Schirrmacher

von phorkyas

Die Podcasts auf alternativlos.org angefangen, weil ich für mich endlich mal Snowden und diese NSA-Geschichte aufrollen wollte. Bei einem zu den Cryptowars, das gespickt war mit den schönsten Anekdoten wurde dieses plausible Plädoyer verlinkt, wonach wohl alle Geheimdienste und nicht nur der BND mehr oder weniger keine Ahnung haben. Warum sollte es denen auch besser ergehen als uns? Auch eine Doku von arte zu 9/11 zeigte eine nicht gerade erfolgreiche NSA, so habe einer der überwachten 9/11 Attentäter nahe dem NSA-Hauptgebäude eine Waffe kaufte. Es wird in der Doku auch das Zitat eines Geheimdienstlers gebracht, worin dieser sich über Filme wie „Staatsfeind No. 1“ amüsiert, in denen die Geheimdienste die verborgenen, allwissenden Strippenzieher mit vollständiger Information seien, während in der Realität die Informationen und Daten wohl doch eben eher uneindeutig und immer interpretationsbedürftig zu sein scheinen.

Woher, so fragte ich mich, dieser Hang zu Verschwörungtheorien und der Glaube an allwissende Geheimbünde? Ist das nur eine kulturelle Konvention oder spiegelt sich darin vielleicht auch die Sehnsucht, dass im hintersten Hintergrund all dieses ungeordnete, unverständliche Weltgeschehen durchwebt sei mit Sinn.

Und dann sind da die Podcasts mit Schirrmacher. Was mir besonders auffiel bei jenem zu seinem Ego-Buch, wie sehr er sich für die Metaphern interessierte, so als hätte Blumenbergs Metaphorologie nachhaltig auf das FAZ-Feuilleton gewirkt. Die Metapher, die ganze Gespräch durchzieht, ist die der Maschine. Vielleicht ist sie tatsächlich zentral – ist es schon seit den Zeitaltern der Aufklärung und Industrialisation. Schirrmachers Gebrauch der Metapher schien mir nicht immer ganz schlüssig: In der Hauptsache bauten wir nun an einer Riesenmaschine, um in dieser nur nach als überflüssige Rädchen geduldet zu werden.¹ So ähnlich war der dystopisch gefärbte Tenor. Angela Merkel figurierte in dieser Fabel dann auch nur als eine, die diese Maschine flickt, – während man doch endlich den Ausstieg aus diesem Alptraumwerk herbeiträumen könnte.

Ich bin mir selbst nicht sicher, über einen adäquateren Gebrauch der Maschinenmetapher, ob sie überhaupt noch genügt unser Zeitalter ganzheitlich in den Blick zu bekommen. Die düsteren Moll-Akkorde, die bei Schirrmacher jedoch anklingen, gleichen mir einer Vorverurteilung, einer Abgrenzung, die ein vollumfänglichen Einlassen nicht ermöglichen könnten. Aber mittlerweile merke ich an mir selbst. dass ich das auch gar nicht mehr möchte. Mir steht die Technologie und diese ganze Gadgetindustrie langsam bis hier. Es ist doch überflüssiger Quatsch. Ich stand schon kurz davor mir eine Oculus Rift zu bestellen und mich in Blender einzuarbeiten, dieser Hype brandete als auch schon an meine Füße – und ich bin auch nach wie vor der Auffassung, dass das next big thing ist. (Facebook ist da in meinen Augen daher etwas besser positioniert als Google mit seinen selbstfahrenden Autos, aber da könnte ich auch mal wieder völlig falsch liegen.) Aber dann denke ich mir auch: Wozu? Lieber im Wald spazieren gehen, sollen das andere machen.

¹Ich selbst gebrauchte etwas Ähnliches: Dass ich mich als Softwareingeneur nun tief in den stampfend-dampfenden Maschinenraums eingraben würde, um dort tief im dunklen Bauch zu ergründen, was dieses Zeitalter überhaupt sei. – So gebraucht dann auch die Rubrik der FAZ dieses „Maschinenraum“.77444444444