Lafcadios Go-Ecke

März 25, 2012

Einsortiert unter: Raum (Buch) — phorkyas @ 7:45 nachmittags

Das Blog ist ein Innenraum.

Oder bei Dr. Schein / Doc Spielvogel hätte es lauten können:

Das Blog ist ein Irrenraum.

(Aléa Torik forderte von einem Diskutanden: “Du hättest mir, mit ein wenig Empathie, sagen können, was..” – Da ich mit dem Raumthema so verbunden bin, dachte ich da nur: Ja, genau; wenn man in die Privat-Innen-gemächer von jemand geht, dann sollte man sich wohlwollend nähern, zieht die Schuhe aus und versucht wenigstens leserlich zu schreiben, wenn man die Wände vollkrakelt.)

- Phorky versucht nun Urlaub fürs Gehirn.

März 16, 2012

Go-Regeln (2)

Einsortiert unter: Go (Weiqi, Baduk), Raum (Buch) — phorkyas @ 10:07 nachmittags

1) Leben und Tod

Bisher gab es das ja nur in Prosa. Vielleicht sind ein paar Bilder ganz instruktiv. Im ersten Diagramm haben die drei Schwarzen und die vier weißen Steine nur noch eine gemeinsame Freiheit, die durch das Quadrat markiert ist. Der Spieler der zuerst diesen Punkt besetzt wird also die gegnerischen Steine schlagen.
Wer schlägt zuerst?
Ist z.B. weiß am Zug und spielt auf den markierten Punkt, so werden die drei schwarzen Steine entfernt und das Brett sieht danach so aus:
Weiß hat die drei schwarzen Steine geschlagen

Bei dieser Spielsituation fängt der interessante Kampf um Leben und Tod aber eigentlich erst an. Kann die weiße Gruppe überleben oder wird sie von den schwarzen Steinen gefangen?

Der wichtigste Begriff, um den es dabei geht ist das Auge. Augen sind die Innenräume einer Gruppe. Die Größe, Form, Echtheit und Anzahl dieser Augen bestimmt den Status einer Gruppe. Diese Begriffe müssen später noch geklärt werden. Im vorliegenden Fall hat Weiß nur einen Innenraum, der 3 Punkte hat.
Die weiße Gruppe mit diesem 3er Auge ist tot. Schwarz zieht und tötet:
Kill Pussycat!

Wenn weiß mit 1 und 3 den schwarzen Stein fängt…
Weiß fängt den Stein
..umrundet Schwarz die Weißen Steine von außen..
Weiß wird umrundet..
und kann schließlich mit 6 alle weißen Steine fangen:
..und stirbt.

März 12, 2012

Phorky deflated

Einsortiert unter: Blogverbot, Raum (Buch) — phorkyas @ 9:31 nachmittags

Phorkyas spielt Schwarz. Ging nicht gut aus.

August 6, 2011

Road(map) to hell

Einsortiert unter: Raum (Buch) — phorkyas @ 10:38 vormittags

Die Bamberger Elegien haben mich auf ein wichtiges Grundproblem zurückgestoßen: Was ist das Organische (im Gegensatz zum Mechanischen, zum Automaten)?

Meine Ablehnung von “Tree of Life” mag zum größten Teil darauf beruhen, dass ich dessen Darstellung des Organischen ablehne – diese ähnelt in der Ästhetik doch sehr “Unserer Erde”. Dort wurde auch mit pathetischer Orchestermusik unterlegt ein Überbietungskampf der schönen Bilder ausgetragen, die mir auf Dauer auch etwas ennervierendes, ermüdendes hatten. Da wünschte ich mir doch mitunter einfach mal ein normales Bild, eine normale Aufnahme, die nicht auf spektakulär und tolles Aussehen frisiert war. So ähnlich erging es mir eben auch bei “Tree of Life”. Es ist noch nur ein Gefühl, dass das Organische, das Leben, eben ganz anders dargestellt werden muss. Natürlich kann man tolle Aufnahmen zeigen von pumpenden Herzen, die spektakulären Wälder und Farbspiele, die die Natur so hervorbringt – aber kann man sich dem Wunder, das sich auch in jeder Fliege jedem Blatt zeigt, das doch eigentlich das Alltäglichste ist, etwas unangestrengter nähern und auch zulassen, dass dieses Wunder nicht immer so wundervoll waschmittelfarben daherkommt? (In einem längeren Essay versuchte Christina Striewski ihrem Unbehagen über den Film nachzuspüren – allerdings verfällt sie meiner Meinung zu sehr auf eine Ideologiekritik, indem sie dem Film in die christlich fundamentalistische Ecke stellt, es hätte vielleicht gereicht den ästhetischen Fundamentalismus zu geißeln, der mich als Rezipienten einfach die Luft zum Atmen nimmt, der den freien Genuss der Bilder erstickt..) -
Aber ich schweife schon ab. Es steht dahinter wohl nichts geringeres als die Frage: Was ist Leben?… Und mit welchen Metaphern und Begriffen kann ich bei solch einer Frage überhaupt anrücken. Für Dennett ist es so,

