Das trojanische Pferd (2)

von phorkyas

(Fortsetzung – Dennett, der Blogozentriker und Phorkyas konversieren über die Gedankendrüse Hirn und andere Schauerlichkeiten)

Dennett: Gut, nun haben Sie Ihren Blumenberg-Trumpf gespielt: Natürlich bestreite ich nicht, dass unser Erkennen metapherndurchwirkt ist, dass die ganze Wissenschaft voll ist davon. Dass fast jedes Modell oder jedes Paradigma einen solchen Charakter hat: Durch Analogie oder Übertragung etwas Unverstandenes zu begreifen.
Phorkyas: Damit haben Sie ihn aber nicht entschärft.
Dennett: Wollen Sie nun doch in rhetorische Scharmützel stürzen? Ich dachte, Sie hätten eingesehen, dass Sie da chancenlos sind.
Blogo: Na, mit meiner bleischweren Feuerkraft an der Seite wird aus manch zahnlosem Alten doch ein wagemutiger Drauflosquatscher.
Dennett: Können wir jetzt bitte zurück zum Thema, bevor man wieder Schusswaffen auf mich richtet? Aufklärung, Wissenschaft, Winchester, Neurowissenschaften, das war hier das Thema.
P: Ja, und was von diesen Verheißungen zu halten sei: das Bewusstsein sei bereits erklärt, die Entschlüsselung des Bewusstsein-Codes schon zum Greifen nah.
D: Skeptizismus ist ja gut. Nur hoffe ich, ist er nicht stumpf wie der von Maxwell Bennett.
P: Vielleicht erheitert Sie, wie das dradio Ihre Keilereien mit diesem beurteilt: Das massive Aneinandervorbei der Streiter macht deutlich: Es handelt sich hier um eine weltanschauliche Debatte, die mit Argumenten schwerlich beizulegen ist.
D: Pfff..
P: Es ist aber genau wegen dieser Verbissenheit, dass ich schon keine Lust mehr habe. Das ist doch fest gefahren. Wollte man Haltungsnoten vergeben, so ist schon gar nicht mehr zu sagen, wer verkniffener und unentspannter wirkt: Brights oder „Anti-Brights“. Naturalisten oder Religiöse, PCler oder Anti-PCler…
D: Ihr Seufzen ist ja schon physisch greifbar. Aber tun sie mal nicht so als sei ich daran schuld.
P: Nun Sie wollten doch aber polarisieren und auch solche Debatten provozieren. Dass so etwas kommen würde, muss Ihnen doch klar gewesen sein? Oder ergötzen Sie sich an den hilflosen rhetorischen Manövern Ihrer Gegner so sehr, dass Ihnen die Sache egal ist?
D: Aber was ist die Sache?
P: Das wüsste ich gerne von Ihnen. Was für ein Spiel hier überhaupt gespielt wird? Welches philosophische Terrain es hier zu erkunden gäbe? – Ob man Ihnen follgt und die meisten Probleme als Scheinprobleme abtun kann?
D: Na, dann lesen Sie doch meine Bücher. Ich denke, ich habe mir das schon gut überlegt.
P: Ja, in einigem würde ich da auch bereitwillig folgen – Aber wenn Sie dann Ihnen nicht genehme philosophiphische Positionen einfach als reaktionär abtun, so find ich das doch ein bisschen billig.
D: Auch das ist wohlüberlegt.
P: Mag sein. Aber ich dreh‘ hier lieber noch ein wenig Däumchen. Lass die Welt, Welt sein.. und schau ob sich nicht doch noch ein Angelpunkt finden lässt.
D: Mache Sie das. Dann schauen Sie aber genau hin und nicht nur zurück. Kommen Sie im hier und heute an.
P: Aber warum? – Warum soll ich mir nicht noch einmal die ganze olle Metaphysik vorknöpfen, bevor ich aufs Minimalistischste beschneiden muss, wie die Naturalisten es fordern. Vielleicht will ich nicht Mensch 3.0, sondern finde das transzendentale Subjekt ganz klasse. Warum soll ich da zurück auf Ihre metaphysische Draisine, wenn ich doch den Kant’schen Düsenjet haben kann. „Version wird nicht mehr unterstützt!“ Pfft. Soll’n die das mal in ihr neuronales Netz schrauben.
D: Ja, sehr geistreich. Aber doch etwas ressourcenfressend und nun leider schon zu recht passé, fehlt nun mal die Sprachreflexion – Das trojanische Pferd. Plessner, Cassirer diese Kanonen, die Sie gegen mich in Anschlag bringen wollten, haben Sie sich aber noch alle gespart? Oder sind Sie rhetorisch und inhaltlich zu sehr baden gegangen?
P: Ach ja. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen die Chancen wohl schlecht, dass wir Sie als trojanisches Pferd mitten unter die Brights einschleusen könnten, um diese von innen her auszuhöhlen.
D: Warum sollte ich das auch tun?
P: Weil Ihre „strukturalistische“ Selbsttheorie und auch Ihre Positionen zum freien Willen, nun ja vielleicht schon der Anfang für Ihre „Bekehrung“ sein könnten. Vom Saulus zum Paulus. Vielleicht sind sie es ja schon längst, haben es aber noch gar nicht gemerkt.
D (lacht): Und Sie Teufel taufen mich. Na, das ist gar zu verlockend.
P (lacht ebenfalls): Schade, dass es der zeremoniell notwendigen Gegenstände ermangelt. Bin da mehr der karge Calvinist. Wir hätten nur diese geweihte Flinte hier. (blickt sich um, aber Blogo ist weg)

Wo steckt er denn? Hat er etwa Ernst gemacht mit seiner Arbeit und Internetabstinenz? – Bevor ich wieder zu neidisch werde, mach‘ ich mich auch mal was rarer