Rezeptionsregeln – Wider die Naivität

von phorkyas

Ein paar goldene Regeln, um einen Kinofilm, einen Roman, ein Kunstwerk zu genießen? Selbstwidersprüche und Provakationen mit einbegriffen.

1) Der sogenannte „gehobene Geschmack“ ist nur der Unwille oder sogar die Unfähigkeit sich auf die Projektionen, Bilder, Klischees einzulassen. Voreingenommenheit, irgendetwas das stört verhindert, das wir uns auf den Film einlassen. Das magische Band ist gerissen, die Resonanz gestört. Wir aber suchen den Fehler beim Werk: Es sei dumm, klischeehaft, naiv.

2) Meide die Kultfilme, den Kult. Es gibt genügend Leute, die „Blues Brothers“, „The Big Lebowski“, „The Matrix“, „Rocky Horror Picture Show“ etc. toll finden (mich selbst eingeschlossen) und diesen mit ihren unsinnigen Ritualen huldigen. Wenn aber alle einstimmen oder mit Anspielungen und Zitaten zeigen, dass sie zu den Eingehweihten gehören, so ist dies: langweilig, schleimig und in der unreflektierten Bejahung des Bestehenden naiv (und faschistisch).

3) Es ist zwar unmöglich, weil es wohl vonnöten ist, um die Auswahl zu treffen, dennoch: Lies keine Kritik und lass dir von keinem auf Action getrimmten Trailer Lust machen oder die Lust nehmen, in einen Film zu gehen!

4) Keinen prätentiösen Kunstquatsch. Besaufe dich nicht daran den kleinen abseitigen, kleinen Nischenfilm zu kennen. Also keine europäischen Machwerke. Ebenso: Kein Hollywood, kein Bollywood, kein Kung-Fu… Kurzum: Kein Kino!

5) Schaue den Film wenigstens dreimal. Wenn du das ohne Gehirnimplosion, Wut- oder Verzweiflungsanfall überstanden hast, kann der Film so schlimm ja fast nicht sein.

6) Ähnlich wie 5) nur jetzt mit Kennermiene sezieren und analysieren; den Rhythmus der Geschichte, die Plausibilität der Handlungen, aus dem heraus, was die Charaktere eigentlich darstellen sollten, Musik etc.?

usw. usf.