Lafcadios Go-Ecke

Dezember 14, 2011

Medien-/Menschenlogik

Einsortiert unter: Medienlästereien, Unwürdige Themen — phorkyas @ 2:13 nachmittags

Nur zur oberflächlichen Unterhaltung. Vergleichen Sie die beiden folgenden Beiträge (überfliegen reicht):
Weihnachtfilmkritik
Weihnachtsfilmauswahl

Und nun diese:
Ehrenkodexforderung
Schwalbenpladoyer

Journalisten sollte man nicht mit der Aufgabe betrauen, ein System der Logik zu entwerfen, dieses wäre mit Sicherheit nicht widerspruchsfrei.

September 6, 2011

Bürokratie

Einsortiert unter: Medienlästereien, Unwürdige Themen — phorkyas @ 7:34 vormittags

“Eines was Deutschland sicherlich nicht braucht ist, mehr Bürokratie.” (Presseschau)

Was macht man gegen solche Phrasen. Eine Partei gründen zum Erhalt der Bürokratie. Ist denn Bürokratie nicht eine deutsche Tugend. Sichert sie denn nicht hundertausende krisensichere(!) Arbeitsplätze. Und hat sie nicht einen egalisierend-demokratisierenden Einfluss, weil Papierkrieg und Formularausfüllen, Beleg beibringen jeden Bürger zunächst gleich betreffen. Wäre es also nicht an der Zeit ein Loblied auf die Bürokratie zu singen?

Edit: das “krisensicher” Argument hatte ich auch noch ausgelassen.

Juni 15, 2011

Koch-Mehrin verliert Doktortitel..

Einsortiert unter: Medienlästereien, Unwürdige Themen — phorkyas @ 8:52 nachmittags

und wenn ich ihn dann finde, darf ich ihn behalten?

April 26, 2011

Drums… there is no way out… they are coming….

Einsortiert unter: Medienlästereien, Taschenphilosoph — phorkyas @ 10:07 nachmittags

Kaum versucht man sich auf dieses Thema der Moderne einzulassen, da quillt’s rechts und links aus allem was man liest. Da prügelt doch auch der rüstige Herr Reich-Ranicki noch auf die Moderne ein. Allerdings natürlich recht feuilletonesk, wird sie oder stellvertretend die exakten Wissenschaften in Nebensätzen auf den Schrotthaufen der Geschichte gekehrt, wenn er da über Arno Schmidt behauptet:

doch konnte er nicht verheimlichen, dass er sich von den exakten Wissenschaften eine geradezu rettende Funktion erhoffte; er mochte lästern und ketzern und haarsträubende Zynismen aneinanderreihen, doch der Glaube an die erlösende Kraft der Vernunft und der Aufklärung bildete den Untergrund seines Werks.

Demnach ist es als Literat wohl schon anzüglich noch an die Vernunft und Aufklärung zu glauben? Nicht nur weil es überholt und aus der Mode ist, nein, Schmidt ist nur da gut wo seine Werke schnoddrig werden und

zwischen getarnter Zartheit und betonter Brutalität schwankend, Elemente eines Gegenentwurfs, einer autonomen und authentischen künstlerischen Gegenwelt enthalten.

Also Schmock sind?
[Das ist nicht gegen Arno Schmidt gerichtet, dessen Bücher ich nicht kenne, doch leider macht mir in diesem Fall der Tadel mehr Lust ihn zu lesen, als das klebrige Lob, das da verteilt wird.]

Was stößt mir an dieser Art Kritiken denn nur wieder so übel auf? Dass sie nicht auf der Höhe der Zeit seien – oder viel zu sehr auf der Höhe Zeit? Nein, hier stört mich der Gegenentwurf, dieses leere Abziehbild….

Und leider kann ich eine gewisse Saturiertheit und Enttäuschung nicht verbergen wenn ich mich in meinem kulturkritischen Blogumfeld so umschaue: So sehr ich den geäußerten Kritiken gerne zustimmen wollte. So sehr ich auch einsehe, dass man auch mal polemisch, unterkomplex, losbrettern darf – das möchte ich ja auch gerade wieder einmal (und mir’ne ordentliche Einmannparty einwerfen)… Aber da klafft wieder diese Affirmationslücke. Ich komme nicht hinüber. Warum, auf Fernsehzuschauern herumreiten, Politikern usw., wenn man sich dabei schon fast auf Augenhöhe der Kritisierten begibt und selbst das vielbeklagte Kabarett schon wieder niveauvoller erscheinen lässt (Merkelferkel!)?

