Lafcadios Loch

Go-Steine und nicht viel mehr

Programming styles

E.W. Dijkstra at his best:

The use of COBOL cripples the mind; its teaching should, therefore, be regarded as a criminal offense.

APL is a mistake, carried through to perfection. It is the language of the future for the programming techniques of the past: it creates a new generation of coding bums.

FORTRAN, ‘the infantile disorder’, by now nearly 20 years old, is hopelessly inadequate for whatever computer application you have in mind today: it is now too clumsy, too risky, and too expensive to use.

In the good old days physicists repeated each other’s experiments, just to be sure. Today they stick to FORTRAN, so that they can share each other’s programs, bugs included.

It is practically impossible to teach good programming to students that have had a prior exposure to BASIC: as potential programmers they are mentally mutilated beyond hope of regeneration.

Besides a mathematical inclination, an exceptionally good mastery of one’s native tongue is the most vital asset of a competent programmer.

Simplicity is prerequisite for reliability.

Programming is one of the most difficult branches of applied mathematics; the poorer mathematicians had better remain pure mathematicians.
Quelle: http://www.cs.utexas.edu/users/EWD/transcriptions/EWD04xx/EWD498.html

Das Schöne: Natürlich habe ich mir mit BASIC das Programmieren beigebracht.

Was hier aber anklingt: Diese Sapir-Whorf-These ausgeweitet auf Programmiersprachen, dass das Instrument der Sprache, in welche wir unsere Gedanken kleiden, auf den Stil und Inhalt der Gedanken selbst rückwirkt – wobei Dijkstra, glaube ich oder war’s doch jemand anders, schon diesen Terminus “Programmiersprache” zurückwies, weil es eine Verwandheit mit den natürlichen Sprachen suggeriert, während es doch eher in den Bereich angewandter Mathematik oder Logik falle.

An beidem mag etwas sein, aber ich halte es für etwas übertrieben – wie ich auch Dijkstras Korrektheitsbeweise für Programme nicht für sehr alltagstauglich halte. Das ist doch etwas weit entfernt vom leidvollen Programmieralltag, in dem man froh ist, dass einfach alles läuft. –

Was mir ähnlich erscheint, wie beim normalen Schreiben:
– Es gibt ebenfalls, eine Freiheit, einen quasi unendlichen Raum, dessen was gesagt oder mit einem Programm gemacht werden könnte. Schon nach ein paar Worten, könnte das, was man schreibt, komplett neu und einzigartig sein (im Normalfall natürlich nicht, aber prinzipiell).
– Damit gibt es vielleicht auch (zumindest für mich) diesen Horror des weißen Blattes – diese Qual die ersten Worte auf ein Papier zu schreiben, die ersten Zeilen eines Programmes einzutippen. Wenn die falsch herauskommen, die falsche Richtung einschlagen, wenn sie das jungfräuliche Blatt einmal befleckt haben, dann gibt es kein Zurück mehr.
– Programmierer sind was die Formatierung von Quellcode angeht, was verschiedene Programmierstile angeht voller Idiosynkrasien; über Tabs oder Leerzeichen, Klammereinrückungen, Zeilenbreiten könnte man tagelang diskutieren.
usw. usf.

Innerliche Verausserungen

Dieser Verdruss. Es ist alles so zaeh, egal, endlosschleifend, was da durch meine Timeline suppt. Aufregung ueber ein paar Twitterbilder eines Krautreporters. Hat die Welt denn keine anderen Probleme? Fefe aetzt gegen systemd, vergleicht es mit dem Antichristen: Microsoft. Ich bin sie so muede die ganzen Grabenkaempfe, ideologischen Verhaertungen, aber es ist als koenne der Mensch nicht anders, als muesse er bestaendig die Welt trennen in Gegensaetzliches, in Gut und Boese. Und dann haengt er sein Herz ganz an einen dieser Pole, verteufelt und verdammt die feindliche Seite. Linux vs. Windows. USA vs. Russland. Qualitaetsjournalisten vs. Blogger. Was auch immer. Ich stehe nur noch ratlos an der Seitenlinie und moechte eigentlich Fan gar keiner Mannschaft mehr sein. Was geht mich dieser ganze Bloedsinn noch an? Auch eine intellektuelle Eroerterung zur Lage des Abendlandes zwischen Pegida, Varoufakis und ESC-Skandaloeschen koennte ich mir nicht einmal von Enzensberger anhoeren. Oder von Pispers, wenn ich den mittlerweile hoere, dann ergreifen mich Fluchtreflexe.

