Die Totalität des Internets

von phorkyas

In ihrem Blogeintrag findet Alea Torik eine eindrückliche Metapher für die Absolutheit, mit der uns das Internet begegnet. Ein Junge glaubt die Geschichte seines Vaters nicht, weil dieser in einer Situation das Netz nicht zur Hilfe nahm. Die Entgegnung, das Internet habe es da noch nicht gegeben, erntet nur Unglauben.

Das Netz ist so allgegenwärtig so sehr Teil unseres Lebens, dass es undenkbar scheint, wir könnten uns je wieder ohne es leben. Dabei haben wir es ja getan. Das finde ich immer wieder so verwirrend an den Menschen: wie sie eine vollkommene Umwälzung ihres Alltags und ihrer Lebensweise mit solcher Selbstverständlichkeit hinnehmen und einfach hineinschlüpfen wie in eine neue Haut. Wie innerhalb von wenigen Jahren auf einmal alle mit Smartphones durch die Gegend turnen und diese Wischbewegungen plötzlich nicht mehr wegzudenken sind. Es lässt mich jedes Mal staunen und ich wünschte mir dann einen Seismographen des Alltags, der diesen mikroskopischen Wandlungen unserer Lebensweise und damit verbunden unseres Denkens nachspürte (noch mehr: selbst diese Fähigkeit zu haben).

Aber ich schweife ab. Es ließe sich noch so viel sagen zu der monomanischen Weise, in der wir und die Medien sich auf Themen stürzen und sie zum alleinbestimmenden Inhalt unseres Denkens werden lassen, dass kein Platz mehr bleibt für anderes usw. usf. – Es ist somit doch auch eigentlich nichts netzspezifisches, dass sich das Netz so bläht und wölbt als sei es der Allmächtige in Unperson. (Was allerdings interessant sein könnte ist die Geschichte der Open-Source Gemeinschaften, ihrer Ideologien und Kultur.)

Ich weiß auch nicht, ob die Reaktion des Sohnes unbedingt Unglauben sein muss, oder ob er das Ganze nicht eher wie eine Geschichte, Erzählung, Märchen aus ferner Zeit begreift. Und bestimmt wäre ich ihm megapeinlich mit diesem komischen Blogdingsda damals.