Tante Emmas Gemischtwarenladen für Weltbilder, rhetorische Grundfiguren und anderes III

von phorkyas

Fortsetzung:

Wie können die Wissenschaftler sich zur Wehr setzen? Das offensichtlichste rhetorische Manöver ist wohl, darauf zu verweisen, dass ja immerhin sie es seien, die diese Profession ausübten, dieser Blick von außen, der die Wissenschaft in einem Blick zu erfassen suche, ihr Wesen zu begreifen, ohne selbst je daran teilgehabt zu haben. Dann jedoch werden die Schützengräben ausgehoben, die zwei, drei Kulturen bringen ihre Geschütze in Stellung und es heißt wie so oft:
Ein Diskurs findet nicht statt.

Wie schwierig es dann sein würde sich überhaupt noch auszutauschen, möchte ich an zwei Zitaten zeigen:

„Dawkins entwickelt keinen Sinn dafür, dass die Wissenschaften den
meisten Menschen kryptischer und irrationaler erscheinen als die
Religionen und dass eine andere große Gruppe heute an die Wissenschaft
genau so glaubt, wie sie früher an eine Religion geglaubt hätte. Dawkins
entwickelt keinen Sinn für die Grenzen und Mängel des
wissenschaftlichen Weltbildes und für dessen nur mangelhafte Leistungen,
wenn es darum geht, dem Leben des Einzelnen einen Sinn zu vermitteln.“

Bonaventura

„Denn es gibt keinen anderen Weg zur Erkenntnis als den der Wissenschaft.
Und es gibt keine Wissenschaft ohne Mathematik. Das bedeutet nicht,
dass Wissenschaftler ständig und in jedem Bereich in Formeln reden
müssen. Sie müssen nur so reden, dass sich das, was sie sagen, in
Formeln übersetzen lässt, wenn es darauf ankommt.“
Anatol Stefanowitsch

Mir ist bewusst, dass es sich bei diesen Zitaten um eine sorgfältige Dekontextuierung handelt, die wissenschaftstheoretischen Ansichten der beiden Autoren mögen wohl differenzierter sein und der Diskussion auch nicht abgeneigt sein, ich wollte hier nur veranschaulischen was für Welten hier aufeinanderprallen, so dass auch bei dem Zeit-Artikel sich nach über 700 Kommentaren rein gar nichts bewegt hat. Fruchtloser Stellungskrieg. Gerade an diesen Fallgruben möchte ich mich vorbeischlängeln (s.a. die Diskussion um die Ethik).

Um sich klar zu machen welchen Graben überhaupt die Parteien trennt, hilft es wohl nichts: man landet in der Metaphysik. Von „den“ (Natur-)wissenschaftlern wünschte ich mir, dass sie die metaphysischen Grundlagen ihrer Position reflektierten. In den meisten Fällen heißt dies wohl sich zum metaphysischen Naturalismus zu bekennen. Damit ließe sich, in Breite und Vielfalt und aller Ungenauigkeit, die dieser Begriff noch unter sich fasst, vielleicht zumindest eine klare philosophische Position oder Programm umreißen, zu der man Stellung beziehen kann.