Soll heißen? This is no way out. Jedenfalls noch nicht für mich – Ich möchte noch ein bisschen am Abgrund meiner Kritik der Kritik stehen bleiben. Die Pferde entlangpeitschen.

Wie schrieb ein Flog bei Herrn Niggermeier so schön:

Ich bin erschüttert, über diese grenzenlose Intelligenz der Leserschaft dieses Blogs. [...]
Ein guter Freund von mir beschrieb in einer Abhandlung mal das regificus equus albus. Ein Faunavertreter, dessen einziger Lebensinhalt es war an der Klippe zu stehen und majestätisch auszusehen.
Ich lese lieber Kommentare als Artikel – einfach weil man da sehr viele von den regificus equus albus zu sehen bekommt. Sei es hier, oder auf der Bild-Seite. Und die Unterschiede sind, abgesehen von Grammatik, Interpunktion und Rechtschreibung praktisch gar[ ]nicht vorhanden. Traumhaft!

So jetzt habe ich mich genügend selbst angetrollt… und andere.

Nichts weiß ich – Keinen Ausweg außer diesem [nichts].

Das Nichtseiende ist.
Das Nichtseiende ist nicht.
(beide Sätze sind wahr – und mathematisch gesehen behauptet der erst nur die Existenz der leeren Menge, während der zweite sie definiert.. aber daraus könnte man einen ganzen Blogeintrag machen – sehr schön auch, wie dies die ersten Schritte zu Gödels konstruktiblem Universum sind..)

Drum müßt ihr uns schon gestatten
Heimzugehen in unser [digitales] Nichts.

April 10, 2011

Leserbriefschreiber

Einsortiert unter: Medienlästereien — phorkyas @ 4:48 nachmittags

Nun bin ich also auch unter diese weltverbesserische, nörgleriche, besserwisserische Sorte Mensch gegangen (als ob wir Blogger nicht eh schon da hingehörten). Da ich mir aber nicht vorstellen kann, dass die Süddeutsche ihn tatsächlich abgedruckt hat, stell’ ich die Polemik mal hier ein.

Betreff: zum Artikel: Der Shaolin-Schwindel (Panorama, 19./20.März, Nr. 65)

Sehr geehrte Damen und Herren,

investigativen Journalismus zu betreiben ist eine ehrbare Sache. Und in
der Sache mag Ihr Artikel ja auch gerechtfertigt sein. Es mag ja auch
angehen, dass man einer festen Aussage oder Tendenz folgt und dass Titel
und zugehöriges Bild schon so sehr klar machen, wo der Hase läuft, dass
der garnierende Text beinahe überflüssig ist. Über eine Kleinigkeit bin
ich jedoch gestolpert. In der dritten Spalte heißt es da: “Strittig ist,
ob auch Schläge als letztes Mittel der Erziehung eingesetzt werden.
Coulombe leugnet das. Die Mutter eines 13-jährigen Jungen [..] weiß
anderes zu berichten.” Zum Ende dieses Abschnitt jedoch wird, offenbar
von der gleichen Mutter(?), berichtet: “In den Herbstferien holte sie
ihren Sohn zurück nach Berlin. Obwohl er nicht geschlagen worden sei,
sagt sie im Rückblick: [..]“
So schaden Sie doch nur Ihrer eigenen Sache. Sie erwarten doch
hoffentlich nicht, dass Ihre Leser die Artikel mit geschlossenen Augen
lesen.

Mit herzlichem Gruß,
Ihr ***** ******

März 14, 2011

Politische Sprachverwirrung

Einsortiert unter: Medienlästereien, Polemik — phorkyas @ 4:47 nachmittags

Wo ist endlich diese Arbeit zur “Falschheit im öffentlichen Raum – Was Politikersprache verschleiernd entbirgt”?

(Ein Beispiel: In den Kommentaren bei der Zeit zur Affäre um Herrn Althaus’ Skiunfall, wies jemand auf den Wortlaut seines “Schuldgeständnisses” hin:

Das Gutachten ergebe, “dass ich Schuld trage. Das belastet mich. Ich trage schwer daran”.

