Dialektik des Glaubens

von phorkyas

Religion als die organisierte Form des Glaubens, dieses Missverständnis, wollten wir weitgehend ignorieren. Als Gegensatz zum Glauben, als persönlich gelebte Überzeugung, wäre sie erstarrt und aufgezwungen; eben Pharisäertum. – Hier würde der Einwand bedacht werden müssen, ob denn die Organisition schon Unwahrheit bedingte. oder ob nicht ein System die Wahrheit bewahren könnte. Und dann müsste ich gestehen, dass mein erster Gedanke: Dass ein Glaube, der Anhänger zur Not auch gewaltsam suche, darin schon seine Minderwertigkeit zeigt, weil er offenbar nicht von sich genügend Strahlkraft besitzt; dass dieser Gedanke noch etwas zu kurz greift. Er ließe sich jedoch vielleicht auch auf die Atheismus-Kampangne der erleuchteten „Brights“ anwenden (welch „finstres Mittelalter“ werden sie uns noch bescheren).

Also bin ich mal wieder verloren.

You’re on your own now
We won’t save you
Your rescue squad
Is too exhausted

And if you complain once more
You’ll meet an army of me

Nicht jammern. Auch nicht über das System.

Thematisieren wollte ich vielmehr, das subjektive Moment, das den Glauben zum Leben erweckt, wenn er zur eigenen Überzeugung wird, oder wenn es ausbleibt, ihn unwahr lässt. Die Palanesier auf Huxleys Eiland haben den richtigen Glauben, weil sie ihn praktisch anwenden. Nichts anderes fordert das Evangelium: tätige Nächstenliebe. Hier und jetzt (das auch ein Motto der Myrna). Das war der Skandal, würde der Christ nun sagen. Deswegen mussten die Religiösen Jesu hassen, weil er die Religion ein für allemal beenden hatte wollen: Du bist so angenommen, wie du bist, bedingungslos. Keine Riten, Regeln können dich je dorthin bringen: du bist schon da. Und die einzige Möglichkeit diese frohe Botschaft unwirksam zu machen, war wohl sie zur Religion zu erheben, könnte Lafcadio nun polemisieren.

Aber ich bin zu müde für Polemik. Mögen sie sich weiter die Köpfe einschlagen die Polarisierer und Perlentaucher. Einer Religion, Ideologie, Aufklärung gegen die andere. Selig wären die Friedfertigen, aber die krakeelen nicht.

Ein vollkommener Mensch zu sein, ist doch das Höchste. Nun habe ich Hühneraugen bekommen, das hilft doch immerhin schon etwas.
Kierkegaard, Διαψαλματα

Ah ja, Kierkegaard, das Paradox des Glaubens. – Kommt später..

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