Lafcadios Loch

Go-Steine und nicht viel mehr

An die Medien

Könnt‘ ihr diese rumballernden und sich-hochsprengenden Volldeppen nicht mal ignorieren? Vielleicht gäb’s dann mal ’n paar weniger von denen. Danke.

Übersetzungen

„Wenn man mich fragen würde, wie würde der perfekte Schreibprozess aussehen. Ich würde sagen: Man schreibt ein Buch ungeachtet dessen ist es Prosa, Lyrik, Essay, in seiner eigenen Sprache und dann übersetzt man es in eine fremde Sprache und bessert das Original aus.“ Ales Steger im Interview

„A compiler is a computer program (or a set of programs) that transforms source code written in a programming language (the source language) into another computer language (the target language), with the latter often having a binary form known as object code.“ Wikipedia

Und dann ist es wohl auch schon aus mit der Analogie. Ehrlich gesagt: die Versuche von Codegedichten, die ich bisher gesehen hab, haben mich nicht vom Hocker gerisse (s. z.B. hier). Es ist als wäre da zumindest noch eine ästhetische Barriere zwischen den formalen und den natürlichen Sprachen. Die ließe sich in meinem Roman nicht einfach so überspringen. Würde ich das Ding auch in das Korsett der Chomsky-Hierarchie zwängen wollen? – Alles poetische in die Kommentare zu packen ist auch keine Lösung. Da braucht es einen Plan, ein poetisches Konzept oder gar eine Poetologie.

Irgendwer muss doch damit beginnen. Die alchimistischen Funken in die Kolben leiten und aus der Maschine neue Wesen und Worte zeugen. Wir können uns nicht mehr lange zurücklehnen und von oben die Einzigartigkeit des menschlischen Geistes und unserer Sprachbeherrschung dekretieren… wenn wir doch keinen blassen Schimmer haben was durch unsere Synapsen zuckt.

Code-land

Some weird style,.. but the first compilable novel. Bjarne Stroustrup

Bob Macha auf Baldrian. der epizentriker

/* Wir sind Legion, die Legion der Galeerensklaven im Bauch der Bitmaschine, die wir uns selbst noch als Code-Monkeys beschimpfen, als würden wir wie die die Affen auf die Tastaturen hämmern bis Shakespeare herauskäme oder etwas Kompilierbares, obwohl wir es doch sind, die Masse an Entwicklern, die die Bits schieben bis die Gates und Gatekeeper an Deck das laufende Software- oder Contentungetüm präsentieren können, während wir im Maschinenraum verzweifelnd auf den Quellcode schauen und uns wundern, dass da überhaupt noch etwas läuft. */

int32_t db_idx = -1;

/* Die erste Variable erblickt das Licht der Welt. Es ist wie das erste Wort, der erste Satz in einem Text. Ob er wohl trägt, weiterführt – oder doch wieder alles gelöscht und umgeschrieben werden muss? */

db_idx = DBName.index(DB_EXTERN);

/* Am 30. März erwachten die Codezeilen in mir. Das heißt die Codeparanoia. Der Schlafentzug. Baldrian und Johanniskraut wirkten nicht viel, nahm ich nur zu Placebozwecken. Gerade hatten wir das Go-Live vollzogen. Der Code war auf der Anlage drauf, obwohl ich ihn nicht für reif hielt. Gegen zwölf waren wir mit dem Mietwagen endlich zurück nach unsrer 14 Stundenschicht. Wollte ein paar Stunden Schlaf bevor es am nächsten Tag weitergehen würde. Aber nach zwei Stunden liegen, ließ es mich nicht los. War nicht doch etwas falsch? Wenn jetzt von dem neuen Kundensystem unsinnige Telegramme kämen. Wenn da diese eine Sache zuschläge, wären wir im Arsch. Besser die eine Datenbankverbindung abklemmen. Gedankenkreise. Unmöglich ein Auge zuzutun. Also zur Firma hin. Rechner auf. Checken, ob was rüberkam. Ja, da war was, aber vom alten Kundensystem. Sah alles OK aus. Sicherheitshalber das neue System trotzdem abgekapselt. Noch der Versuch zwei Stunden in meinem Bürostuhl zu pennen. Dann am nächsten Tag: Weiter mit diesem Wahnsinn, diesem Projekt, das gar nicht hätte laufen dürfen, das wieder bei mir gelandet war und ich hatte nicht Nein gesagt, obwohl jedem klar war, was für ein Himmelfahrtskommando das war und ich war sehenden Auges in diese Katastrophe gegangen. */

