Normierung und der Fetisch der Zahl (III)

von phorkyas

III) Wat is en Zahl?

Der erste Beitrag dieser Reihe sollte den Blick schärfen für den genauen und peniblen Umgang mit Zahlen bzw. Messwerten, während im zweiten schon der Übergang zu einer möglichen Kritik begonnen wurde, indem das Komplexitätsreduzierende der Zahl problematisiert wurde. Vielleicht ist hier eine noch weitwinkligere Perspektive nötig, wie sie zu Anfang mit dem Bezug auf die Herbst’sche Ästhetik angedeutet wurde: So könnte man auf die Idee verfallen, dass es heute eine Vorherrschaft der Zahl, des bloß Messbaren gibt. Ein stumpfes Klammern an die Ziffern, die nicht mehr selbst poetisch geladen, wie bei den Pythagoräern oder bei Kepler, wo sie noch Träger der sphärischen Harmonie. Haben wir nun nur noch die säkulärisierte Zahl oder gab es doch religiöse Schauer, wenn Steve Jobs die neueste Rekord-Bilanz präsentierte? Muss denn das Poetische bei dem gerade die Leerstellen zählen(!), das Nicht-Messbar-Inkommensurable überhaupt gegen das rein Faktische in Position gebracht werden? Oder ist dieses Unbehagen gegen die Technik, den Fortschritt, die Aufklärung, das uns schon Jahrhunderte begleitet, ist das letztlich nur eine Chimäre? Wenn dieses Jahr sogar der Physik-Nobelpreis dafür verliehen wurde, dass Forscher uns in Kenntnis setzten, dass wir über 95% des Universums in völliger Unkenntnis sind, sollen wir dann überhaupt noch Angst vor dem Einengenden der reinen Fakten haben? Ist dann der Hirsch dem Index nicht schon längst entsprungen:
Blogdynamische Sprengung des Hirsch-Index durch Dr. Schein
(freundlichst zur Verwendung freigegeben von Dottore Schein)

„Es ist ein Hirsch entsprungen“ –
In diesem Sinne wünsche ich allen verstreut hier Lesenden ein befreites und entspanntes Fest!

Darüber was eine Zahl ist — und ob diese unabhängig vom Zählen, Rechnen überhaupt existiert — muss ich wohl später noch schreiben (da ich es auch einfach nicht weiß).

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