Lafcadios Loch

Wo Zweifel vor dem Zagen zaudern

by phorkyas

Kunst ist, was unwidersprochen als solche firmiert. (vgl. Staatsgrenzen und internationales Recht)

by phorkyas

Wenn man so in die positiven, zwangs-enthusiasmierten Gesichter einer Get-Together-Party eines Linked-In-Posts schaut, überfällt einen schon das Gruseln wie der Kapitalismus diese Gehirnwäsche ganz ohne vorgehaltene Waffe vollführt.

Der erschreckende Abstieg der Blogs

by ringlundmatz

Vielleicht wird den Blogs natürlich auch das zum Verhängnis, was in ihnen immer schon angelegt war: dieses Element von Hochstapelei. Sie waren ja nie, auch die prominenten, auch die mit Nachdruck promoteten nicht, ernsthafte Teile des Kulturbetriebs.

Sie taten so, ja, sie hatten, neben Autoren, die locker mit Friedrich Sieburg hätten mithalten können, auch Kommentatoren, die Fritz J. Raddatz volkstümlich wirken ließen. Immer ganz von oben, immer im ganz big picture unterwegs.

Da wurden die Großen dann unbekümmert nachgeahmt, und niemand sprach die offenkundige Wahrheit aus: dass das alles Karneval war. Es ging um nichts. Es war letztlich nicht ernst, es war Hobby. Hinter der Adorno-Maske steckte irgendein kleiner Plüsch-Teddy.

Und weil diese Blogs nichts riskierten, vermisst sie auch keiner.

Weiter im Schweigen

by ringlundmatz

An allen Ecken und Enden ist Feierabend. Blog, blog, blog, so klingt es durch die abendlichen Gassen. Das sind die Läden, die geschlossen werden. Meist für immer. Die Besitzer schleichen nach draußen und sperren ab. Auf dem Heimweg heben sie die Blicke nicht mehr, kaum dass sie die Füße heben. Höchstens ein kurzer Abstecher in eine Bar, einen Rotwein hinunterstürzen oder einen Espresso, falls man noch was vorhat. Aber wer hat schon noch was vor? Gelächter, Plausch, Scherze? Fehlanzeige. Gibt’s ebenso wenig wie Bewegung in den Statistiken. Die Leute haben das Lesen aufgegeben, jetzt sogar im Internet. Im Café schon längst. Als du zurück auf die Gasse trittst, hinein in den Heimweg, und dezent den Schlüssel fallen lässt, um dir den Rückweg für alle Zeiten zu verbauen, verpasst die Sonne dir einen Schatten, dessen Transparenz dir wohl zu denken gäbe, wärst du für solche Phänomene wie Gedanken noch empfänglich.

Spiel dich am Arsch

by phorkyas

Anzeige der Polizei auf einer Litfasssäule: Pixeliger an Minecraft angelehnter Polizist darüber: Next Level!

Sieht so Gamefication aus? Die erstrebenswerte Idealvorstellung?

Mein Leben als freemium-Browsergame mit microtransactions und lootboxes für den Dopamin-Kick? Dann genügend XP und skins für den Next Level an Gehalt?

Vielleicht sollten wir Spielekonsolen kriminalisieren, dass sie nur noch wie harte Drogen, irgendwo im verborgenen gehandelt werden dürfen.

Lebenslüge

by phorkyas

Ein Gespräch geht mir nicht aus dem Sinn, weil es meine ganze Lebenslüge offenbarte. Keine Chance mehr sie zu leugnen.

Er war der engste Kumpel in der Abizeit. Jener wirren, aufregenden Zeit, als wir den ganzen Drang unseres Daseins in pathetische Verse gossen, und wir noch an Kraft und Ehrlichkeit der Kunst glaubten. Jetzt saßen wir da 20 Jahre später und führten den impliziten Wettkampf, wer denn sein Leben gründlicher verkackt hätte.

Es erfüllt mich nicht mit Stolz erfüllen, dass ich in diesem „Wettstreit“ den Sieg davon trug. Aber was überdeutlich wurde: ich darf nicht so weiter machen. Irgendwelche Computercodezeilen umherzuschubsen, war nicht mein Lebensziel.

Nur was wäre das Ziel? In einem Roman, den niemand liest, unser Digitalzeitalter dekonstruieren? Das müsste man schon als Insta-Story an die Leute bringen. Was also schon an seiner eigenen Form implodiert.

Menschen-Minen

by phorkyas

In einem Podcast stieß ich auf diesen Satz:

So if you really want to cash on the human, you gonna have to make sure the human is in his element and is in the right place.
(https://www.youtube.com/watch?v=MiGJ9z1pFbM)

Etwas Kontext, denn es geht mir um eine Dialektik, die vielleicht auch schon in einem Begriff wie „Human Resources“ aufscheint. Ja, irgendwie wäre es schon schön, wenn der Ort, an dem wir den Großteil unserer Wachphase verbringen, humaner wird. Keine knechtende Sklaven-Hierarchie-Pyramide, kein Ort seelenzerfressenden Stress‘. Aber sind die Orte wie Google nicht irgendwie auf umgekehrte Weise creepy: dass die Arbeit so eine Wohlfühl-Oase darstellen soll, dass der Arbeitnehmer, den Absprung in sein Privatleben gar nicht mehr schafft?

Etwas Ähnliches verspüre ich auch hier: Ja, irgendwie wünscht man sich schon, dass sein Chef so ein neuer „facilitierender“, agiler Chef sei, der einem die Freiräume gibt, sich zu entfalten,… aber schimmert da gerade auch an dieser Stelle nicht auch eine Kehrseite hindurch: wenn da das Weiterwachsen schon fast zum Zwang wird, dass wer dieses Mindset nicht mitbringt und für sein Ding brennt, einfach aussortiert gehört?

