Meeting the Macha

von phorkyas

Eben war die Kneipe noch vollgestopft mit Fußballfans. Champions League. Der Platz der Go-Spieler ist direkt an dem Durchgang zum abgetrennten Rauchzimmer, an welchen auch die Küche grenzt. Während man also süffiges Bier hinunterstürzt und Steine aufs Brett setzt, strömt der wohlige Geruch deftiger Speisen vorbei. Wahrscheinlich hat sogar jede Kneipe ihren eigenen Geruch. Den Geruch dieser Kneipe verband er mit Go-Spielen. Stammgäste waren sie schon, bekamen ihr Weizen oder Pils und auch den Nachschub, ohne zu bestellen. Aber heute war wieder einer dieser Fußballtage. Die Hitze der umgebenden Leiber erschwerte die Konzentration und ab und an dann doch einen Blick auf den Fernseher, um den sich im Raum verdichtenden Spannungen und Entladungen nachzugehen. Elfmeter verschossen. Immer noch kein Tor. Und dann kurz vor Ende der Spielzeit doch noch die Erlösung: der Kneipenraum dröhnt vom Triumphschrei. Einer der Fans: „Boah, das ist echt noch geiler als Poppen.“ Danach leert sich die Kneipe sehr schnell. Zwei Go-Spieler klammern sich noch an ihr Brett; endlose Analysen und werden dann irgendwann um zwei rausgekehrt werden müssen. Da entdeckte ich Bob in einer Ecke. Das Gesicht, alles abgespannt, gelöst. Vielleicht hatten die zehn Bier auch ihren Beitrag geleistet, jedenfalls schien die ganze Macha-Maske wie von ihm abgefallen. Der ganze stählerne Zwangsoptimismus und so ließ er sich auch richtig gehen:
„Phorky, weißt was das Problem ist an diesem ganzen Blogscheißdings? Nix ändert sich. Und am schlimmsten noch: man selbst auch nicht. Nicht das kleinste bisschen. Da hilft kein ‚Relaunch‘, keine neue digitale Haut. Man bleibt doch der alte fluchende, verzweifelte Pessimist, dessen Tiraden ungehört verhallen…“
Langsam redete er sich in Rage.
„Und das schlimmste noch ist das Publikum! Diese neunmalklugen Brettspielfreunde, die mir dann meinen Blogozentrismus erklären. Und sie haben ja nur die besten Absichten und stecken sogar große Hoffnungen in einen. Ja, vielleicht wären sie wohl die einzigen drei, vier Leser, die sich auch die Gondeln aus Blei ans Bein binden ließen. Aber sehen sie denn nicht, wie diese Erwartungen, wie ihr Blick, ihr Bild von mir mich lähmen? Mir eine Neuerfindung gar unmöglich machen, weil es dann hieße: ‚Nein, das ist nicht Macha.‘ Weil sie’s schon am besten wissen, wer dieser Macha ist. Ich hab’s echt satt…“
Und was sollte ich, der ihm nun auch noch diese Worte in den Mund legte, schon tun außer ihm auf die Schulter zu klopfen und langsam nach Hause zu staksen?