Illusion

von phorkyas

Da mir die Kolumnen von Max Goldt schon verschiedentlich angepriesen wurden, kaufte ich mir irgendwann einen Sammelband. Und ja, sie sind wirklich sehr gut, so sehr, dass ich mir mehrfach wünschte auch so schreiben zu können, wobei es auch sinnlos wäre, das imitieren zu wollen. – Als ich nur einmal den Sinnzusammenhang, die gedankliche Kohärenz aufeinanderfolgender Sätze anschaute, erschrak ich: über die Lücken, Löcher, die da durch eine lose, assoziative Fügung klafften. Wie konnte das sein, dass ich beim Lesen diese Kolumnen doch als ein Ganzes wahrnahm, in dem sich auch die absurdesten Seiteneinfälle wie logisch und konsequent aufeinanderfolgend ausnahmen?

Die Antwort konnte doch nur sein, dass diese Stringenz, dieser Ganzheitscharakter Einbildung ist, die ich mir beim Lesen machte. Ja, unser ganzes Denken wurde mir unheimlich, weil es wohl doch auch offensichtlich so ist, dass wir all diese Lücken füllen, wenn wir versuchen den Gedanken und Intentionen eines anderen zu folgen. Wieviel an ungerechtfertigten Annahmen, wildem Raten, wir jedes Mal schon veranstalten müssen, um nur zwei einfache Sätze unseres Gegenübers zu rekonstruieren. Und was bedeutet das erst für den totalen Werkcharakter einer Kulturmonstranz wie dem Roman; es muss sich doch um eine Illusion im Quadrat handeln.