Feuilleton

von phorkyas

Ab und an habe ich mir die Kolumnen von Diez auf Spiegel Online angeschaut. Fand sie meist eher mau, doch diese hier, die schlägt dem Fass den Boden aus.

Feuilletonisten sind Menschen, die einem Gemeinplätze wie große Wahrheiten um die Ohren hauen und sich vor lauter Erschrecken über die eigene Mittelmäßigkeit in eine bequeme Form von Weltekel retten.

Wie lange müssen wir nun auf den Gemeinplatz warten, die Feuilletonisten seien lebensfremde Elfenbeinturmbewohner?

Typisch Feuilleton, also. Das alles vor dem Hintergrund einer sich tatsächlich radikal verändernden Welt, in der aber, wenn es um das Internet oder den Kapitalmarkt oder auch um Bücher geht, Genauigkeit und Kenntnis gefragt sind und nicht bequeme Pauschalurteile. In der die Wirklichkeit so komplex geworden ist, dass die Wut, die Besessenheit, die Verletztheit, die Welterfahrung des Einzelnen von umso größerer Bedeutung ist.

Erscheint nur mir das so…
Tut mir leid, da bleiben mir glatt die Worte aus, weil nur noch Kraftausdrücke helfen würden. Gibt es überhaupt ein einen abgegrasteren Gemeinplatz als diese „Komplexität der Welt“? Gibt es kein platteres Pauschalurteil als der eigene Liebling passe nicht ins „Literaturschema der Betriebsspießer“?

Das ist Feuilleton: Alle blöd außer ich.
Nur darf man’s nicht grad so blöd sagen.