Der Humanismus in den Zeiten der Digitalisierung

Jaron Laniers Einwürfe immer noch gärend. Wie er mit neu-alten Metaphern die schöne neue Digitalwelt zu fassen versucht. Vieles ist sehr einleuchtend und ist mir auch schon aufgegangen. Z.B. die Unterscheidung zwischen dem was er einer Star-System-Verteilung nennt, wo alles auf eine Spitze zustrebt, die letztlich alles abräumt („the winner takes it alle“-Mentalität) und der gesunderen Glockenkurve einer Normalverteilung mit einer ausgeprägten Mittelschicht. Meine digitale Entfremdung und Ernüchterung über die Realität sozialer Netzwerke hat sich mit dem Schauen von „Silicon Valley“ noch verstärkt: Die Absurdität dieser Startups, die „die Welt zu einem besseren Ort“ machen wollen… und doch nur dazu dienen bestehende Märkte zu schrumpfen und auszusaugen bis dort gar kein Gras irgendeines Geschäftsmodells wachsen kann. Sei es Uber mit den Taxiunternehmen oder das Gros der Musiker, die bei Youtube künftig nicht über die Runden kommen würden.

Nicht in allem gelungen scheint mir eine seiner Haupt-Metaphern, die des Sirenenservers. Womit er einen mächtigen, zentralen Server in einem Netzwerk bezeichnet, der so viele Daten und (Geheim-)Wissen anhäuft, dass er schließlich eine Schaltstelle von Macht und Einfluss wird, so dass Menschen seine Nähe suchen könnten, nur um dieser Sphäre der Macht nah zu sein. Kennzeichend für das Interaktion von User und Sirenenserver sei jedoch das riesige Informationsungleichgewicht, wodurch der Sirenenserver die User in seinem Sinne manipulieren könne, damit er mit seinen kostenlos angebotenen Diensten Gewinn machen kann. Dabei verzerren die vom Sirenenserver angebotenen Informationen dessen Umgebung so stark, dass er sogar sich selbst täuschen könne:

„Das Problem bei der Optimierung der Welt durch einen Wahl-Sirenenserver ist dasselbe wie bei allen anderen Arten von Sirenenservern. Kurzfristig funktioniert das durchaus, allerdings entfernt sich der Sirenenserver immer weiter von der Realität. So wie vernetzte Server, die Musik für uns aussuchen, keinen wirklichen Musikgeschmack haben, verfügt ein Rechner, der per Cloud-Computing Politiker aussucht, nicht wirklich über politische Klugheit.“

Vielleicht werden meine eigenen Ansichten immer destruktiver; aber wenn man den digitalen (neuronalen) Netzwerken das Denkvermögen oder die Klugheit abspricht, sollte man das bei den biologischen Neuronenvernetzungsergebnisäußerungen nicht auch tun? All das was wir in unseren menschlichen Hybris für uns reklamieren an Zivilisation, Kultur, Denkvermögen, Vernunft, Reflexionsfähigkeit hält denn stand über die bloße fassadenartige Konstruktion eines imaginierten, mentalen Superhuman-Exoskelett hinaus.

Zurück zum Sirenengesang: Hat er die Metapher nicht genug erforscht, indem er zu sehr in dem Einzugsgebiet des Sirenenservers verweilte, in welchem er große Macht zu besitzen scheint. Was ist mit den immer noch zahlreichen, nicht Vernetzten oder bewusst wieder Entnetzten außerhalb der Filterblase, ist für diese der Gigant nicht schon fast etwas wie ein invertierter Schreinriese, der nur aus der Nähe groß und einflussreich erscheint? Lassen sich unter dieser Metapher überhaupt so unterschiedliche Netzgiganten wie Google, Amazon und Facebook subsumieren oder passt es nicht fast nur auf Ersteres?

