Postmoderne

von phorkyas

Die Postmoderne gibt es nicht.

I
Die Postmoderne gibt es nicht.

Manchmal da packt es mich ja doch, dass ich auf die Positivisten verweisen möchte, man möge seine Begriffe doch ordentlich definieren. Greife ich mir da nur einmal heraus, was da als postmoderne Literatur bezeichnet wird. Paul Austers Roman seien es ebenso wie „Schlafes Bruder“. Und warum? Was wird als Merkmal angeführt? – Bei Auster, die starke Intertextualität, die Reflexion des Erzählens selbst. Wie bei Schlafes Bruder auch: der Verweis darauf, dass man als Leser nur einer Illusion aufsitzt, die man selbst erzeugt. „Wie revolutionär!“, möcht‘ ich da rufen. Was ist dann mit Unamunos „Niebla“, in welchem der Autor der aufmüpfigen Romanfigur den Tod andichtet? Schon postmodern? Was ist mit der romantischen Ironie, diesen Selbst-Bespiegelungen, die es schon seit Jahrhundetern gibt? Alles postmodern? Und der Don Quijote, diese Dekonstruktion des Ritterromans, ebenfalls?

Nun die Postmoderne sei eben sehr heterogen; dass sie sich so vehement der konkreten Charakterisierung entzieht, sei gerade Charakteristikum. „Unsinn“, möcht ich da dazwischenrufen, wie will denn etwas dadurch definiert werden, dass es nicht definierbar sei, da können wir das sinnvolle Sprechen auch gleich sein lassen.

„Ja“, schallt es mir dann vielleicht emphatisch entgegen, „genauso sei sie eben, die Postmoderne.“

II
Aber ich würde doch gerne verstehen, was da angeblich so der Fall ist. Heute. Mit uns. Wovon ist die Rede: von einer Beliebigkeit der Werte, von Vielstimmigkeit, Diversität von Stilen und Theorien. Achselzuckend antworte ich: „Und? Ein bisschen Sophisterei ist doch auch mal schön, nachdem man schon soviele Fußnoten zu Plato verfasst hat. Mal haben die Konstruktivisten, Logizisten die Nase vorn, mal die Platoniker. Was soll’s?“

„Aber“, so wird vielleicht eingewendet, „wenn dieser vielstimmige Chor zu singen anhebt, dann wird es reinste Kakophone: das Internet, Quasselbude, millionenfache Sender ohne Empfänger, weil alle nur von sich selbst reden. Dann ist er da der Sieg der Entropie. Alle großen Richtungen, Orientierungen werden dann diskursiv so kleingemahlen, dass Geschichte nur noch als Zufall existiert, also nicht mehr. Der geistige Nullpunkt.“

III

Was sich dem Nichts entgegenstellt.
Das Etwas, diese plumpe Welt

Die übergreifende Orientierung, die Metaphysik, Weltbilder, sind alle passé, zermahlen. Soll ich sie vermissen? Soll ich Angst haben, weil nichts bleibt? Ja, ich kenne den horror vacui und irgendwann muss ich mich ihm stellen: dem Nichts. Aber es hat doch auch produktive Seiten, das Nichts. Ohne dass etwas vernichtet wird, ist schlechthin auch keine Veränderung möglich. Und auch die Welt, das plumpe Etwas, muss doch aus Nichts entstanden sein, genauso wie sie nicht aus Nichts entstanden sein kann. Bei den Asiaten scheint es, nimmt das Nichts seit jeher schon eine positivere Rolle ein.

IV
Was ist die Postmoderne also, die gar nicht exisitert: Kollektive, subjektive Verfasstheit? Geschichts-Dystopie über das Ende der Geschichte?

Für jene, die dieser Illusion erliegen, biete ich statt eines „vierfachen Heilmittels“ so ein einfaches: Nichts.