Das Wissen der Algorithmen

von phorkyas

Seit der Mensch Automaten baut scheint er davon fasziniert sich mit diesen zu messen; am besten noch in geistigen Dingen. 1769 erregte so eine Schachmaschine Aufsehen, die scheinbar selbsttätig Schach spielte. Auch wenn dabei noch ein Mensch im Inneren saß, um die Züge zu machen, gab es bald mechanische Apparaturen, die schon ein Turmendspiel bewerkstelligen konnten – bis zu der Entwicklung heute, nach der auch die weltbesten Spieler chancenlos sind gegen den Computer.
(Ganz hübsch finde ich auch noch die Schachroboter, die wie die Apparatur von 1769 selbst noch einen Arm haben, um die Figuren zu bewegen – z.B. hier.)

Was mich dabei interessiert: Das menschliche Erkennen scheint mir gekennzeichnet durch Begriffsbildungen und das Spiel mit diesen Begriffen. Beim Schach hat es so seine Jahrhunderte gedauert bis man Dinge wie Freibauern, offene Linien, Gambit usw. entdeckte und beschrieb. Wie nun ist diese vom Menschen entwickelte Schachtheorie im Computerprogramm abgebildet? Wenn man in das Programm hineinschreibt, was ein Freibauer ist, so könnte man wohl davon sprechen, dass der Rechner es „weiß“. Wie aber, wenn man es nicht codiert, sondern die Zugfolgensuche so weit betreibt, bis das Programm die Umwandlung selbst „sieht“? Wenn das Programm in beiden Fällen sich so verhält, dass es den Gegner daran hindert einen möglichen Freibauern zu schaffen, sollte man dann davon sprechen, dass es weiß, was ein solcher ist? Oder begeht man dann den berüchtigten Kategorienfehler (so wie ihn die Überschrift ankündigt)?

Beim Schachprogramm tendiere ich zu einem: Ja. Es scheint doch absurd zu sagen ein solches Computerprogramm verstehe nicht, was es da spiele, wenn es mittlerweile in der Lage ist in Positionen, die Menschen für verloren halten würden, noch Widerstand zu leisten oder gar zu gewinnen, wo gerade also unser Verstehen schon an Grenzen gerät. In diesem Zusammenhang schwirrt mir aber noch eine griffige Formulierung des Funktionalismus von Dennett im Kopf herum: Wer sich schlau verhalte, dem müsse man auch Schlauheit zu gestehen (genaues Zitat muss ich noch nachliefern). Oder bezogen auf das Bewusstsein: egal was im Inneren für Prozesse ablaufen, was auch immer die ‚Hardware‘ sei, wenn sich etwas so komplex verhält, als habe es Bewusstsein, mit welcher Berechtigung sollte man es ihm dann absprechen?