)

Manchmal nur, da fehlt mir der Schlüssel zu dieser hermetischen Politikerdichtung. Kann mir vielleicht jemand mal erklären, was es jetzt heißen soll, wenn Frau Merkel die Laufzeitverlängerung aussetzt. Ist das das Gleiche wie aussitzen? (Vielleicht ist das ja die moderne Form der Regierungsführung: so unbeliebt wie man als in der Verantwortung Stehender nun einmal ist und wo man nicht nur wie seit jeher von den Zeitungen mit Häme übergossen wird, sondern nun auch noch Blogs und so weiter ihre Jauchekanister in Stellung bringen – angesichts dieser Zustände ist es also wohl das Einfachste seine Regierungszeit auszusitzen, sich wegzuducken und zu hoffen, dass vielleicht gar keiner merkt, wer da was gerade regiert hat.)

Aber die Journalisten blasen’s weiter schön hinaus und keiner merkt, dass er’s eigentlich nicht versteht oder irrtümlicherweise versteht, was nicht zu verstehen ist. Was machen die Atomkraftwerke, denn während die Laufzeitverlängerung auf Eis liegt, weiterlaufen oder wie? Ist die Laufzeitverlängerung also so lange aktiv, wie sie zeitweilig inaktiv ist? Wer erklärt’s mir, meinem moribundem Hirn, dieses Moratorium?

Ihr Journalisten schriebt doch so gerne von dem Ausstieg aus dem Ausstieg, aber dies ist ja nun nicht der Ausstieg vom Ausstieg des Ausstiegs, sondern das Aufschieben des Ausstiegs vom Ausstieg des Ausstiegs und trotzdem soll uns also weisgemacht werden, das Abschalten der alten Atommeiler sei irgendwie nähergerückt?

Meist bilde ich mir noch ein, genau zu wissen, dass ich nicht verstanden habe, was ich da gerade schrieb; wann nur komm’ ich dann bei eurer Merkbefreitheit an? Bin ich jetzt mit diesem Text schon nahe dran? (Hoffentlich merkt das keine Partei – schon gar nicht die Merkelpartei – und stellt mich noch ein.)

Vielen Dank an Herrn Pellaca für den Hinweis zu diesem Eintrag.

Februar 6, 2011

Tante Emmas Gemischtwarenladen für Weltbilder, rhetorische Grundfiguren und anderes II

Einsortiert unter: Medienlästereien, Polemik, Unwürdige Themen — phorkyas @ 12:12 vormittags

(ii) Wissenschaft als Religion

Vor kurzem löste ein polemischer Zeit-Artikel über Hawking in der Rubrik “Religion und Wissenschaft” eine wahre Kommentarflut aus. Leider muss ich bekennen, nicht nur in diesen unsäglichen, neunmalklugen, sinnlosen Kommentaren gelesen, sondern sogar dazu beigesteuert zu haben. (Das Gleiche ließe sich auch über meine Bloggerei sagen: Wird es mir einmal peinlich sein einer von denen gewesen zu sein? Einer dieser pseudointellektuellen Klugschwätzer, die zu alles und jedem ins Netz schwadronieren, Fachmann für alles und nichts. Da werden mir doch Printleute beinahe wieder sympathisch, wenn sie alle Klügelei beiseitelassen, in die Vollen gehen und so richtigen Dumpfsinn absondern wie diesen – Geht es noch durchsichtiger und dünner? Wie kann man mit dieser einen Idee “Die Öffentlich-Rechtlichen sind ja deppert, haben die die historische Mubarak-Rede, die alle gesendet haben, nicht gesendet” wie kann man damit so viele Spalten füllen? Und hätten sie sie gesendet, hätte man sie vermutlich dafür angeprangert, dass sie, anstatt sich Zeit zu nehmen und das Material in Ruhe zu gewichten und zu begutachten, dieses wegsenden, nur weil alle anderen das auch tun… Ach, es ist doch so trostlos – schon wieder diese Blog-Attitüde, diese Sticheleien gegen die Dummheit anderer Leute. Aber was hilft’s, gegen die eigene Dummheit sollte man sticheln, doch die ist auf ewig unser blinder Fleck.)

