Schöne neue subjektlose Zeiten

von phorkyas

Erst sollte hier gar kein Artikel stehen, aber jetzt denke ich mir, was soll’s warum denn nicht, soll ich die Anonymität hier doch mal nutzen und meiner Wut einfach freien Lauf lassen.

Also; was mich ankotzt, dass man mir nicht einmal ein Kellerloch zugesteht, mein Wurmdasein zu fristen. Nein, ich muss heraus, mich Selbst behaupten. Aber welches Selbst, wenn es doch nur behauptet ist? Ich muss positiv sein, motiviert, dynamisch, kreativ – meine Haut, meine Person auf dem (Arbeits-)Markt feilbieten…

Es ist mir zuwider. Ich will es nicht. Das behagt mir nicht. Alles sträubt sich in mir, alles fährt auf, zieht sich zusammen, ballt sich, wütet. Es ekelt mich an.

Was wollen sie denn? Es kann doch nicht sein: Dass Patrick Bateman hier besser passen würde, als ich. Oder tue ich ihnen unrecht? Ist der Druck, den ich mir selbst gerade mache nur meine Einbildung, ist es egal. Ja, vielleicht ist es egal. Aber ich entwickle schon eine gefährliche Abneigung gegen Personaler und Manager. Gegen Menschen, die vor Selbstzufriedenheit triefen oder die diesen Durchsetzungswillen, das Aalglatte, Stromlinienförmige schon so verkörpern, dass es unmöglich scheint sich diesen Menschen in Schwierigkeiten vorzustellen: Er kommt schon irgendwo an. Aber ich, der ich ja nicht einmal ankommen möchte? Ich will nur in Ruhe gelassen werden, in mein Kellerloch kriechen und in einem Sprachwerk dies alles zur Hölle jagen, dass ihnen Hören und Sehen vergehe. Aber es ward mir nicht gegeben. Die Zunge, die Sprache, die Gedanken. Was hülfe es aber die anderen für mich sprechen zu lassen, aus Versatzstücken, Scherben, mir meine Abrechnung zusammenzuflicken? Es müssten schon meine Worte sein, mein Fluch, mein Schrei.

Advertisements