Wie dem auch sei! Womoeglich liegt der Verdruss auch bei mir selbst, weil sich einfach nichts bewegt und wenn ich dann traege durch das Netz des Immergleichen klicke, ich natuerlich nicht auf etwas stossen kann, dass mir Anstoss waere, mich aus mir selbst herauszustossen. Es muss ein Ruck durch die Blogosphaere gehen. Ach, solche verrueckten, innerlichen Verrueckungen sind ja auch nicht immer ganz schmerzfrei, gerade wenn sie mit einer Selbsterkenntnis verbunden sind. Der Mensch dieses merkwuerdige Tier, das sich selbst zum Objekt seiner Betrachtungen machen kann, es versucht nun Objekte zu schaffen, die sich selbst zum Objekt ihrer Datenverarbeitung machen. Eher unwahrscheinlich; aber in der Zwischenzeit kann er damit schon einmal seine eigene Objektifizierung, die totale, vermessene Vermessung seines Verstandes vorantreiben. Liesse sich bei mir wahrscheinlich auf ein paar Kilobyte zippen.

Netzrealititten

In “Citizenfour” dieser Ausschnitt, in dem Snowden die Verteidigung der Freiheit des Internets als eine Motivation seiner Enthüllungen nennt – den freien Austausch von Experten über beliebige Themen von beliebigen Orten der Welt, so wie er es kennengelernt hatte, dass will er nicht durch den Eingriff von Regierungen untergraben wissen. Für einen Moment überraschte es mich, dass gerade er immer noch so einem Berrners-Lee-Netz-Idealismus nachhängt. Nicht dass es den auch bei mir noch gäbe, irgendwo subkutan. Aber als ich mir vor einigen Jahren anfing Gedanken über Googles Aufstieg machte, begegnete ich schon einer magengrummelnden Ambiavalenz: Wäre das Netz ohne diese Konzerne und ihre komfortablen, allgegewärtigen Dienste eigentlich überhaupt so groß? Sollte man es nicht begrüßen, dass endlich Geschäftskonzepte dauerhaft tragen, die Netzdienste anbieten? Muss man für deren kostenlose Nutzung nicht Werbung und Datenherausgabe in Kauf nehmen?

So ähnliche Fragen keimten auf und es dämmerte mir, dass das Netz wohl endgültig seine Unschuld verloren haben dürfte. Snowdens Enthüllungen überraschten unter IT’lern wahrscheinlich nur wenige. Warum sollten der Staat oder gar Geheimdienste weniger datenhungrig vorgehen als Unternehmen?

~ * ~

Es haben sich bei mir seither einige Überzeugungen eingenistet, die noch zu prüfen sind:
1) Paranoia ist eine menschliche Konstante. – Das liegt zum einen simplerweise daran, dass wir nie genau wissen können, was im Kopf eines anderen Menschen vorgeht, ohne dieser Mensch zu sein. Und zum anderen aber wohl an dem fatalen Hang des Menschen, diese Grenze nicht zu akzeptieren. Deshalb Geheimdienste und ihre Paranoia und auch die Paranoia vor Geheimdiensten. – Warum folgt eigentlich diese ganze Snowden-Sache so sehr dem Staatsfeind-Nr.1-Skript, passte das Narrativ so gut in die Journalistenblöcke oder fand es einfach so reißenden Absatz bei uns?
2) Auch die Gratiskultur des Webs hat ihren Preis; z.B. dass es Konzerne wie Facebook und Google gibt, die unsere Klicks und Daten verhökern.
3) Die schnöde Realität des Internets; es ist langweilig, völlig harmlos. Was sich so an Memen und viralen Videos verbreitet kommt in seinem aufklärerischen und gesellschaftskritischen Anspruch doch nicht über eine wohlfeile Ice-Bucket-Challenge. In ungefähr das kritische Potential des uhrengeprängten Zeitmagazin, einer Süddeutschen Beilage oder der Reisenseiten der FAZ – und meistens genauso… “spannend”.
4) Die meisten (relevanten) Probleme erfordern keine rein technologische Lösung. Technik ist kein Heilsbringer. Es handelt sich meist um Probleme der Organisation, Kommunikation und (Ressourcen-)verteilung. Auch wenn Technologie selbst in diesen Dingen helfen kann, so bringt sie meist neue Nebenschwierigkeiten hervor.

Dies ist ein Post

Ist nicht alles schon einmal gesagt worden? Wozu also diese vergebliche Mühe, einen neuen Satz zu beginnen, sich einen Text aus den Rippen zu schnitzen? Ich meine das Ernst. Es ist schon alles gesagt. Besser wahrscheinlich, pointierter, schlüssiger. Bei all diesen Textmassen, die hier im Netz rumdümpeln. Wie Affen auf der Schreibmaschine Shakespeare produzieren können, so muss einer dieser Blogger doch schon längst der neue Joyce sein.

