Spracherwerb

von phorkyas

Mein Onkel war ein Computerenthusiast der ersten oder vielleicht schon zweiten Stunde. Jedenfalls sorgte das dafür, dass wir schon in den 90ern so ein Ding anschafften. Einen 486er mit Windows 3.11. Ich weiß noch wie enttäuscht ich Anfangs war: Furchtbar viel konnte man da nicht machen. Außer der popligen Textverarbeitung und vielleicht einem Spiel war da nichts drauf. Ein Lexikon als CD-ROM hatte ich dann später noch.

Aber dann brachten ein Klassenkamerad, der schon begonnen hatte, und ich uns selbst das Programmieren bei. Einfach per Versuch und Irrtum und anhand von Beispielen. Als fast so wie man eine natürliche Sprache erlernt. Das war große Entdeckerfreude: Durch Befehle konnte man das Ding steuern, und man hatte wie in der normalen Sprache einen fast unendlichen Raum, eine Freiheit, das auszudrücken, was einem in den Sinn kam. Man musste nur wissen, was man wollte.

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Eigentlich sieht Borges die Sprache in seiner Biblioteca de Babel wie ein Mathematiker oder Informatiker: sie besteht aus beliebigen Aneinanderreihungen der Zeichen des Alphabets. So gibt es in dieser Bibliothek auch Bücher, die die Zeichenfolgenkombination „Ziuahfwzgypqn jwkakgsd POPzuqbakassh aüyöahiowqu!“ enthalten würden. Ich glaube er weist sogar darauf hin, dass diese Bibliothek nur endliche Ausmaße hat, was richtig ist, solange man die Länge eines einzelnen Buches beschränkt.

In der Sprache der Informatik wäre ein solches „Buch“ mit einer Ansammlung von Worten gerade eine „Sprache“ und ein „Problem“ die Frage, ob ein gegebenes Wort in einem Buch bzw. Sprache anzutreffen ist. Ein Standardbeispiel wäre: Man wählt als Alphabet die Ziffern/Zahlen und als Sprache die Primzahlen. Dann entspricht das zugehörige Problem gerade der Frage, ob eine gegebene Zahl eine Primzahl ist. (Allerdings wäre dies gleich ein Beispiel, eines „Buches“, das nicht in der Bibliothek enthalten ist, da es nicht möglich ist alle Primzahlen in ein Buch zu drucken, weil es unendlich viele gibt.)