„Harness complexity“

von phorkyas

– Ich weiß diese Komplexitätsscheiße ward noch versprochen: Hier Systemtheorie, dass die Aufgabe oder der Sinn, den ein (psychisches) Systems erzeugt durch die Reduzierung von Komplexität aufscheint.
– Und das jetzt übertragen auf die IT… Wo immer genau das Gegenteil passiert?
– Ja, nein… Ach, megaegal.
– Aber das Thema ist doch gut. Die komplexen Systeme, Kultur, Symbolnetzwerke, Wissenschaft, die der Mensch auftürmt wie Termitenhügel, um die Welt, die Dinge irgendwie zu bewältigen..
– ..und dabei nur weitere Komplexitäts-Katastrophen heraufbeschwört, weil seine Erklärungen nur einen Teil treffen oder seine „Lösungen“ wieder dies und jenes nicht bedenken, jaja. Aber irgendwie..
– ..ist dir grad nicht danach?
– Ja, weiß nicht. Nicht ganz fokussiert. Bringen wir’s aber halbwegs nach hause das Thema.
– Du bist doch auch so ein Verfechter des KISS-Prinzips.
– Verfechter ist schon fast zu wenig. Es ist schon ein Glaubenssatz, ein Mantra, ein goldenes Kalb… Oder vielmehr schon ein Kassandra-Ruf: Versuch es wenigstens am Anfang noch, die Dinge einfach zu halten, irgendwann kommt eh‘ die Komplexitätskeule und dann fliegen dir die Spezialfälle und Seiteneffekte nur so um die Ohren.
– Aber das muss man dann aushalten.
– Genau darum geht es. Irgendwie müssen wir uns da über Wasser halten… Das ist für mich auch das Faszinierende oder sagen wir die große, starke Metapher vom Go. Gerade bei den ersten Zügen wo noch alles leer ist, da ist das eine unheimliche Freiheit, so viele Möglichkeiten und ich fühle förmlich die Komplexität an mir zerren, wie ich in diesem Ozean der Möglichkeiten meine unbeholfenen Paddelbewegungen mache, um nicht unterzugehen.
– OK, versteh‘ schon und dass dann als etwas schiefes Bild fürs ganze Leben, wo wir mit unseren tausenden Entscheidungen jeden Tag auch irgendwie durcheiern.