Lafcadios Loch

Go-Steine und nicht viel mehr

Kategorie: Blogverbot

Kondensierung

Das Problem, das ich habe auch nur einen meiner Sätze, gelten lassen zu können, liegt in einem Formwillen, einem Wunsch zu Objektivierbarkeit des Geschriebenen, die mich schon auf der Hälfte fast umkehren lassen und alles wieder ausstreichen lassen möchte, dergestalt, dass schon eine einfache e-mail mit drei Sätzen mich eine halbe Stunde kosten kann.

Und dann möchte ich es liegen lassen, das noch nicht Weggestrichene, und eindampfen und zusammenballen zu einem gewaltigen Satz oder Gedanken, aber wenn ich sie dann wieder aufschlage, die alten Fragmente, dann bleiben sie doch ungestalt und so vergurkt wie Blogeinträge.

Meeting the Macha

Eben war die Kneipe noch vollgestopft mit Fußballfans. Champions League. Der Platz der Go-Spieler ist direkt an dem Durchgang zum abgetrennten Rauchzimmer, an welchen auch die Küche grenzt. Während man also süffiges Bier hinunterstürzt und Steine aufs Brett setzt, strömt der wohlige Geruch deftiger Speisen vorbei. Wahrscheinlich hat sogar jede Kneipe ihren eigenen Geruch. Den Geruch dieser Kneipe verband er mit Go-Spielen. Stammgäste waren sie schon, bekamen ihr Weizen oder Pils und auch den Nachschub, ohne zu bestellen. Aber heute war wieder einer dieser Fußballtage. Die Hitze der umgebenden Leiber erschwerte die Konzentration und ab und an dann doch einen Blick auf den Fernseher, um den sich im Raum verdichtenden Spannungen und Entladungen nachzugehen. Elfmeter verschossen. Immer noch kein Tor. Und dann kurz vor Ende der Spielzeit doch noch die Erlösung: der Kneipenraum dröhnt vom Triumphschrei. Einer der Fans: “Boah, das ist echt noch geiler als Poppen.” Danach leert sich die Kneipe sehr schnell. Zwei Go-Spieler klammern sich noch an ihr Brett; endlose Analysen und werden dann irgendwann um zwei rausgekehrt werden müssen. Da entdeckte ich Bob in einer Ecke. Das Gesicht, alles abgespannt, gelöst. Vielleicht hatten die zehn Bier auch ihren Beitrag geleistet, jedenfalls schien die ganze Macha-Maske wie von ihm abgefallen. Der ganze stählerne Zwangsoptimismus und so ließ er sich auch richtig gehen:
“Phorky, weißt was das Problem ist an diesem ganzen Blogscheißdings? Nix ändert sich. Und am schlimmsten noch: man selbst auch nicht. Nicht das kleinste bisschen. Da hilft kein ‘Relaunch’, keine neue digitale Haut. Man bleibt doch der alte fluchende, verzweifelte Pessimist, dessen Tiraden ungehört verhallen…”
Langsam redete er sich in Rage.
“Und das schlimmste noch ist das Publikum! Diese neunmalklugen Brettspielfreunde, die mir dann meinen Blogozentrismus erklären. Und sie haben ja nur die besten Absichten und stecken sogar große Hoffnungen in einen. Ja, vielleicht wären sie wohl die einzigen drei, vier Leser, die sich auch die Gondeln aus Blei ans Bein binden ließen. Aber sehen sie denn nicht, wie diese Erwartungen, wie ihr Blick, ihr Bild von mir mich lähmen? Mir eine Neuerfindung gar unmöglich machen, weil es dann hieße: ‘Nein, das ist nicht Macha.’ Weil sie’s schon am besten wissen, wer dieser Macha ist. Ich hab’s echt satt…”
Und was sollte ich, der ihm nun auch noch diese Worte in den Mund legte, schon tun außer ihm auf die Schulter zu klopfen und langsam nach Hause zu staksen?