we now understand life well enough to appreciate that each cell is a mindless mechanism, a largely autonomous microrobot, no more conscious than a yeast cell. [..] Your trillion-robot team is gathered together in a breathtakingly efficient regime that has no dictator but manages to keep itself organized to repel outsiders, banish the weak, enforce iron rules of discipline — and serve as the headquarters of one conscious self, one mind.
Sweet Dreams, p.3

Eigentlich müsste ich noch mehr zitieren. Diese Metapher, dieses Bild von uns,.. da krabbelt in mir schon der zombic hunch herauf – den Dennett auch selbst verspürt – das Gefühl, dass die naturalistisch-naturwissenschaftliche Erklärung des Bewusstseins etwas auslassen muss, dass da ein letztes nichtmaterielles Residuum bleiben muss (früher Seele), dass nicht vollständig erklärt werden kann. Das “Ich”, unser Bewusstsein sperrt sich dagegen, dass dieses Eigenheitserleben, dass unser eigenes Erleben aus dieser ganz spezifischen Perspektive heraus stattfindet, die wir als individuell und einzigartig ansehen (eben unser “Ich”), dass dies objektiv, naturwissenschaftlich erklärbar sein soll. Deshalb ist es wohl ganz richtig, dass Dennett diesen zombic hunch als Bestandteil der Theorie eines Bewusstseins sieht, welcher von dieser ebenfalls beschrieben werden muss. –

Aber ich schweife schon wieder ab.
Wir sind fast an der letzten Frage angelangt: Was ist Wissenschaft? Diese Frage sollte man an die Adresse des Naturalismus doch stellen, meine ich. Denn wenn wir eine wissenschaftliche Erklärung des Bewusstseins hätten, wie sie uns verheißen ward, was hätten wir dann? Am Ende auch nur eine Theorie, die uns auf wissenschaftlicher Basis fundiert, was wir aus der eigenen Beobachtung sowieso schon wissen (von Dennett auch “folk psychology” getauft) oder gar die intuitiven Begriffe Aristoteles nachbilden?

(Dies ist also ungefähr der Katalog an Fragen: Was ist das spezifisch Organische bzw. was ist Leben? Was ist das Bewusstsein? Was ist Wissenschaft – deren noch lose Verknpfung ich hier zeigen wollte.

Das Organische hat in den Bamberger Elegien gerade schon eine poetische Dimension. Ob es das für mich hat, weiß ich noch nicht. Ob ich also wieder schreiben würde, könnte ich wie E.T.A. Hoffmanns Nathanael durch das bunt-poetische Glas auch unsere “mechanisch-mechanistische Welt” wieder organisch sehen? – Über Plessner ließe sich natürlich auch noch eine losere Brücke vom Organischen zum RAUM schlagen – so die Mind-Roadmap to hell, zu meinem RAUM-Roman?)

März 2, 2011

Virtuelle Räume

Einsortiert unter: Raum (Buch) — phorkyas @ 8:53 nachmittags

Von dort herüberkopiert:

Von virtuellen Häusern. Und Menschen.

“Räume bauen, in die das Licht nicht mit Eimern getragen werden muß. Mit Fenstern zum Hinein- und Hinausschauen, mit Türen, die man in beide Richtungen benutzen kann. In diesen Räumen wird kommuniziert, manche geben etwas zum besten, andere schweigen lieber, doch das wechselt natürlich, je nach Thema. So könnte man das Wesen eines Blogs ohne Inanspruchnahme von Theorie umschreiben, denke ich. So weit so gut. Dennoch stehen mindestens zwei wichtige Fragen im Raum: wollen diejenigen, die sich im Raum befinden, unter sich bleiben, eine mehr oder weniger homogene Interessensgruppe bilden, oder wollen sie Interessierten den Zugang von außen gewähren? Gemeinhin gilt sicher letzteres, doch dann taucht die Frage auf nach den Regeln, an die sich alle zu halten haben. So weit, so schlicht. (…) Ein Blog kann sicher ein Wir-Gefühl erzeugen, doch dann sollte dieses Wir auch aus einzelnen Ichs bestehen. Denke ich.”

