Fiktionalität

von phorkyas

Zu meinem eigenen Beitrag möchte ich noch anfügen, dass ich, als ich sagte, dass wir die Umstände visualisieren, sagen wollte, dass wir das eben nicht so sehen können, wie uns die Teleskope oder andere bildgebende Verfahren das zeigen. Wir behaupten, dass wir es so sehen könnten, aber wir können es nicht! Ich empfinde das als einen wesentlichen Unterschied. Weil es eine logische Absurdität beinhaltet: es ist vollkommen unmöglich, dass unsere Augen das sehen also ist es absurd, zu sagen, könnten sie es, sähen sie sie es genauso wie die Teleskope. Mit demselben logischen Verfahren könnte ich zu der Frau bei meiner Bank gehen und sagen: ‚wenn Ihre Augen besser wären, könnten Sie die Millionen auf meinem Konto sehen‘. Aléa Torik

Nö.¹

Was ist Realität? Intuitiv sind wir geneigt dem Apfel in unserer Hand mehr Realität zuzuschreiben als der imaginierten Million auf dem Konto. Dem liegt vielleicht der ’naive‘ Realitätsbegriff unseres Alltags oder auch der klassischen Mechanik zugrunde: real = materiell, physisch (dem was wir sehen und buchstäblich „begreifen“ können). Aber schon schnell werden die Dinge verworren, was ist mit Licht oder Information? Gehören die nicht auch zu unserer Realität? (Von den Schwierigkeiten in die uns die Quantenmechanik bringt noch ganz zu schweigen.)

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¹Das Problem ist, dass das zweite ’sehen‘ schon metaphorisch zu sehen ist, denn der physische Vorgang des Sehens kann ja nicht gemeint sein, da dieser zweifelsfrei bestätigt, dass da keine Million ist. Es ist vielleicht genau dort das Rubikon ‚postmoderner Beliebigkeit‘ überschritten, wonach denn alle Ebenen vermischt werden und alles nur noch Fiktion oder Narration ist (was schon allein deswegen Unsinn ist, weil dafür die intersubjektive Klammer einer verbindlich-verbindenden Sprache vorausgesetzt werden muss). Aber wahrscheinlich ist dieses Argument auch nicht ernst gemeint, ich versteh mich halt nicht so auf Ironie, schon gar nicht postmoderner(;