Das lange Interview zum kurzen Abschied (von il Dottore Schein)

André Müller: Interview mit einem Avatar

Beginnen wir mit dem Absterben der Blogs. Gerade morgen soll wieder eines aus Ihrem Blogroll deaktiviert werden. Ein Blogger mit dem Pseudonym Gregor Keuschnig meinte schon, er würde später als Letzter noch das Licht ausmachen.

Phorkyas: Ja, es scheinen teilweise schon Wellen der Blogmelancholie oder -tristesse durchs Netz zu schwappen. Einige Blogs haben dann nur noch tröpfelweise Beiträge bis sie ganz versiegen.

Ihre Postings sind ja auch fast eher sproradisch. Und mit dem Aussteigen haben Sie auch schon mehrfach geliebäugelt, wenn ich das richtig gelesen habe.

Phorkyas: Ja. Ich wollte schon Aussteigerprogramme initiieren. Eine Prämie für jeden Blogger, der aufhört und was Sinnvolles macht.

Bloggen ist nicht nur kostenlos, sondern meist auch völlig umsonst?

Phorkyas: Der Frust ist manchmal schon ziemlich groß. Ein Kollege brachte es auf den Punkt: Es fehlt das Publikum. Er fühle sich wie Thomas Gottschalk bei der ARD. Wie Harald Schmidt nach seiner Rückkehr zu SAT.1! Schreibende und Lesende sind meistens eins. Eine kleine Gruppe, eine Handvoll Leute. Während “draußen” irgendwelche Shitstorms über Sarah Kuttner fegen.

So etwas verfolgen Sie?

Phorkyas: Nein, ich kann mich dazu eigentlich nicht äußern. Da bin ich mehr Phänomenologe des Zeitgeistes oder whatever. Es ekelt mich auch geradezu an, wenn ich mich mit ins Kommentargewühl stürze und an mir selbst die gleichen Reiz-Reaktionsschemata feststelle, die gleichen Empfindlichkeiten und Selbstüberhebungen.

Womit wir vielleicht noch einmal zum Dottore Schein zurückkehren könnten. Glauben Sie, dass es bei ihm eine ähnliche Übersättigung, ein ähnlicher Ekel sein könnte, der das Abschalten seines Blogs hervorrief?

Phorkyas: So könnte man mutmaßen. Ich weiß es nicht. Irgendwann dreht man sich nur noch im Kreis in seinem digitalen Laufrad. Spuckt die gleichen Links und Assoziationsbruchstücke heraus. Vielleicht sollte ich da aber eher für mich selbst sprechen. Also das ist eines meiner Probleme. Hinter den kurzen Einwürfen des Dottore habe ich aber auch immer einen kritischen, widerspruchslustigen Geist gespürt. Unruhe, die ihn antreibt und dann vielleicht auch hinaustrieb aus unserer digitalen Wüste, in der dann bald nur noch die kybernetischen Maschinen miteinander sprechen werden.

Sie meinen, wenn Programme Artikel schreiben werden, auf Klickzahlen optimieren und Kommentare verfassen? – aber doch eigentlich dies das Traurige schon gar nicht mehr ist, sondern davor, wenn der Mensch sich schon zur behavouristischen Input-Output Black-Box degradiert hat, zum Datendurchschleuser.

Phorkyas: Exacto.

Nun, verlieren wir uns nicht zu sehr ins Allgemeine. Da sind noch andere Dinge, die ich gerne besprechen würde.

Phorkyas: So lange es nicht Ihre zerquälte Metaphysik ist. Gerne.

Nein, die nun gar nicht. Ich würde gerne über Sie sprechen.

Phorkyas: Ja, hmm. Da weiß ich nicht. Also ich bin 29, Absolvent einer sogenannten Elite-Uni, aber die Wirtschaft will mich nicht oder ich will sie nicht, hab ich noch nicht so richtig herausgefunden. Was wollen Sie noch mehr?.. Ich mag es nicht, wenn man mir so auf die Pelle rückt, wissen Sie.