Da diese Diskussionen scheinbar immer wieder aufflackern und dieses ewige Wiederholen der immergleichen Argumente etwas ermüdend ist, hier also der Versuch ein paar rhetorische Grundkniffe zu sammeln und darauf hinzusteuern, die Grundmotive freizulegen.

Es gibt ein Unbehagen an der Technik, den Wissenschaften, dass diese keine Ethik kennten. Autoren wie Sam Harris greifen diesem möglichen Vorwurf vor, indem sie umgekehrt zeigen wollen wie Naturwisschenschaft erst Moral und Ethik begründen könnte. Ich möchte mir hier nicht das Urteil erlauben, dass es sich dabei um Wissenschaftskitsch, Primitiv-Utilitarismus handelt, lediglich anmerken dass weder Philosophie noch Wissenschaft das Problem der Letztbegründung lösen können. Natürlich kann man eine willkürliche Setzung vornehmen, wie man es wohl den Religiösen unterstellen würde, aber das ist intellektuell wohl unbefriedigend. Von dieser Warte kann das Ergebnis nur ein Patt sein und darüber zu streiten, wer etwas besser könne, was ohnehin keiner leisten kann, muss einem müßig erscheinen.

Widmen wir uns jedoch einmal diesem “Unbehagen”, denn es erscheint mir der Archimedische Punkt. Es ist die Verunsicherung darüber, was der Mensch noch sei, wenn wir ihn in all seine Teile zerlegt haben, wenn wir die letzen kognitiven Fähigkeiten simuliert, die letzten Kernspinresonanzspektroskopie-Bilder analysiert haben. Die Forscher kokettieren noch mit dieser Furcht, wenn sie die PR-Trommel rühren, indem sie ausposaunen lassen, der freie Wille sei widerlegt. Was tun gegen diese Herausforderung, wenn sich das ganze Wesen des Menschen infrage gestellt sieht? Hier kann die Philosophie die Totschlagkeule schwingen: Man muss aufs Ganze gehen; das Bestimmen von Menschsein darf nicht Teilrationalismen anheimfallen, wie es geschieht, wenn Ethik sich in Detaildiskussionen der Einzelwissenschaften verliert und so nur noch dazu da ist bestehende Praxis abzunicken (s. Nannen, Stammzellenforschung etc.).

Den Polemiken gegen Wissenschaften sei es von Goethe, Adorno und auch Heitler scheint dieses Unbehagen gemeinsam. Sie richten sich geggen die Entzauberung, Entpoetisierung, Entintellektualisierung der Welt wie sie in Form der Wisschenschaften, dem Positivismus vorzuliegen scheint. Von seiten der Wissenschaft kann natürlich gefragt werden, ob dieses düsterverhangene Wissenschaftsbild denn auch treffe, woher sich die dunklen Dystopien schöpfen, was denn den Himmel in grau kleidet. Sei denn die Wissenschaft kein intellektuelles Unternehmen, ohne Inspiration, ohne geistigen Überbau und kühnen Entwürfen vom Großen Ganzen? Nun

Sie sehen auch hier befinden wir uns wieder in der allerfeinsten Klügelei – Aber jetzt müssen wir wohl die wissenschaftstheoretische Suppe auslöffeln, die wir uns eingebrockt haben:

(iii) Was ist Wissenschaft?

