Drums… there is no way out… they are coming….

von phorkyas

Kaum versucht man sich auf dieses Thema der Moderne einzulassen, da quillt’s rechts und links aus allem was man liest. Da prügelt doch auch der rüstige Herr Reich-Ranicki noch auf die Moderne ein. Allerdings natürlich recht feuilletonesk, wird sie oder stellvertretend die exakten Wissenschaften in Nebensätzen auf den Schrotthaufen der Geschichte gekehrt, wenn er da über Arno Schmidt behauptet:

doch konnte er nicht verheimlichen, dass er sich von den exakten Wissenschaften eine geradezu rettende Funktion erhoffte; er mochte lästern und ketzern und haarsträubende Zynismen aneinanderreihen, doch der Glaube an die erlösende Kraft der Vernunft und der Aufklärung bildete den Untergrund seines Werks.

Demnach ist es als Literat wohl schon anzüglich noch an die Vernunft und Aufklärung zu glauben? Nicht nur weil es überholt und aus der Mode ist, nein, Schmidt ist nur da gut wo seine Werke schnoddrig werden und

zwischen getarnter Zartheit und betonter Brutalität schwankend, Elemente eines Gegenentwurfs, einer autonomen und authentischen künstlerischen Gegenwelt enthalten.

Also Schmock sind?
[Das ist nicht gegen Arno Schmidt gerichtet, dessen Bücher ich nicht kenne, doch leider macht mir in diesem Fall der Tadel mehr Lust ihn zu lesen, als das klebrige Lob, das da verteilt wird.]

Was stößt mir an dieser Art Kritiken denn nur wieder so übel auf? Dass sie nicht auf der Höhe der Zeit seien – oder viel zu sehr auf der Höhe Zeit? Nein, hier stört mich der Gegenentwurf, dieses leere Abziehbild….

Und leider kann ich eine gewisse Saturiertheit und Enttäuschung nicht verbergen wenn ich mich in meinem kulturkritischen Blogumfeld so umschaue: So sehr ich den geäußerten Kritiken gerne zustimmen wollte. So sehr ich auch einsehe, dass man auch mal polemisch, unterkomplex, losbrettern darf – das möchte ich ja auch gerade wieder einmal (und mir’ne ordentliche Einmannparty einwerfen)… Aber da klafft wieder diese Affirmationslücke. Ich komme nicht hinüber. Warum, auf Fernsehzuschauern herumreiten, Politikern usw., wenn man sich dabei schon fast auf Augenhöhe der Kritisierten begibt und selbst das vielbeklagte Kabarett schon wieder niveauvoller erscheinen lässt (Merkelferkel!)?

Soll heißen? This is no way out. Jedenfalls noch nicht für mich – Ich möchte noch ein bisschen am Abgrund meiner Kritik der Kritik stehen bleiben. Die Pferde entlangpeitschen.

Wie schrieb ein Flog bei Herrn Niggermeier so schön:

Ich bin erschüttert, über diese grenzenlose Intelligenz der Leserschaft dieses Blogs. […]
Ein guter Freund von mir beschrieb in einer Abhandlung mal das regificus equus albus. Ein Faunavertreter, dessen einziger Lebensinhalt es war an der Klippe zu stehen und majestätisch auszusehen.
Ich lese lieber Kommentare als Artikel – einfach weil man da sehr viele von den regificus equus albus zu sehen bekommt. Sei es hier, oder auf der Bild-Seite. Und die Unterschiede sind, abgesehen von Grammatik, Interpunktion und Rechtschreibung praktisch gar[ ]nicht vorhanden. Traumhaft!

So jetzt habe ich mich genügend selbst angetrollt… und andere.

Nichts weiß ich – Keinen Ausweg außer diesem [nichts].

Das Nichtseiende ist.
Das Nichtseiende ist nicht.
(beide Sätze sind wahr – und mathematisch gesehen behauptet der erst nur die Existenz der leeren Menge, während der zweite sie definiert.. aber daraus könnte man einen ganzen Blogeintrag machen – sehr schön auch, wie dies die ersten Schritte zu Gödels konstruktiblem Universum sind..)

Drum müßt ihr uns schon gestatten
Heimzugehen in unser [digitales] Nichts.