Einpacken also; und vielleicht Computerprogramme schreiben, die Blogeinträge verfassen.
Zombic Hunch

Keine Rettung. Nirgends.

Nur die Kunst könnte uns retten. Nur als Künstler könnten wir uns frei ausdrücken. Mensch sein. Nicht als Homo faber. Das ist eigentlich eine Trivialität. Glasklar. Als kleines Rädchen im Maschinenpark, kleiner Softwareklöppler, bewegt man sich doch nicht als sich selbst. Diese fremdbestimmten Tätigkeiten verleihen doch keine Identität, so sehr ich mir auch einzureden versuche, ich müsse nur noch ein bisschen härter mir die Bits und Bytes, all die Computertheorie auf die Hirnplatine brutzeln bis ich auf dem Urgrund unseres Zeitalters ankäme, bis ich sie spräche die Maschinensprache – und sei es nur um sie zu überwinden. Dabei – ist es doch verlorene Mühe, durchstiebt keines meiner miesen Codefragmente einen Funken, einen Hauch nur von Inspiration, erfüllt mich schon der Gedanke, dass ich persönlich mit diesem abnormen Produkt meines Geistes identifiziert werden sollte mit Abscheu. Warum?

Weil es der Alltag ist? Es ist nun einmal das prosaische, widerliche Einerlei mit dem man sich täglich auseinanderzusetzen hat. Und welches als Widerpart zu dienen hat für die kühne, es übersteigende Poesie. Die Poesie, deren befreienden Flügelschlag ich schon so lange nicht mehr spüre, dort unten mit dem Gesicht im Schlamm.

Schirrmacher

Die Podcasts auf alternativlos.org angefangen, weil ich für mich endlich mal Snowden und diese NSA-Geschichte aufrollen wollte. Bei einem zu den Cryptowars, das gespickt war mit den schönsten Anekdoten wurde dieses plausible Plädoyer verlinkt, wonach wohl alle Geheimdienste und nicht nur der BND mehr oder weniger keine Ahnung haben. Warum sollte es denen auch besser ergehen als uns? Auch eine Doku von arte zu 9/11 zeigte eine nicht gerade erfolgreiche NSA, so habe einer der überwachten 9/11 Attentäter nahe dem NSA-Hauptgebäude eine Waffe kaufte. Es wird in der Doku auch das Zitat eines Geheimdienstlers gebracht, worin dieser sich über Filme wie “Staatsfeind No. 1″ amüsiert, in denen die Geheimdienste die verborgenen, allwissenden Strippenzieher mit vollständiger Information seien, während in der Realität die Informationen und Daten wohl doch eben eher uneindeutig und immer interpretationsbedürftig zu sein scheinen.

Woher, so fragte ich mich, dieser Hang zu Verschwörungtheorien und der Glaube an allwissende Geheimbünde? Ist das nur eine kulturelle Konvention oder spiegelt sich darin vielleicht auch die Sehnsucht, dass im hintersten Hintergrund all dieses ungeordnete, unverständliche Weltgeschehen durchwebt sei mit Sinn.

Und dann sind da die Podcasts mit Schirrmacher. Was mir besonders auffiel bei jenem zu seinem Ego-Buch, wie sehr er sich für die Metaphern interessierte, so als hätte Blumenbergs Metaphorologie nachhaltig auf das FAZ-Feuilleton gewirkt. Die Metapher, die ganze Gespräch durchzieht, ist die der Maschine. Vielleicht ist sie tatsächlich zentral – ist es schon seit den Zeitaltern der Aufklärung und Industrialisation. Schirrmachers Gebrauch der Metapher schien mir nicht immer ganz schlüssig: In der Hauptsache bauten wir nun an einer Riesenmaschine, um in dieser nur nach als überflüssige Rädchen geduldet zu werden.¹ So ähnlich war der dystopisch gefärbte Tenor. Angela Merkel figurierte in dieser Fabel dann auch nur als eine, die diese Maschine flickt, – während man doch endlich den Ausstieg aus diesem Alptraumwerk herbeiträumen könnte.

Ich bin mir selbst nicht sicher, über einen adäquateren Gebrauch der Maschinenmetapher, ob sie überhaupt noch genügt unser Zeitalter ganzheitlich in den Blick zu bekommen. Die düsteren Moll-Akkorde, die bei Schirrmacher jedoch anklingen, gleichen mir einer Vorverurteilung, einer Abgrenzung, die ein vollumfänglichen Einlassen nicht ermöglichen könnten. Aber mittlerweile merke ich an mir selbst. dass ich das auch gar nicht mehr möchte. Mir steht die Technologie und diese ganze Gadgetindustrie langsam bis hier. Es ist doch überflüssiger Quatsch. Ich stand schon kurz davor mir eine Oculus Rift zu bestellen und mich in Blender einzuarbeiten, dieser Hype brandete als auch schon an meine Füße – und ich bin auch nach wie vor der Auffassung, dass das next big thing ist. (Facebook ist da in meinen Augen daher etwas besser positioniert als Google mit seinen selbstfahrenden Autos, aber da könnte ich auch mal wieder völlig falsch liegen.) Aber dann denke ich mir auch: Wozu? Lieber im Wald spazieren gehen, sollen das andere machen.