In den TED-Talks und sozialen Medien wird diese neue Menschenrasse nun herangezüchtet: die völlig enthusiasmiert den grandiosen Erfolg ihrer Selbstausbeutung feiern: Seht her, ich habe es geschafft! Seid inspiriert! Gehört zum sich-weiterentwickelnden, beweglichen Teil der Menschheit! Werdet Cyborgs, transhumane Uploads oder was-auch-immer!

Woraus nur speist sich mein Unbehagen, dass meine Seele nicht aus einer solchen Menschen-Mine geschürft oder einer solchen Graphikkarte ausgerechnet werden soll?

Alles dreht sich einfach zu schnell

by phorkyas

Alles dreht sich einfach zu schnell. Wenn die Taktung des Hamsterrades einfach ein bisschen zu schnell ist für das eigene Tempo. Ich habe aufgegeben, dem hinterherzuhecheln. Komme nicht mal mehr mit die ganzen Gruppenposts und Aktualisierungen mitzulesen. Abgehängt. Die Schlagzahl ist einfach zu hoch.

Oder mein Schneckentempo zu langsam. Eine Beleidigung der E-SUV-Fahrer wollte ich formulieren. Eine Abschätzung wie viele tausend Jahre sie mit ihrem Ding da langfahren müssten, um den ökologischen Fußabdruck der Herstellung ihres überdimensionierten Gefährts durch vermindete Emission wieder eingespart hätten. Aber, swoosh, auch schon vorbeigerauscht, auch dieser bittere, nichtige Gedanke. Alles besser gar nicht aufgeschrieben oder auch nur gedacht. Die ganzen, grauen, nichtigen Worte. Vergebens. Sich aufzulehnen? Gegen die verlogene Welt mit ebenso verlogenen Worten? Eine Ideologie der Verneinung gegen all die Ideologien der Welt? Welcher Idealist außer Bob Macha (Jugendwort 2022, 3. Platz) könnte das noch versuchen, nur um dann von Elons Satelliten verfolgt und Chinesischen Drohnen massakriert zu werden.

Swoosh,.. aber Begegnungen der 3ten Art: PR-Abteilungen lösen in mir ähnliche Flucht-Instinkte aus, wie Fitnessstudios. Ein adrettes Exemplar aus ihren Frankenstein-Labors lief mir kürzlich über den Meeting-Weg. Überquillend von wohlmeinenden, parfürmierten Phrasen des Mitarbeiter-Enablings und der Wohlfühl-Community fühlte ich doch den unverhohlenen, selbstbeweihräuchernden Elitismus hindurch. Und das ist dann doch übler als ein GPT-3 mash-upendes Tag-wolkenspeiendes Menschen-Simulat auf zwei Beinen.

Oder ist das jetzt auch schon zu gemein, ein Urteil über jemand fällend, der vielleicht doch ein zartes, mitfühlendes Wesen verbirgt, hinter der so aufgesetzt erscheinenden Insta-Story-Maske. Vielleicht war es ja auch nur Nervösität, die sie in jedem zweiten Satz „einzahlen“ verwenden ließ, was mich einfach zu sehr triggerte.

Wir werden das alles nie wissen. Das sind die natürlichen Unschärferelationen der Dinge. Ob ein US-Großmeister durch einen vibrierenden Arsch betrog, oder wer die NordStream-Pipelines sabotiert hat. Und irgendwie fühlt sich das auch alles mega-egal an. Vielleicht nur meine Depression oder Burnout wie man’s jetzt nennt.

by phorkyas

Ich stehe auf einer hohen, schmalen Brücke, nahe dem Strand. Eine riesige, 30-meter hohe Flutwelle türmt sich auf, mit peitschender Gischt und ohrenbetäubendem Lärm rollt sie heran. Ich strecke ihr mein Gesicht entgegen, sie begrüßend. Über mein Gesicht und meinen Körper gleitet eine dünne, kühle Wasserschicht, kaum dicker als die Haut einer Seifenblase.

Aber hey!

by ringlundmatz

Tatsächlich hatte ich einen Text geschrieben, der auf die Überschrift „Unsere geistige Situation?“ die knappe Antwort fand: „Stillstand“. In dem Stil ging es dann weiter, die Herrschaft der Computer, alles ausgeblutet ins Digitale, das Digital als Jammertal usw.

Das stimmt ja alles auch.

Trotzdem, denke ich gerade, sollte man zuversichtlich sein. Zuversicht verbreiten. Vielleicht ist Zuversicht am Ende ja nichts anderes als die wilde Entschlossenheit, zuversichtlich zu sein? Rein evolutionstechnisch gab es für unsere Spezies, die sich mit feiner Ironie selbst als „sapiens“ charakterisiert, nie mehr Gründe zur Zuversicht als heute. Natürlich fällt uns die Klimakatastrophe auf den Kopf wie den Galliern der Himmel. Nur: Wir haben diese Katastrophe selber gemacht! Wir sind Produzenten unseres Untergangs! Bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass wir auch Produzenten unserer Himmelfahrt werden könnten? Oder nein, Moment, „Himmelfahrt“: Das klingt schon wieder so düster … Produzenten unserer Rettung? Vielleicht sogar derselben Rettung, von der Adorno orakelte? Erlösung? Der Einmarsch ins Paradies zu Lebzeiten? Ist das nicht der alte Menschheitstraum?

Es ist schwer, nicht in Depression zu versinken, zugegeben.

Es sei denn, man stellt den Rechner ab.