Lafcadios Loch

Rants from below
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15.4. – Crema-Tagebuch

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Persönliche Notiz

Nun ein C[rema]-Tagebuch einzustellen mag infantil erscheinen, aber unser Sechsjähriger hatte uns schon zu recht ein Corona-Redeverbot erteilt. Den ganzen Tage ginge es nur Corona hier und da. Radio hören hatte ich schon eingestellt. War dann erleichtert als vor etwa einer Woche sie tatsächlich eine Corona-freie Stunde sendeten (die Nachrichten natürlich ausgenommen).

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Wir wurden aber auch seit Januar durch einen chinesischen Freund täglich mit apokalyptischen Bildern versorgt. Die meisten verlachten seine Hysterie, seine Pläne Gasmasken zu kaufen. Er hatte aber recht. Wir wollten es nicht glauben, bis es dann vor der Tür stand.

Spätestens als ich von den Infektionen in Heinsberg erfuhr war mir klar, dass wir bald in Isolation sein würden. Am liebsten hätte ich sofort die Quarantäne verhängt, stattdessen hörte ich die Bässe der nahegelegenen Disko und.. mir war ein bisschen apokalyptisch zumute: dass die Leute so ignorant sein können, jetzt Party zu machen, das würde uns noch Wuhan bringen.

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Die Biegsamkeit unseres Bewussteins: Unsere Nachbarn, die sich über Leute echauffieren, die sich nicht an die Sicherheitsregeln hielten und dann Grillen sie mit drei Familien und im Hinterhof hallt ihr betrunkenes Gackern. (Wie mir Menschen, die sich öffentlich betrinken zuwider sind.)

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Dreiköpfige Familie eingepfercht auf 60m². Das Kind geht die Wände hoch. Bis an die Belastungsgrenzen und darüberhinaus. Kinder hätten keine Depressionen; aber was erwidert man, wenn das Kind sagt, es wolle lieber tot sein, es erinnere sich immer nur an die schlechten Dinge und es gäbe überhaupt nichts Gutes mehr, das offenbar nicht mehr herauskommt aus seinen Wort- und Gedankenschleifen?

Der Fernseher, negativer Konzentrationspunkt, Konfliktherd wurde verbannt und die Lage entspannt sich langsam wieder – Postman lässt grüßen ?! – Neue Gehversuche zusammen. Wieder auf dem Fahrrad, in der Sonne, zur Not auf dem Balkon.

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Hoffen, dass es keine bleibenden Schäden an der Kinderseele hinterlassen werde. Dass die Angst vor den Mitmenschen oder auch nur nach draußen zu gehen, sich wieder legen wird.

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