Was zeichnet die wissenschaftliche Methode und Sichtweise gegenüber magischem Kult, mythischen Welterklärungen aus? Meistens vertreten dann vor allen Dingen die szientistischen Kommentatoren einen Vulgär-Popperianismus, nach dem wissenschaftliche Theorien Aussagen oder Vorhersagen treffen müssen, die eine experimentelle Überprüfung zulassen und so würden unter den Theorien gerade nur die richtigen übrigbleiben, so als würde diese Methodik von selbst ohne großes Zutun immer weiter in Richtung größerer Erkenntnis fortschreiten. Dies scheint der Lehrbuchttradition zu entsprechen, die den Eindruck einer linearen Geschichte gibt, die zu der aktuellen, richtigen Theorie führen musste, einer kumulativen Wissensanhäufung. Kuhn widersprach leidenschaftlich, aus Sicht der Wissenschaftsgeschichte sei dieses Bild nicht haltbar. Vielmehr unterschieden sich verschiedene Phasen wissenschaftlichen Arbeitens oder Problemlösens. Jene in der ein vorherrschendes Konzept (Paradigma) befolgt wird, welches die Probleme und Fragestellungen definiert, an denen man arbeitet. In dieser Zeit stellt sich Wissenschaft tatsächlich als jene Anhäufung von Wissen dar, indem man die Früchte erntet, die ein Paradigma erreichbar werden lässt. Manchmal jedoch treten Anomalien auf, Beobachtungen z.B. die nicht in das Schema des derzeitigen Paradigma passen. Häufen sich diese kann die Wissenschaft in eine außerordentliche Phase eintreten. In dieser können andere Konzepte mit dem vorherrschenden konkurrieren und dieses schließlich ersetzen. Welches das Rennen macht, so betont Kuhn, sei nicht wie bei Popper Sache der Falsifikation, eines Beweises oder dass die neue Theorie die Daten besser beschreibe. Die Ursachen dafür könne auch gut außerhalb der Wissenschaft liegen, in ästhetischen und persönlichen Vorlieben oder in seinen eigenen Worten: „Der Erfolg eines Paradigmas [..] ist am Anfang weitesgehend eine Verheißung von Erfolg [..]. Die normale Wissenschaft besteht in der Verwirklichung jener Verheißung, einer Verwirklichung, die durch Erweiterung der Kenntnis der vom Paradigma als besonders aufschlußreich offenbarten Fakten [..].“
Mit diesem religiösen Vokabular sind wir nun endlich nahe an der ersten Überschrift, dieser dumpfbeuteligen Provokation, wie sie auch der Zeit-Artikel betrieb. Der Enthusiasmus, mit dem die Inbetriebnahme des LHC’s beobachtet wurde, die Indoktriniertheit und der missionarische Eifer mancher “Brights” könnte solche Wortwahl allerdings schon nahelegen.

Müssen die Wissenschaftler aber diesen Vorwurf der Geschichtsvergessenheit sich gefallen lassen?

Mai 31, 2010

Tschööööööt

Einsortiert unter: Medienlästereien, Polemik, Splitter, Unwürdige Themen — phorkyas @ 6:53 nachmittags

Das ist mir jetzt ja doch zuwider, dass ich nun Sympathie für den Mann empfinden soll. Nur weil er für eine Binsenwahrheit gekreuzigt wurde,.. die durfte man natürlich nicht aussprechen, dafür sind die Redakteure zu verklemmt (s. Spiegel, Zeit, FAZ). Ist doch aber ganz einfach: Ja, es gibt bei Kriegen auch wirtschaftliche Interessen (die kosten ja auch Geld)… aber sagen darf man das doch nicht?

Jetzt macht euch doch mal locker Leute, sonst darf man auf eurer geistigen Tollwiese des Feuilleton doch auch mal gegen die Demokratie wettern und allerlei Jux und Logorrhoe betreiben. Nu kummt duch mul!

Mai 18, 2010

Tante Emmas Gemischtwarenladen für Weltbilder, rhetorische Grundfiguren und anderes I

Einsortiert unter: Medienlästereien, Polemik, Unwürdige Themen — phorkyas @ 7:56 vormittags

Dies soll eine kleine bunte Sammlung werden. Zur Selbstbedienung und zum Eigengebrauch.

(i) Hilfe ich werde verfolgt,.. also habe ich recht

Diese vielleicht bei den “Linken” zu vermutende rhetorische Grundfigur (“Gegen das System”), geht vielmehr quer durch alle Bänke. Vom eklen Hetzblog, Schmierenpresse (“Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht”, oder so) bis zum “Hochfuilleton”. Nicht nur ganze Artikel gründen sich auf dieses Motiv manche Naturen errichten ihr ganzes “Weltbild” darauf.

Nehmen wir zum Beispiel mal die “Achse des Guten”.. oder ihr “Climagate”. Hauptmotiv bleibt immer: das (linke) Meinungskartell der politisch Korrekten unterdrückt die ihr unangenehmen Wahrheiten, z.B. bei letzterem dass die Datengrundlage zum Feststellen der Klimaerwärmung in Wirklichkeit ziemlich dünn sei. Oder, daran arbeiten sie sich ja hauptsächlich ab, dass die wichtige und richtige Islamkritik von den Multikulti-Wischi-Waschi-Illusionisten bekämpft und mundtot gemacht würde.