Norbert W. Schlinkert in einem Kommentar vom 26. Januar 2011

“Durch die Virtualität der Beteiligten erlischt nicht die Verpflichtung, sie als ganze, dreidimensionale Wesen zu erkennen. (…)
Ich hatte eher jenes Erkennen im Sinn, welches man als “sich bewußt machen als …” interpretieren kann. So dass man sich der Vielschichtigkeit und Komplexität des (virtuellen) Gegenübers bewusst wird, ohne dazu dessen persönliche Besonderheiten kennen zu müssen.
Vielleicht am ehesten zu vergleichen mit dem Erkennen z.B. eines Hauses. Man weiß, auch ohne das Haus betreten zu haben und seine Besonderheiten zu kennen, dass es ein Haus ist, vermutlich Zimmer und Türen besitzt, eine Heizung, vielleicht einen Keller etc. … Sie wissen was ich meine.”

Schreiben wie Atmen in einem Kommentar vom 11. Februar 2011

Meine Einlassungen dazu:

“Also wat is en virtuell Raum. Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En virtuell Raum, dat is ene jroße, schwarze Raum, der hat hinten und vorn e Loch”

Zwar ist es witzlos Herrn Schlinkerts Karikatur eines virtuellen Raums zu karikieren. Sein Bild ist so pointiert und ansprechend, dass ich es mir eigentlich schenken könnte noch meine zwei Farbkleckse hinzusetzen zu wollen, indes ein Versuch:

Doch woraus besteht der Raum? Aus Worten. Er wird erzeugt von den Leuten, die ihn bevölkern, die ihm mit ihren Einträgen und Kommentaren seine Eigenart und Anmutung verleihen (wie zum Beispiel den Grad der Offenheit zu bestimmen, s.a. Schlinkert)

Sei nun eine solche Untermannigfaltigkeit des Webs mit seiner eigenen Anmutung und Raummetrik gegeben. Was für Wechselwirkungen ergeben sich mit einem virtuellen Besucher? Welches Verhalten werden die Mitglieder oder Raumerzeuger dulden, welches sanktionieren? Es wird doch solches bekämpft werden, welches der Eigenart des Raumes nicht eignet. (Man sollte ja nicht einfach in digitale Räume trampeln, ohne zu wissen, was für ein Ton dort gepflegt wird – und.. ich sollte mit diesem schon mäandernden Beitrag dringend noch die Kurve bekommen).

Bei einer wichtigen Unterscheidung knickt unser metrischer Tensor jetzt aber ein: Außen und Innen. Sind Außen- und Innenansicht des Raumes in Deckung zu bringen oder könnten diese Perspektiven auseinanderfallen? Postulieren wir ähnliches für das digitale alter Ego: Selbst- und Fremdbild, dann zeichnen sich vielleicht schon mögliche Konfliktfelder ab. Weil es die eigene (digitale) Identität selbst anrührt, wenn jemand einem ein anderes Bild vorhält, als welches, was man selbst von sich hat, werden die vielleicht auch die Heftigkeit mancher digitalen Konflikte begreifbar(?)
[Das wäre mein Farbklecks zu Schlinkerts "Wir"-Gefühl, welches mich am Anfang des Satzes schon das Weite suchen ließe, auch wenn es praktisch nur da stand, damit die "Ichs" sich weiterhin behaupten, so böte sich hier eventuell die unverbindlich-neutralere "Innenansicht des Raumes"..]

Der Tenor des zweiten Zitats, so wie ich ihn begreife,.. andere haben ihre Zustimmung schon eloquenter formuliert, daher nur meinen Klecks hierzu: Ließe sich diese ethisch-humanistische Grundeinstellung nicht auch als Frischs Bildnisverbot formulieren („Du sollst dir kein Bildnis machen”) – den Appell die Leerstellen, Unsagbarkeiten die Leben mit bringt (auch im Virtuellen) auszuhalten?

Wir sind doch alle komplexe Wellenfunktionen im unendlichdimensionalen Hilbertraum Web, wer könnte schon behaupten einen vollständigen Satz kommutierenden Observablen gefunden zu haben.

(damit ich’s wiederfind’ wenn es mal losgeht mit meinem Raum-Roman bei dem es um Go und Verschwinden gehen soll – )

Theme: WordPress Classic. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.