Begegnung der 3. Art

von phorkyas

III

Seit 16 Jahren arbeitete Bob Macha für diese Firma. Diese Arbeit war sein Herzblut. In dem mit „Labor“ betitelten Raum wuchsen die Hardware-Berge noch höher, noch ausladender als in seinem Büro. Hier war er in seinem Element: wenn er an Hard- und Software frickeln konnte. Er war ein rechter Berserker. Stämmig, massig, mit schon schütter werdendem Haar wuchtete er sich in die Arbeit, bohrte, vergrub sich in Codezeilen. „Durchfräsen“, nannte er das am liebsten.

Dass er schon einigen Leuten gekündigt hatte, ließ er früh durchblicken, und auch als er nach der Hälfte der Probezeit in einem Gespräch klar machte, dass er recht zufrieden sei, fühlte ich mich nie wirklich sicher, auch weil da schon einige „Umstrukturierungen“ am Horizont sich abzeichneten. Von denen er wohl auch betroffen sein würde, wie er andeutete.

Und so kam es dann auch. Bei einer Betriebsversammlung bei der die Hälfte der Belegschaft abserviert wurde, schob es ihn aus dem Organigramm, nach einer gewissen Übergangszeit würde er nur noch ein „Freier“ sein. Beratungszeit, ein paar Stunden noch hier und da, aber eigentlich war er weg. So als würde man ein Organ einfach aus dem Körper entfernen. So fest war er doch eingewachsen in die Strukturen, in die Firma und das sollte nun mit einem Schlag vorbei sein. Und es war auch merkwürdig als wir das „Labor“ aufräumten. Als machte diese Beseitigung des Chaos den Einschnitt, das Ende einer Ära noch augenfälliger.

Selbständig, auf sich allein gestellt war er nun. Ob er noch so gut Gas geben könnte? Das tat er nicht nur gerne in der Firma, in seiner Rede, sondern auch am Steuer. So als quölle die Energie und der Tatendrang aus jeder Pore seines Körpers und also auch über das Gaspedal und die strotzenden PS auf den Asphalt. Aber nun, wohin damit? Hatte man ihn nicht aufs Abstellgleis manövriert, so als bedürfte es dieser Energie nicht mehr, so als wäre diese Quelle nie gesprudelt, als wäre sie ganz und gar überflüssig?