Einteilung in plot und character driven Serien versucht. Sein mad men Beispiel wäre dann atmosphere driven? Wahrscheinlich könnte doch beinahe jede starke Eigenheit eines Werkes, dieses als Ganzes tragen. Verweilen wir jedoch noch kurz beim Plot.

Heute sind da die plot twists und cliffhanger, die das Publikum der nächsten Folge entgegenfiebern lassen… aber eigentlich ist es das doch auch nicht, sondern die Schicksale: man muss sich mit einer Figur identifizieren, sie darf einem nicht völlig egal sein; denn warum sonst sollte man sich diese vielen Stunden mit ihr beschäftigen? Auch die Katharsis funktioniert doch nicht ohne. Wo wir dann schon fast bei den alten Mythen sind: Plotten die eigentlich auch? Verwenden die nicht überall die gleichen Stoffe – oder warum gibt es immer wieder diese Geschichte von einem, der im Bauch eines Wals überlebt, oder z.B. die apokryphe Legende von Judas: als Waisenknape im Binsenkorb ausgesetzt kehrt er irgendwann zurück und erschlägt unwissend seinen Vater und nimmt seine Mutter zur Frau. Das sind doch alles Remixes.

Geht doch auch im Kino so. Da kann man sich aus festen Bausteinen sein Ding zusammenstoppeln, die Sachen, die haben wir schon so oft gesehen, da denkt gar keiner mehr drüber nach, das schauen wir als Publikum einfach so weg. Jedes Genre liefert doch schon so einen „Klischee“-Bausatzkasten, nur das daraus verfertigte sollte irgendwie eigen, originär aussehen. Beispiele:
1) Diese Kameraeinstellung, mit der man den Zuschauer sofort wissen lassen kann, dass da noch jemand anderes im Haus, in der Wohnung ist, und gleich was passiert.
2) Diese Szene, wo ein wichtiger Zeuge schwer verletzt im Krankenhaus ist und auch bewacht wird, aber die Gangster trotzdem zu ihm durchkommen, um ihn abzumurksen.
3) Eine dem Protagonisten nahestehende Person entpuppt sich plötzlich als Verräter.
4) Das Sportteam, der Sportler, Kämpfer, der eigentlich der totale Underdog ist, trainiert hart und gewinnt schließlich.

Usw. usf.

Aber.. als ich die Falschmünzer wiederlas (und ich verhehle nicht, dass ich dieses Buch als eines größten des 20. Jahrhunderts lese!), da dachte ich bei einer Liebesszene dann doch: Oh, nein, wie papiern, das ist doch jetzt auch herkömmlich konstruiert, und es soll mich doch zur Identifikation, eigenen Gefühlsprojektionen locken, hmm? – ABER nein, das ging mir später erst auf, in Wirklichkeit, ist doch unsere Wirklichkeit papiern! Unser eigenes, einzigartiges Erleben ist doch auch vollgestopft mit diesen Versatzstücken, mit denen wir uns unser Leben schönpinseln und ausstaffieren, mit den kleinen subtilen Projektionen, dessen wie man sich in diesem Moment zu fühlen hat (und wozu wir durch Kultur und Werbung angeleitet werden).