Kann ich nur zu gut nachvollziehen, aber es geht auch nicht, darum private Details aus Ihnen herauszuquetschen. Bei Ihren Einträgen zum Konfliktfeld Religion und Wissenschaft sind Sie bei Kuhn auf dieses schöne Wort “Verheißung” gestoßen.

Phorkyas: Kommen Sie also doch wieder mit Metaphysik?

Warten Sie doch erst einmal ab. Kuhn behauptete, glaube ich, dass auch die Wissenschaften voll von diesen Verheißungen seien. Er bezog es z.B. auf die Verheißung neuer Daten. Ein neues Paradigma, das würde eben oft neue Messungen erlauben oder die alten neu interpretieren. Und man sieht das ja auch bei den großen Forschungsprogrammen, bei denen da das Blaue vom Himmel heruntergepredigt wird: Supraleiter bei Raumtemperatur, Quantencomputer als Desktoprechner. Dieser Fortschrittsglaube ist das nicht auch Verheißung?

Phorkyas: Ja, kann sein.

Und sind die meisten Dinge nicht genauso unrealitstisch oder fern wie das jüngste Gericht, das Jenseits?

Phorkyas: Naja, manches ist ja schon ein bisschen konkreter.

Ja, aber so etwas, wie das Energieproblem oder den Klimawandel. Die Welternährung usw. Diese Dinge wird man doch wohl kaum mit ein paar Differentialgleichungen oder Rechenclustern knacken.

Phorkyas: Und wie dann?

Na, wenn ich das wüsste dann säße ich nicht hier.

Phorkyas (lachend): Ja, die Geheimdienste hätten sich Ihrer schon angenommen.

Aber jetzt bin ich etwas abgekommen. “Verheißungen”.

Phorkyas: Ja, das Thema gefällt mir schon. Sonst hätte ich Ihnen wahrscheinlich die Eingebung auch nicht eingegeben. Der Mensch hält es wohl gar nicht aus ohne Verheißungen.

Genau. Schon diese kleinen Dinge, Symbole. Bei diesem Wetter: die Verheißung auf ein Eis oder kühles Bier. Während der Arbeitswoche: das Wochenende. Die Verheißung auf ein neues Internetspielzeuggerät, eine neue Software. Das mögen nur so kleine symbolische Aufladungen sein, aber die Etablierung, der wirtschaftliche Erfolg eines Produktes hängt wohl davon ab, dass sie für eine genügend große Anzahl von Leuten funktioniert.

Phorkyas: Sie sind ein wahrer Taschenphilosoph. Wollen Sie nicht dieses Blog hier übernehmen?

(lachend) Aber ich bin doch schon tot.

Phorkyas: Ja, schade.

Warten Sie ich muss das Tonband einmal wechseln.

Phorkyas: Da habe ich ja Glück gehabt. Da sage ich einmal etwas halbwegs Intelligentes und dann wird es durch einen Tonbandwechsel verschluckt.

Aber ich könnte es ja festhalten, indem ich es.. Nun habe ich es auch vergessen.

Phorkyas: Gerettet.

Sie meinen das ernst? Jedenfalls klingen Sie wirklich erleichtert.

Phorkyas: Ja, wissen Sie. Das gerade war nun nicht wirklich eine Leerstelle. Ich verstehe mich nicht darauf Luftlöcher in einen Text zu pieksen. Ich versuche die Ideen so zu umstellen, verfolgen, einzuhüllen bis sie sich ergeben.

Aber das was dann noch da ist, ist meistens nicht viel.

Phorkyas: Ne, die eigentliche Idee hat sich dann schon verflüchtigt. Aber ich finde das vollkommen in Ordnung. Das wäre ja sonst auch nicht auszuhalten. Eine Handvoll im Jahr oder Leben sollten schon reichen. Oder eine oder auch keine.

