Das trojanische Pferd

von phorkyas

In den Kommentaren wurde Daniel C. Dennett schon als der geheime Chefdesigner des Blogozentrikers ausgewiesen, dass er die Baupläne im Vollrausch auf einen Bierdeckel gekritzelt habe. So zweifelhaft dieses Detail auch sei, versuche ich mich nun an der zweifelhaften Rekonstruktion dieses Abends:

Phorkyas (wie immer nach einem Glas Weizen schon betüdelt): Mr. Dennett, ich durfte ja nun ein wenig Ihre rhetorische Durchschlagskraft studieren. Dabei ist mir aufgefallen, dass, ja was Ihre Masche dabei ist.
Dennett (belustigt): Na, da bin ich aber gespannt.
P: Sie tun immer wie der vulgärste Hardliner-Reduktionist und dann wenn man Ihnen das auch in Ihren Worten nachweisen will, biegen Sie kurz davor ab.
D: Ich fürchte da ist mir nicht ganz klar, was Sie meinen.
P (nestelt sein Exemplar von „Sweet Dreams“ hervor“): „..but we now understand life well enough to appreciate that each cell is a mindless mechanism, a largely autonomous microrobot, no more conscious than a yeast cell.“ Und etwas später: „Your trillion-robot team is gathered together in breathtakingly efficient regime that has no dictator but manages to keep itself organized to repel outsiders.“ Ist das jetzt schon eine Metapher oder nur eine Beschreibung?
D: Das ist doch aber, was jeder sehen kann, wenn ich meinen Körper durch diese Tür zwänge… und (amüsiert) ich könnte ja Ihren Vonnegut zitieren: „Tralfamadorians, of course, say that every creature and plant in the Universe is a machine. It amuses them that so many Earthlings are offended by the idea of being machines.“
Blogo: Die Maschine ist doch aber auch nur eine Metapher. Ein krudes, mechanisches Gerät, bei dem wir alle Randbedingungen unter Konrolle haben und deshalb immer sagen können, wie es sich verhält.
D: Nun dass die Evolution etwas mehr Zeit hatte ausgefeiltere, komplexere Apparate herzustellen, ich dachte, davon hätte ich Sie schon überzeugt… Und kommen Sie mir jetzt nicht Metaphernfolgenabschätzung, das scheint ja ein Steckenpferd dieses Blogbetreibers zu sein.
P: Und kommen Sie mir nicht mit dichterischer Freiheit (poetic license), im Gebrauch wissenschaftlicher Terminologie. Ihnen ist doch wohl klar, dass sie mit dem Selbst als „Zentrum narrativer Gravitation“ den Rubikon überschritten haben.
D: Aber wohin habe ich ihn überschritten?
P: Nun, dass Sie auch in dichterischer Freiheit Metaphern aus dem Hut zaubern, ohne dass sie irgendeinen empirischen Bezug aufweisen.
D: Darüber kann man eben noch streiten. Metaphern sind doch sinnvoll, wenn sie sich unmittelbar auf die Empirie beziehen, vielleicht sogar nur die Zusammenfassung oder Beschreibung einer empirischen Untersuchung sind.
P: Stimmt schon. Eigentlich sollte ich mich ja auch freuen. Diese Metapher klingt schon so strukturalistisch oder poststrukturalistisch oder was. Ich bin Ihnen jedenfalls mehrfach dankbar.
D: Wofür?
B: Na, für das naturalistische Verdreschen seines „Zombic Hunchs“.. Als ob der Phorkyas nicht sowieso ein Autoagressions-Selbstnegativitäts-Problem hätte.
D: Aha.
P: Ihre Aufsätze zu lesen ist sehr vergnüglich, vor allem die Polemik… Und ein wenig hat sich mein Bild vom Bewusstsein doch geändert oder verschärft, wobei ich manchmal doch achselzuckend denke: So nach 15 Jahren Autophänomenologie hab ich das doch alles schon gewusst, was ist da neu?
D: Die Selbstbeobachtung des Selbst ist natürlich auch eine Datenquelle, aber wir dürfen ihr nicht blind vertrauen.
P: Ach, irgendwo (er sucht in seinen Taschen nach einem Zettel) Hatte ich mögliche Angriffspunkte notiert. (findet ihn nicht) So z.B. dass die Unterscheidng zwischen Erster-Person Autophänomenologie (=böse) und objektiver Dritter-Person Wissenschaft (=gut) doch nur eine relative Metapher it, auch noch aus der Literatur geborgte. Und dass die Karikatur, die abbilden soll, was bei der Betrachtung eines Bildes geschieht (das Titelbild von „Sweet Dreams“, bei der wild Wörter und Assoziationen aneinandergereiht sind, und die Sie als meisterhaft bezeichnen, dass das Ding eben nur eine Karikatur sein kann von ästhetischem Empfinden… aber das sind alles andere Themen.. Heut möcht‘ und kann ich mich gar nicht mehr streiten (erschöpft von seiner Wortkaskade)
PROST!