Flugsaurier mit USB-Port

von phorkyas

Ja, ich gestehe es: auch ich habe mir „Avatar“ angeschaut. Als Blogschreibtäter und damit Pseudointellektueller per definitionem darf ich mir nur nicht anmerken lassen, wie gut mich das Ding unterhalten hat. Demnach wäre es angebracht, ein bisschen über das Unvermögen zu lästern, sich Außerirdische ohne menschliches Aussehen oder Wilde ohne archaische Rituale vorzustellen. Dann könnte man sich noch ein bisschen erheitern lassen von Pterosauriern mit USB-Port, esoterischen Energieströmen, einem an die Gaia-Hypothese angelehnten Baum, von dem man sich Erinnerungen herunterladen kann, Bäumen und Farnen mit floureszierender Touchscreen und Lianen und Reittieren ebenfalls mit USB-Port. Ach, man könnte schwelgen in diesen Dümmlichkeiten, der dünnen Geschichte, dem Bösewicht, der so gemein ist, dass er im angreifenden Flugzeug neben dem Bombengeschwader noch die Kaffeetasse in der Hand hält…

Nur diese ganze technisierte Natur, die in einer fremden, erschaffenen Welt uns da vorgestellt wird, ist sie nicht schon problematisch? Dieser Vulgärholismus, dieses Feigenblatt an „ganzheitlichem“ Denken, das da schon völlig entleert und ausgehöhlt noch vor den goldenen Götzen der Technik gelötet wird,.. uns ist doch nichts zu billig, wenn es doch nur schön glänzet und scheinet!

Aber gute Unterhaltung das ist es.

Zugleich jedoch bildet Vernunft die Instanz des kalkulierenden Denkens, das die Welt für die Zwecke der Selbsterhaltung zurichtet und keine anderen Funktionen kennt als die der Präperierung des Gegenstandes aus bloßem Sinnenmaterial zum Material der Unterjochung. [..]
Kant hat intuitiv vorweggenommen, was erst Hollywood bewußt verwirklichte: die Bilder werden schon bei ihrer eigenen Produktion nach den Standards des Verstandes vorzensiert, dem gemäß sie nachher angesehen werden sollen.
Horkheimer, Adorno „Dialektik der Aufklärung“, 1944