Das Problem hierbei ist, dass schwerlich objektiv festgestellt werden kann, ob diese Unterdrückung wirklich vorliegt. So gab es ja auch einen Fall “Eva Hermann”, bei der man irgendwann die Nazi-Totschlag-Keule rausholte. Kurz danach, so meine ich mich zu erinnerern, habe ich ihren Auftritt bei Beckmann gesehen und mich über dieses billige Schmierentheater amüsiert, dass da Skandal sein sollte und Anlass gab weiter auf sie einzudreschen. Die Frage ob das Tabu, das Meinungskartell wirklich existiert ist zunächst einmal von dem Wahrheitswert der Aussage völlig unabhängig. So wäre es in besagtem Fall doch viel einfacher gewesen sich inhaltlich mit den Thesen von Frau Hermann auseinanderzusetzen, so jedoch hat man sie darin bestätigt, dass Ihre Meinung verfolgt und geächtet wird, vom Feminismus-Gender-Mainstream oder was auch immer. Diese Art von Argumenten sorgt also immer dafür, dass man sich von der inhaltichen Diskussion wegbewegt und in ideologischen Grabenkämpfen verliert. Das mag erwünscht sein, um die Debatte zu befeuern, ist auf die Dauer aber doch ermüdend (s. auch Jan Fleischhauer “Unter Linken”).

Wenn Sie jedoch Eindeutigkeit und Einseitigkeit nicht scheuen, mal ordentlich was vom Zaun brechen wollen, so greifen Sie zu. Stilisieren Sie die Gegenmeinung zum herrschenden Mainstream. Provozieren Sie, bis man sie angreift, was Sie dann wieder als Bestätigung Ihrer Ausgangsthese nehmen können.

Themen gibt’s ja genug. Islam ist vielleicht etwas übersättigt, weil auch schon alle Argumente getauscht sind, Links-Rechts-Schemata sollte seit Jahrzehnten schon ausdiskutiert sein, bietet aber immer schönes Identifikationspotential… Was haben wir denn noch im Angebot? Vielleicht etwas aus Kunst oder Literatur, vielleicht zusammen mit “dem aufstrebenden Internet”, auf das die “Holzmedien” fortwährend eindreschen? Nene, soviel Sand…

PS. Für die Vollständigkeit sollte ich noch Beispiele aus Feuilleton u.a. bringen, vielleicht auch mal aus der taz.

Edit: Das vorher vorgschlagene Motiv, dass nur eine Minderheit Träger der Wahrheit und der Rest der Gesellschaft ihr feindlich gesinnt, findet sich gewissermaßen schon im Höhlengleichnis. Derjenige, der die wahren Ideen und das Licht geschaut und nun zurückkehrt in das Dunkle der Höhle, um Kunde zu bringen davon, er kann sich eines unfreundlichen Empfangs sicher sein.

Edit: Edit: Das Prinzip ließe sich anhand des Entstehens einer Religion fortführen: So wurden wir im Religionsunterricht vor den Sekten gewarnt. Merkmale genannt. Wie dass sie sich abgrenzen vom Rest der Welt, ihre Gemeinschaft (auch rituell) beschwören, ihr Weltbild zementieren gegen das Böse, Falsche Außen. Und was macht dann die Religion, beziehungsweise, wie ist denn das Christentum entstanden, denn als Sekte? Und was ist das für ein absurder Bluttrinkritus, den man im Film lieber für die Satanisten verwendet. Damit keine Missverständnisse entstehen: Die grossen christlichen Religionen sollen hier nicht gleichgesetzt werden mit (solchen) Sekten, die ihre Mitglieder einer Gehirnwäsche unterziehen und andere unschöne Dinge tun. Dennoch gibt es vielleicht ähnliche Strukturmerkmale eines sich abgrenzenden, geschlossenen Weltbildes (und schon wieder auf dem Glatteis). Es ging eigentlich nur darum: Wenn eine Sekte aufsteigt zur Religion, wird sie die anderen Sekten genauso verfolgen, wie sie verfolgt wurden von den anderen Religionen zuvor? “Vae victis!” – Die ehemals unterdrückenten werden die Unterdrücker. So wie unsere Linken, die Alt-68er?

