von phorkyas

– WAS WAR DENN DAS? Kann man euch denn keinen Moment aus den Augen lassen? Der eine führt schon Telefonate mit seinem Autor wie Paul Auster und der andere.. erweckt hier Computerprogramme zum Leben. Gruselig. Hättest du nicht sowieso schon keine Leser. Scheint dieser Sichter und Ordner der einzige [zu sein] der bei Bo[m]b Macha nicht ganz den Kopf verliert.
– Ja, is‘ ja nu gut. Bist du deine Links losgeworden? Können wir jetzt hier endlich weiter machen im Text.
– Nun, ich mein’s aber ernst. Schnittstellen, private, public Methoden, das mag ja alles angehen, das Zeuchs,.. aber LEBEN?! Hallo? Pflanzen die sich etwa noch fort und vererben etwas, oder wie?
– Es drängte sich selbst eben auf diese These und dann musste ich die auch mal in den virtuellen Raum stellen. Und Vererbung, na klar, die gibt es auch noch. Ich bin ja selbst verblüfft darüber.. dass man jetzt das Vokabular von Plessner oder der Systemtheorie auf die Konzepte der Programmierung übertragen werden könnte. Ich möchte ja gar nicht sagen, dass man das sollte.
– Ts. Jetzt wieder der Totalrückzug? Wenn du das nicht gesagt haben möchtest. Warum sagst du dann überhaupt etwas?
– Nun, vielleicht so: Nehmen wir es als metaphorologisches Fragment, die Informatik zu erschließen.
– Uff, aus der Nummer komm ich wohl nie wieder raus.
– Na sei froh, dass du nicht in meinen Roman geraten bist. Bei dem habe ich mir jetzt überlegt soll es nicht nur um „Raum“ (und Go) gehen, sondern er soll auch.. ein Computerprogramm sein.
– ?
– OK, das ist noch nicht so ganz ausgereift. Es soll kein Computerspiel, kein multimediales Buch mit so ein paar Tönen oder Videos, das wäre Quatsch, aber ich werde meine Programmiertätigkeit da mit hineinnehmen.
– Hilfe. Du willst wirklich, dass das völlig unlesbar und unverkäuflich sein wird, oder?
– Aber eigentlich wollte ich heute gewissermaßen auf die metaphermäßige Gegenseite kommen. Wir hatten jetzt ja Organizität. Software oder Objekte als Proto-Lebewesen, mit Schnittstelle oder Proto-Membran. Das läuft unsrer Intuition völlig zuwieder, nach der wir Programme nur als tote Abfolgen von Anweisungen sehen wollen, die eine Maschine blind und sklavisch befolgt.
– Da haben wir dann diese Wortfelder, die auch diese ganzen Paper durchsetzt, die beweisen, dass Computer nicht denken können, bzw. das schon 1960 als absurd abtan: Was diese Systeme tun ist mechanisch, formal, uninspiriert, einfallslos, sie könnten ja nicht einmal Fehler machen etc.
– Hörst du da auch noch ein vitalistisches Echo? Ja, der Maschine fehlt der Élan vital, der göttliche Funke, das Einhauchen des Lebensatems.
– Das Müssen wir Demiurgen eben besorgen.
– Ach die schon wieder. Aber weiter in diese antarktische Kälte der reinen Erkenntnis: zu den formalen Sprachen und der Beweistheorie.. Was kannst du von dort herüberbringen?
– Ja, ich hatte mir da letztens ja ein bisschen was reingezogen. Hmm.. Wie soll ich es anfangen. David Foster Wallace schließt sein Buch mit den Worten:

Falls es Sie interessiert: Gödel selbst hielt die Kontinuumshypothese für falsch; er glaubte, dass noch eine ganze ∞ von ∞en des Zenon-Typs zwischen ℵ_0 und 2^ℵ_0 „eingeschachtelt“ ist und das früher oder später ein Prinzip gefunden würde, das dieses beweisen würde. Bislang wurde kein derartiges Prinzip gefunden. Gödels und Cantors letzte Lebensjahre waren von Gemütskrankheiten überschattet, und sie hinterließen eine Welt, die keine endlichen Umfang hat. Eine Welt, die sich heute in einer neuen Art von formaler Leere dreht. Die Mathematik steckt noch immer in den Kinderschuhen.

Also ich sehe das genau andersherum. Es ist nicht Leere, sondern Erfülltheit. Wenn man das natürlich aus Hilberts Sicht nimmt, so war das vernichtend und das klingt für mich da immer noch hindurch: Es wurde kein felsenfestes Fundament für die Mathematik gefunden, bzw. genauer: es wurde gezeigt, dass dieses Fundament nie vollständig, nie über alle Zweifel erhaben sein würde. Aber ist das eine so schlechte Nachricht? Heißt das nicht auch, dass die Mathematik nie zu einem Ende kommt, dass man noch immer auf neue Sätze stoßen wird und wir nie mit Sicherheit sagen können, ob er wahr oder falsch ist, bis wir einen Beweis oder eine Widerlegung haben. Hätte mit Erfüllung von Hilberts Traum nicht gewissermaßen auch das Ende der menschenbetriebenen Mathematik bedeuten können, weil man unser formales System einfach dem Elektronengehirn hätte einspeisen müssen und dieses könnte dann aus den Schlussregeln schon alles ableiten – ähnlich wie Hegels Geist das Ende der Geschichte wäre – Aber es ist ja nicht so. Zum Glück.