Begegnung der 3. Art

von phorkyas

IV

Nun war nach einigen Monaten Bob Macha schon fast vergessen, da stand er plötzlich im Rahmen unserer Bürotür. Und sogleich lief er sich warm, kam von den jüngsten NSA-Enthüllungen zu der Trägheit der heutigen deutschen Bevölkerung, die anstatt diese Regierung aus dem Amt zu jagen, wie es noch in den 80er Jahren passiert wäre, oder gleich die Guillotinen aufzustellen, die ganze Affaire nur schulterzuckend abhakt, und steigerte sich alsobald zu einem anschwellenden Bocksgesang zwischen einem fundamentalistischen Wirtschaftsliberalismus, zu dem sich die FDP schon nicht mehr trauen würde, und einer militanten Politikfeindlichkeit wie sie die BILD-Zeitung oder die konkret nur selten in so kondensierter Form erzeugen.

So weit, so gewohnt. Doch irgendetwas stimmte nicht. Hatte dieser Abschied von der Firma etwas in ihm gebrochen? Waren seine Tiraden deswegen noch vehementer, bei aller Energie und Kraftmeierei eben doch auch verzweifelt, vielleicht schon voller Schmerz?

Aber dann bog er plötzlich ab. Und so ganz will es auch jetzt noch nicht glauben, dass er, Bob Macha, plötzlich in verschwörungstheoretische Fahrwasser geriet, diesem Bodensatz der Internetmeme. Da sprach er dann von den Ungereimtheiten von 9/11 und ich hatte schon fast Angst jetzt käme noch das Weltjudentum wie bei Bobby Fischer, aber er fing sich schon wieder, wischte das zuvor gesagte beinahe beiseite, als sei es ihm auch nicht ganz geheuer und stapfte noch durch die Firma auf der Suche nach einem Hardwareteil, das er für ein Projekt gebrauchen könnte.

Hätte ein Vorgesetzter danach uns nicht aufgefordert, die vorige halbe Stunde besser zu löschen, so hätte sich diese irritierende Brandrede in ihrer leichten Unwirklichkeit nicht noch deutlicher in mein Hirn gebrannt. Und der Gedanke an sie bringt mich immer noch leicht ins Taumeln; was für monströse Aberglauben, irrsinnige Irrationalitäten und Alien-Begegnungen wohl in meinem Hirn nisten mögen, wenn so etwas selbst in das Gehirn eines Machas eindringen kann?