Postmoderne (2)

von phorkyas

Fünfmal wirkte ich bei einem semiprofessionellen Studententheater mit. Zwei der Stücke allein waren schon von Max Frisch und als ich dann endlich den Absprung geschafft hatte spielten sie die „Chinesische Mauer“. Vielleicht spielte also auch eine gewisse Frisch-Übersättigung mit hinein, dass ein wenig skeptisch in dieses Stück hinein ging. Gegen Ausführung und letztlich auch gegen das Stück hatte ich dann aber nichts vorzubringen. Was mich aber ein bisschen verdross war doch dieses böse „Heute“, der „Heutige“. Ja, seufz, es sind schlimme Zeiten. Leider finde ich die Zitate in dem Web von Babel nicht, so dass ich hoffe mich sinngemäß noch recht zu erinnern: Da breitet der Heutige das Erkenntnisreichtum der Gegenwart aus, eine Tour de force von der Spaltbarkeit des Atoms, dem Wärmetod des Alls zu der Relativät von Zeit und Raum, und die Orientierungslosigkeit des Intellektuellen, verloren in seinen Kenntnissen und den Stimmen der Alten bleibt machtlos vor der Macht. So weit so gut.
Nur dieses „heute“ stört mich. Geisterte die „Entropie“ und die elektrischen Experimente nicht schon durch die Salons des 19. Jahrhunderts? Was ist denn „heute“ bitte so viel schlimmer als es gestern noch war?

Wahrscheinlich ärgerte mich auch, dass Frisch wohl dabei auch vorzuführen versucht, dass die ironische Brechung nicht mehr gelingen will: die Farce läuft ins Leere und muss abgebrochen werden. Die Ironie verfängt nicht mehr (wir können uns mit ihr nicht mehr über die Totalität hinausschwingen).

Sie könnten einem schon fast leid tun, die armen Intellektuellen.

So ergeht es einem in der Postmoderne, die nicht existiert:
Die Ironie ist tot.

„Beweise“:
Hier
und dort