Mai 5, 2010

Die Immanenz der Kritik

Einsortiert unter: Medienlästereien, Splitter, Uncategorized, Unwürdige Themen — phorkyas @ 7:26 vormittags

Da hatte ich mich nur für eine kleine Stichelei bei FAZ.net angemeldet und schon ist das soziologische Experiment gescheitert. Das war schon zu viel. Dabei hat der Kommentator, dessen Einlassungen ich eigentlich nur loben wollte, doch eine viel treffsichere Spitze abgefeuert. Es ging um einen Artikel über Multitasking , der auch prompt wieder alle Vorurteile erfüllte. Einen “boris kotchoubey” nötigte es jedenfalls zu einer dreiteiligen Zerlegung des Artikels, bei der unter anderem auch schrieb: “Wozu also das Theater? Ganz einfach um das konservative Publikum zu bedienen, das vor Neuem immer eine panische Angst hat. Dieses Publikum hat Geld und Einfluss, und es werden in Massen pseudowissenschaftliche Argumente produziert, die diese Angst bestätigen und weiter schüren.” – Der Gegenangriff mag in Teilen (rhetorisch) nicht einfallsreicher als der Artikel sein (zunächst beginnt er damit dem Autor die Kompetenz abzustreiten, und ganz zu Ende folgt noch die Aushebelung all dieser technologiekritischer Reflexe á la Passig). Jedenfalls fand ich diese Einlassungen zwischen all dem “Das Internet/Google/Kaktus ist böse und heiß”-Schmock sehr erfrischend und wollte meiner Begeisterung Luft verschaffen:

@Boris Kotchoubey

Dieses Machwerk von Artikel, das ich mir nach dem Titel schon nicht mehr zu Gemüte führen wollte, verarbeiten Sie zu Kleinholz, dass es eine Freude für mich war. So etwas wünschte ich mir in gedruckter Form,
vielleicht als Leserbrief?

Warum müssen denn, wenn man den Zweifel (oder wahlweise auch die Unabhängigkeit, die kritische Reflexion usw.) bemüht, die Artikel so einfallslos-unkritisch geraten, als dienten sie dem Leser nur zur Bestätigung seiner wenig in Anspruch genommenen Denkfähigkeit?

…wird jedenfalls nicht veröffentlicht.

In der Zeit jedoch werden Publikumsbeschimpfungen veröffentlicht:
“Ich bin cool, ich war schon mit 14 im Berghain, ihr seid alle Wichser.”
Jetzt ist meine Zeit um. Ein bisschen kann die Frau Hegemann einem jedoch leid tun. Nur wer sich auf das Spiel mit der Authentizität einlässt hat schon verloren (selbst wenn sie darin besteht sie fortlaufend zu dekonstruieren). Spiel nicht mit den Schmuddelkindern von der Literaturkritik?

Edit: Eigentlich hätte es ein Artikel über die Unmöglichkeit der Kritik werden sollen (s. Titel). So wie der Fulgurator und Banksy mit dem Erfolg bei Publikum und Kritik die Zähne gezogen werden (so ähnlich, das ist eine meiner Liebliengsthesen, war es mit dem Nazarener, die frohe Botschaft, das Ende der Religion, ließ sich nur durch Religion entschärfen – na vielen Dank!). Ist eben leider alles dialektisch, mit der (System-)kritik (das hätte die Hegemann von ihrem Adorno doch auch schon wissen müssen). Das “Akklamationsproblem”, es ist ein zwiefaches: für den auf der Bühne, Textverfasser, der nicht zur Gedankenlosigkeit vereinnahmen darf und für den Rezipienten, der nicht zum (Gesinnungs-)Claqueur werden darf.

Die Titanic schaue ich mir dank Abo nun auch öfter an und ich habe mir schon beim ersten Heft die Frage gestellt, ob wer so dauerhaften Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen nimmt, dieses nicht letztlich bejaht (ohne die Information über diesen ganzen Blödsinn würde man die Witze ja nicht einmal verstehen).

Naja, Fuck the system, wenigstens nen bisschen, und so.

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