Aber ich möchte nicht das Haar in der Suppe suchen. Laniers „Wem gehört die Zukunft?“ war eine äußerst anregende Lektüre. Und so wie er sich nicht über den Technologieoptimismus in den Star Trek Serien lustig machen wollte, möchte ich mich auch nicht über seinen Technologieoptimismus verbreiten. Immerhin verdiene ich mein täglich Brot mit der Manipulation von Bits und Bytes (gegenwärtig sogar noch in der Automatisierung) und bin auch wie er ins Grübeln geraten, wie der Humanismus in der Zeit der fortschreitenden Automatisierung und Digitalisierung aussehen könnte, ob der noch kompatibel ist oder ein Humanismus 2.0 als Update eh nur eine Farce. Vielleicht hat Nietzsche recht, dass der Mensch überwunden werden soll, … allerdings in Form dieses albernen silikonbasierte Transhumanismus?

Vergessen wir da nicht einfach zu viele menschliche Lebensbereiche, die nicht automatisiert werden können oder sollten? Lanier ist als Musiker jedenfalls selbst so sehr Kulturmensch, dass einige analoge Freuden nicht missen will (dass er das papierbasierte Buchlesen bzw. -schreiben dazuzählt, dürfte ihn aber nicht alleinig zum FAZ-Autor qualifiziert haben). Geben wir aber Conlon Nancarrow, den ich durch Lanier kennenlernte den letzten Ton und ihm das letzte Wort:

„Selbst in den ambitioniertesten Zukunftsprogonsen, die im Silicon Valley angestellt werden, bleiben die Menschen für gewöhnlich auf der Strecke [..] Und doch gehen die Ingenieure, Risikokapitalgeber und Experten des Silicon Valley fröhlich ihrem Tagwerk nach, machen gelegentlich Ausflüge in die Weinbaugebiete im Napa Valley, bekommen Kinder und leben im Übrigen so, als wenn nichts wäre. [..]

Verleugnung ist eine Grundlage der menschlichen Existenz. Den Kopf in den Sand zu stecken ist eine unserer Lieblingsbeschäftigungen. Wir sind sterblich, aber man kann nicht erwarten, dass wir den Tod wirklich begreifen, deshalb bringen wir gerade genug Irrsinn auf, um mit der Absurdität fertigzuwerden.“

Kündigung 2.0

so geschehen. auf geht’s ins Ruhrgebiet.

Maschine

„Und wenn die Welt, wie ich behaupte, in Zukunft auf eine gewisse Künstlichkeit angewisein sein wird, um das Pberleben der Menschen zu gewährliesten, muss dann die Erfahrung, die durch die Maschine [aus E.M. Forsters Erzählung „Die Maschine versagt“] ermöglicht wird, im Vergleich zum wahren Leben wirklich für immer unecht, steril und wie eine bloße Fassade wirken?
[]
Es ist uns im Grunde auch schon unmöglich, das Leben vor der Elektrizität wirklich zu begreifen. Wir können nicht verstehen, was wir verloren haben, als unser Leben immer technischer wurde. Daher hegen wir ständig Zweifel bezüglich unserer Autenzität und Vitalität. Das ist ein notwendiger Nebeneffekt unsres Überlebens.“

Jaron Lanier „Wem gehört die Zukunft?“

War ich Lanier gegenüber als ich seine ersten Artikel in der FAZ las recht kritisch eingestellt, hat sich das jetzt ziemlich gewandelt. Wahrscheinlich sind seine Positionen, den meinen gar nicht so unähnlich.

Nekrolog

Der Blogo-/Epizentriker hat ausgeflackert. Irrlichterten seine luzid-düsternen Ein- und Auswürfe auch mehrfach über das erklärte Ende hinaus durch die leere Bildschirmröhre des Internets, so ist nun angeblich wirklich Ende.

Müsste ich einen Nekrolog auf den Epizentriker schreiben, so könnte ich auch gleich einen auf das Internet schreiben. Was soll das hier noch alles ohne seine Blutgrätschenkommentare von der Seitenauslinie?

Nein, was erlauben sich Phorky, bloggt wie Dose leer?

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.