Berufung

von phorkyas

Es ist schon mehrere Jahre her, da bin ich zufällig in so einen Künstlervortrag geraten. Gregor Schneider. Ich kannte ihn nicht einmal. Die Art und Weise, wie er stundenlang sein Werk vorführte, hat sich mir aber tief eingeprägt. Er beschrieb nur, zeigte Bilder. Und bei vielen Dingen, die er da gemacht hat, z.B. in eine Galerie Räume innen einzubauen, die den vorigen glichen (natürlich etwas kleiner) – und nur eine Modifikation vorzunehmen: eine Decke, deren Höhe sich über einen kleinen Motor aber so langsam verändere, dass es nicht zu bemerken sei. Die Frage, wozu man denn so etwas mache, die Rechtfertigung der Kunst, sie schwebte dabei schon metergroß im Raum, wurde auch gestellt, aber das war für mich das Bemerkenswerte: Durch seine Beschreibungen war sie völlig entkräftet: Dieser Mann brauchte keine Rechtfertigung, er tat einfach was er tun musste. Dass er dabei immer wieder in Kontroversen oder „Skandale“ geriet, war nicht seiner Provokationslust geschuldet, sondern Resultat einer skandaltriggernden Öffentlichkeit, die in Reduktion auf Eineindeutigkeiten, weder auf das Kunstwerk noch auf den Künstler hören will. Aber worum es mir geht: dieses Gezwungensein, einer Eingebung zu folgen, weil man gar nicht anders kann, ich glaube, dass zeichnet einen Künstler aus. Und das ist auch der Grund, warum ich keiner bin. Manchmal ja, da war schon einmal das Verlangen da, etwas zu sagen, da war etwas, das raus musste, aber jetzt lässt mich die Wirklichkeit meist einfach sprachlos, muss ich erst ergründen, was da überhaupt ist. Es wäre ein leichtes, dies darauf zu schieben, dass jetzt im Netz, in den sozialen Netzwerken so ein ein Übermaß an Text, an Meinungen, Nachrichten, Quasselei sei, dass es schon lähmt, dass ich meine textlose Höhle brauche, um von dort überhaupt noch einmal einen Satz entlassen zu können – aber die Wahrheit ist: ich weiß es einfach nicht. Ich würde gerne das Digitale ergründen, ohne vorherige Denunziation oder dystopische Mystifikation wie in der FAZ, aber wie wenn ich schon mittendrin, verheddert, kompromittiert bin und mir das Wasser schon bis zur Kinnspizte steht?