Naturalismus (3)

von phorkyas

Zwei sinnlose Polemiken und dabei hatte ich schon beim zweiten Text zu diesem Thema einen besonneren Tonfall anschlagen wollen. Aber da ist es schon wieder mit mir durchgegangen.

Worum geht es hier aber eigentlich?
„Die Negation der Philosophie?“ – So wie sie Wittgenstein in Walter Jens‘ Interpretation gleich zweifach versuchte. Im Traktat nach seinen eigenen Worten:

6.53 Die richtige Methode der Philosophie wäre eigentlich die: Nichts zu sagen als was sich sagen läßt, also Sätze der Naturwissenschaft – also etwas, was mit Philosophie nichts zu tun hat -, und dann immer, wenn ein anderer etwas Metaphysisches sagen wollte, ihm nachzuweisen, daß er gewissen Zeichen in seinen Sätzen keine Bedeutung gegeben hat.

Dieser positivistische Maulkorb, welcher Naturwisschenschaftler hat ihn den „geisteswisschenschaftlichen Schwaflern“ nicht auch schon erteilen wollen? Hier bereitet sich dann auch gleich das Schlachtfeld für den clash of „Two Cultures“ (C.P. Snow). Mögen die science wars beginnen. Oder vielleicht auch besser nicht. Was ist denn mit der Sokal-Affäre gewonnen oder mit ihrem Counterpart der Bogdanov-Affäre? Das reicht als Argument gegen die Gegenseite gewendet doch nicht weit über Nelson hinaus: Haha, was seid ihr doof! (Allgemeiner gefragt: Betrifft derlei nicht einfach jeglichen akademischen Betrieb: Dass die Ernsthaftigkeit und Tiefe der Wissenschaft, tritt sie institutionalisiert und symbolisiert auf, auch eine gewisse Fallhöhe schaffen – schön, wenn Leute wie Hans Bethe sie nutzen, um Eddington etwas zu veräppeln, oder sich, aus Symmetrigründen, mit auf die Alpher–Bethe–Gamow Veröffentlichung schreiben lassen. Aber bei den science wars ist es dann viel zu ernst, und deshalb verfasst man auch sinnlos polemische Blogeinträge, die eh keiner liest.)

Also: Wie die Luft rauslassen, aus den wutschnaubenden Nüstern, den sich vor Stolz blähenden Kröpfen (als Beispiel s. Post (1) und (2) zu diesem Thema). – Muss es denn scheitern, nur weil hier Lebenseinstellungen, Ideologien, Weltbilder kollidieren?

Auch jene die etwas besonnener auftreten, wie Heitler oder Kuhn, wird man nicht hören wollen. Ersterer ist wohl Vertreter jenes sich verflüchtigenden Bildungsbürgertums und wenn er dann von dieser Warte den Wissenschaften Grenzen auferlegen will, so ist das wohl schon anachronistisch. Und Kuhn, was erdreistet sich dieser mit seinen Paradigmen den blinden Fleck der Wissenschaften ausloten zu wollen. Rührt seinen Historismus, Soziologismus, Psychologismus ineinander, um mit diesem diffusen Begriff, die Wissenschaft fassen zu wollen? – Ist es nicht in beiden Fällen auch eine Art Hybris, sich über die Wissenschaft zu stellen, deren Wesen oder Handeln und Wirken erfassen zu wollen? – Aber wer soll es denn sonst auch tun, wenn die Wissenschaftler nur in der Forschung sind, und sich qua Naturalismus auch noch die Einmischung von außen verbieten wollen? Wo will er denn hin der Tourbus „Forschung“? Fortschritt um des Fortschritt willens? Solange die Drittmittel halten? Na, da verlasse ich doch lieber einmal das Schiff für einen entspannten Spaziergang durchs Grüne.

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