¹Ich selbst gebrauchte etwas Ähnliches: Dass ich mich als Softwareingeneur nun tief in den stampfend-dampfenden Maschinenraums eingraben würde, um dort tief im dunklen Bauch zu ergründen, was dieses Zeitalter überhaupt sei. – So gebraucht dann auch die Rubrik der FAZ dieses “Maschinenraum”.77444444444

[..] denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht

Da macht sich die alte Tante FAZ aber wieder alle Mühe, alle antibürgerlichen Aggressionsreflexe in mir anzustacheln (zugetragen vom Sichter und Orndner, hier). Dieser bildungsphiliströse Sermon, der dann auch noch in der Kommentarspalte aufs Äußerste beklatscht wird, schrumpft einem wirklich das Hirn.

Es ist dabei eingentlich ein ignorierenswerter Anlass. Etwas das Qualitätsmedien wie die Zeit mindestens einmal im Jahr über ihre Frontseite tickern können, so wie web.de ihre Klickstrecken mit den peinlichsten Promi-Outfits: der Niedergang der deutschen Sprache.

Die Anekdote zum Einstieg hebt auch gleich in unheilvollem Ton an, so als würden gleich bildzeitungsgemäß Leute zerstückelt oder ein Skandalon ähnlichen Ausmaß stattfinden:

Sie [eine Lehrerin] hat “Tieger” an die Tafel geschrieben! Steinigt sie.!

Und hier gleich zu Beginn schon, lässt der Text seine Hosen runter, werden alle bedenkenswerte Ansätze, die der Autor sonst noch so unterbreitet zunichte gemacht, weil nämlich das Urteil über den Unterricht und diese Lehrerin allein auf das Schreiben dieses Wortes reduziert wird. Es geht nicht darum eine ganzheitliche Wertung zu versuchen, Inhalt und Form des Unterrichts einer gewissenhaften Abwägung zu unterziehen, es reicht dieses eine Datum, um alles hinzurichten. (Man beachte welchen Unterton, das “jung” und “engagiert” damit schon erhalten; hier wird das “naiv”, “ahnungslos”, letztlich dann auch “unfähig” schon hinzugedacht.)

Dass das angelegte Bewertungskriterium damit dem gleicht, was er an Pisa kritisiert:

Eine der am weitesten verbreiteten Formen des Schreibens im Unterricht hat mit Schreiben im eigentlichen Sinn gar nichts mehr zu tun: das Ausfüllen und Ankreuzen.

stört in dieser Argumentations”logik” nicht. An den Kommentaren, die es provoziert, sieht man nur zu deutlich, worum es nur wieder geht: Abgrenzung, Distinktionsgewinn. Und das auf die allerbilligste Weise: Rechtschreibung! Wie sehr sind diese Leute denn schon auf den Hund gekommen, dass ein Professore und seine Claqueure, glauben, sich so vom gemeinen RTL-Zuschauer, absetzen zu können? Durch ein paar Fremdwörter und Schachtelbausätzchen, soll man den faden Inhalt nicht schmecken? – Wie unzureichend, wie undialektisch wird hier Bildung gedacht, so dass sie sich zwangsläufig in den Ungeist verkehren muss, den auszutreiben, sie doch angetreten war!

Da gibt es nichts zu beschönigen, und die beschwichtigenden Versicherungen kinderfreundlicher Lesedidaktiker, dass heute mehr denn je gelesen werde, weil ständig über Smartphones auch Texte oder Textfetzen ausgetauscht und weitergeleitet würden, klingen ungefähr so wie die Behauptung, dass heute mehr denn je geritten würde, weil fast jeder Mensch einige Dutzend Pferdestärken wenn nicht zwischen seinen Schenkeln, so doch unter seinem Hintern habe.

Ich kann es nicht mehr hören, dieses Professorengejammer über die dummen Studenten. Natürlich hat man “früher” fast schon in der Mittelstufe all die lineare Algebra gekonnt und fließend auf Griechisch und Latein parliert, jaja. Dass heute kaum einer ‘nen vernünfitgen Job bekommt, wenn er nicht fließend Englisch spricht,.. oder dass immer mehr Abiturstoff wird, was sonst erst an der Universität gelehrt wurde, das verdrängen die Altvorderen dann gern.

Just face it!
Them writing skills

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