Spiel und Sprache

von phorkyas

Die Begeisterung für das Go-Spiel hält an. Zwar bin ich immer noch genauso ein Stümper wie beim Schach, aber darum war es mir ja auch nicht gegangen. Es interessierte mich vielmehr die Spielphilosophie. Der Kampf der Parteien wurde da gar mit dem Gleichgewicht von Ying und Yang verglichen. Solche Dinge machten mich beim Schach schon skeptisch: Übertragungen auf das Leben oder den Charakter der Spieler. Dass es da ruhigere, positionellere Spieler gebe und aggressiv-angriffslustige. Aber wir Menschen sehen es fast zwangsläufig so: wir unterstellen einzelnen Zügen immer einen Sinn, einen Plan und sehen so in ihnen manchmal sogar noch mehr; eine Art, einen Charakterzug. Und so wird das Spiel z.B. bei solchen „Meisterpartien“ dann oft stilisiert zum Kampf verschiedener Temparamente und Genies.

Was passiert nun wenn der Gegner eine Maschine ist, die ihre Züge nur kalkuliert? Hat deren Spiel überhaupt noch einen Sinn oder sollten wir ihn zumindest unterstellen? Die Spielweise der Menschen ist doch so: dass sich ein Wissens- und Begriffsschatz ansammelt und dass man von einem Schüler sagt, er habe das Spiel begriffen, wenn er mit diesen Instrumenten eigenständig arbeitend sinnvolle Züge tut. Beim Schach lernt man dann z.B. nach den Erlernen der Regeln so etwas wie das Besetzen von offenen Linien, Freibauern, Gabeln usw. kennen. Wenn das Schachprogramm die Steine so führt, als habe es diese Begriffe zu meistern gelernt, könnte man dann davon reden, dass es sie ebenso begriffe? [Mentale Notiz: Die Grundfrage, die hier liegt ist vielleicht: Lässt sich das ganze menschliche Denken auf logisch-symbolische Prozesse abbilden? Ließe es sich auch auf eine Turing-Maschine transferieren?]

Damit wollte ich insbesondere die Bedeutung der Sprache für die menschliche Erkenntnis betonen. Wir bilden Begriffe und erst durch diese sehen wir die Dinge, können sie begreifen. Aber reicht das zur Begründung, dass das Spiel der Maschinen etwas ganz anderes sei als das der Menschen? Wieviel wissen wir denn von unserem eigenen Spiel? Vielleicht laufen in unserem Hirn ja auch nur algorithmenähnliche Prozesse und die Begriffe sind lediglich nachgeschaltete Rationalisierungen, dessen was unser Neuronengefeuer da fabrizierte?

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