Virtuelle Räume

von phorkyas

Von dort herüberkopiert:

Von virtuellen Häusern. Und Menschen.

„Räume bauen, in die das Licht nicht mit Eimern getragen werden muß. Mit Fenstern zum Hinein- und Hinausschauen, mit Türen, die man in beide Richtungen benutzen kann. In diesen Räumen wird kommuniziert, manche geben etwas zum besten, andere schweigen lieber, doch das wechselt natürlich, je nach Thema. So könnte man das Wesen eines Blogs ohne Inanspruchnahme von Theorie umschreiben, denke ich. So weit so gut. Dennoch stehen mindestens zwei wichtige Fragen im Raum: wollen diejenigen, die sich im Raum befinden, unter sich bleiben, eine mehr oder weniger homogene Interessensgruppe bilden, oder wollen sie Interessierten den Zugang von außen gewähren? Gemeinhin gilt sicher letzteres, doch dann taucht die Frage auf nach den Regeln, an die sich alle zu halten haben. So weit, so schlicht. (…) Ein Blog kann sicher ein Wir-Gefühl erzeugen, doch dann sollte dieses Wir auch aus einzelnen Ichs bestehen. Denke ich.“

Norbert W. Schlinkert in einem Kommentar vom 26. Januar 2011

„Durch die Virtualität der Beteiligten erlischt nicht die Verpflichtung, sie als ganze, dreidimensionale Wesen zu erkennen. (…)
Ich hatte eher jenes Erkennen im Sinn, welches man als „sich bewußt machen als …“ interpretieren kann. So dass man sich der Vielschichtigkeit und Komplexität des (virtuellen) Gegenübers bewusst wird, ohne dazu dessen persönliche Besonderheiten kennen zu müssen.
Vielleicht am ehesten zu vergleichen mit dem Erkennen z.B. eines Hauses. Man weiß, auch ohne das Haus betreten zu haben und seine Besonderheiten zu kennen, dass es ein Haus ist, vermutlich Zimmer und Türen besitzt, eine Heizung, vielleicht einen Keller etc. … Sie wissen was ich meine.“

Schreiben wie Atmen in einem Kommentar vom 11. Februar 2011

Meine Einlassungen dazu:

„Also wat is en virtuell Raum. Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En virtuell Raum, dat is ene jroße, schwarze Raum, der hat hinten und vorn e Loch“

Zwar ist es witzlos Herrn Schlinkerts Karikatur eines virtuellen Raums zu karikieren. Sein Bild ist so pointiert und ansprechend, dass ich es mir eigentlich schenken könnte noch meine zwei Farbkleckse hinzusetzen zu wollen, indes ein Versuch:

Doch woraus besteht der Raum? Aus Worten. Er wird erzeugt von den Leuten, die ihn bevölkern, die ihm mit ihren Einträgen und Kommentaren seine Eigenart und Anmutung verleihen (wie zum Beispiel den Grad der Offenheit zu bestimmen, s.a. Schlinkert)

Sei nun eine solche Untermannigfaltigkeit des Webs mit seiner eigenen Anmutung und Raummetrik gegeben. Was für Wechselwirkungen ergeben sich mit einem virtuellen Besucher? Welches Verhalten werden die Mitglieder oder Raumerzeuger dulden, welches sanktionieren? Es wird doch solches bekämpft werden, welches der Eigenart des Raumes nicht eignet. (Man sollte ja nicht einfach in digitale Räume trampeln, ohne zu wissen, was für ein Ton dort gepflegt wird – und.. ich sollte mit diesem schon mäandernden Beitrag dringend noch die Kurve bekommen).

Bei einer wichtigen Unterscheidung knickt unser metrischer Tensor jetzt aber ein: Außen und Innen. Sind Außen- und Innenansicht des Raumes in Deckung zu bringen oder könnten diese Perspektiven auseinanderfallen? Postulieren wir ähnliches für das digitale alter Ego: Selbst- und Fremdbild, dann zeichnen sich vielleicht schon mögliche Konfliktfelder ab. Weil es die eigene (digitale) Identität selbst anrührt, wenn jemand einem ein anderes Bild vorhält, als welches, was man selbst von sich hat, werden die vielleicht auch die Heftigkeit mancher digitalen Konflikte begreifbar(?)
[Das wäre mein Farbklecks zu Schlinkerts „Wir“-Gefühl, welches mich am Anfang des Satzes schon das Weite suchen ließe, auch wenn es praktisch nur da stand, damit die „Ichs“ sich weiterhin behaupten, so böte sich hier eventuell die unverbindlich-neutralere „Innenansicht des Raumes“..]

Der Tenor des zweiten Zitats, so wie ich ihn begreife,.. andere haben ihre Zustimmung schon eloquenter formuliert, daher nur meinen Klecks hierzu: Ließe sich diese ethisch-humanistische Grundeinstellung nicht auch als Frischs Bildnisverbot formulieren („Du sollst dir kein Bildnis machen“) – den Appell die Leerstellen, Unsagbarkeiten die Leben mit bringt (auch im Virtuellen) auszuhalten?

Wir sind doch alle komplexe Wellenfunktionen im unendlichdimensionalen Hilbertraum Web, wer könnte schon behaupten einen vollständigen Satz kommutierenden Observablen gefunden zu haben.

(damit ich’s wiederfind‘ wenn es mal losgeht mit meinem Raum-Roman bei dem es um Go und Verschwinden gehen soll – )