Ich bin kein goldener Gott!

von phorkyas

Wo bleibt das Postive?

Hanna

Schade.

Als kleiner Korinthenkacker ward ich nicht geboren zum Übermenschen. – Wieder einmal völlig verpeilt unterwegs vergaß ich das Geld im Automaten und jemand hat sich bedient. Was soll’s ein paar Euros für die Bestätigung, dass es Arschlöcher gibt. Wäre ich ein wenig mehr jener, der in einem acte gratuit jemanden aus dem Dasein stößt, so würde es mir nur ein müdes Lächeln abringen.

Der Spiegel lästert in seiner aktuellen Ausgabe über die Angepasstheit unserer „Generation Praktikum“. Und es stimmt ja, auch ich habe keinen Mumm, lasse mir Unfähigkeit vorwerfen und schlucke alles runter für ein paar Euros im Monat oder zwei armselige Buchstaben vor meinem Namen… denn es ist egal! Das geht in diese Holzköpfe wohl nicht rein. Schon Dostojewskij hat seine Dämonen verdorben, indem er sie mutwillig demontierte und der Lächerlichkeit preis gab. Dagegen sind doch Gides Lafcadio und auch Juli Zehs Spieler (Ada, Alev) ein ehrlicher Versuch einen modernen, jungen Menschen zu zeichnen. – Der Spiegel? Ist das billige Papier nicht wert, auf das er gedruckt ist. Schon die Überschrift verrät die Tendenz, mehr zu lesen ist reine Zeitverschwendung… Und so muss wohl jeder gelangweilt resignieren, dessen Geist noch nicht völlig eingeschläfert ist vom seichten Rascheln unsres Blätterwaldes. Ich habe keine Lust mehr, mir anzuhören welche Sau nun gerade wieder durchs Dorf getrieben wird. Macht euren Mist doch alleine und lasst uns in Ruh‘! Ihr glaubt es doch selbst nicht mehr was ihr spielt, das ist noch das größte Vergnügen; zu sehen, wie mal einer aus der Rolle fällt, denn ansonsten ist alles so maßgeschneidert, dass man schon meinen könnte unser ganzes Trauerspiel könnte schon ganz ohne Akteure auskommen. – Aber ach, was ist es verdrießlich. Diese mühsam zusammengeflickte Simulation von Demokratie und Sinn. Die Form aber muss ja gewahrt werden, wer verkraftete schon den Gesichtsverlust, sei es auch nur eine Maske. Da ist mir ein ordentliches Arschloch, dass mir mein Geld klaut, doch lieber.

Was also tun wir? Spielregeln akzeptieren und auf zum Maskenball? Oder eine Nische suchen, in der wir noch Freunde finden und eine Wahrhaftigkeit, die ohnehin schon dekonstruiert? Den Sprung ins Paradoxe? – Gotteswahn und Atheismus, diese Fundamentalismen aufeinanderzuhetzen bringt nichts Geistvolles zustande.

Es gilt gefährliches Denken zu üben. Scharfe Analyse, statt solchem Gedankenbrei wie oben. Den Geist bis an die Grenzen schleifen, sehen wie er sich schlafwandlerisch hinwegsetzt über die Abgründe und Aporien des logischen Denkens, das wäre ein Schauspiel nach unserer Fasson.

(phor)

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