Nun fällt mir aber wieder eine meiner Fragen ein. Sie bezeichneten mich zuvor mal als einen zerquälten Metaphysiker. Könnte man mit einigem Recht nicht das gleiche von Ihnen sagen? Ich meine einige dieser Blogeinträge lesen sich doch schon so: Sie lehnen die meisten Metaphysiken oder Religionen ab, aber ebenso stark regen Sie sich über die scheinbar metaphysikfeindliche Haltung der Wissenschaften auf, oder nicht?

Phorkyas: Ja, so könnte man schon sagen. Da habe ich noch keinen Weg gefunden, werde ich wohl auch nicht. Ich bin ja kein Jesus oder dergleichen. Den Großinquisitor könnte ich noch geben vielleicht. Ja, ich habe mich so damit abgefunden, dass Gott abwesend, nichtexistent ist, dass ich ihn verleugnen müsste, würde er sich tatsächlich zeigen. Aber das ist ja auch sehr unwahrscheinlich. Manchmal sind da aber noch so religiöse Formeln wie Zaubersprüche in meinem Kopf. Z.B. dieses “aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund”. Und dann zu wissen, dass er nie dieses Wort sprechen wird, dass wir in diesem leeren Weltall, ewig ohne dieses Wort bleiben werden.

Dieses ausbleibende Wort, ist das auch die Leerstelle der Poesie, das Schweigen, das sie anstreben?

Phorkyas: Das weiß ich nicht. Aber manchmal möchte ich von diesen Wortreligionen statt einem Bildnisverbot ein Wortverbot fordern. Ich meine in tausend Engelszungen reden sie Verheißungen und gießen Beton in die Schädel, aber das eine Wort, das nur von Gott kommen kann, das haben sie auch nicht.

Wird das hier jetzt eine Predigt?

Phorkyas: Sie haben angefangen, Sie Metaphysiker.

Und die Frage doch nicht so recht herausbekommen.

Phorkyas: Sie sollten nicht weiter so sehr sich damit abmühen, in mein Hirn hineinzukriechen. Da ist nicht viel zu entdecken.

Sie meinen, es liegt schon alles offen. Hier im Netz. In den paar Worten?

Phorkyas: Nein, viel eher: Sie werden nur entdecken, was Sie hineinlegen wollen, was Sie interessiert, was Ihr Geist sich ausmalt.

Nein, das ist doch Unsinn. Dann käme doch nie etwas Neues, dann stünde doch jeder Geist ewig still.

Phorkyas: Ist das so abwegig?

Aber ich bereite mich doch vor. Ich lasse mich auf den anderen ein. Dadurch erfahre ich doch notwendig etwas Neues.

Phorkyas: Ja, aber er assimiliert doch nur. Er formt es um bis es sein Eigenes ist. Das wirklich Andere, das können wir doch kaum ertragen.

Aber das heißt doch nicht, dass es unmöglich ist, dass es nicht versucht werden kann. Warum versuchen Sie dann es nicht? – Das ist doch nur wieder eine Ihrer Lieblingsthesen, hinter denen Sie sich verkriechen.

Phorkyas: Weil’s hier so bequem ist? Ne, angenehm ist das hier nicht. Wissen Sie ich versuche nur eine Phänomenologie, möchte die Dinge in den Blick bekommen, ohne gleich in Wertungen, Beteiligtsein abzudriften. Mir ist alles fremd. Ich sehe die Menschen, ich sehe mich wie Larven unter dem Mikroskop. Dann sehe ich dieses Massenphänomen das unser Denken ist. So deformierbar. Wir denken, wir reden, wir kaufen wie alle anderen auch. Schauen Sie nur diese Nerdbrillen. Die sind doch falsch. Das widerspricht den Proportionen, dem Geschmack. Aber weil es gerade in den Köpfen spukt, dass es toll sei, ist es möglich. Sehen Sie ich gehöre zu dieser Generation, die gerade noch aufrührerisch genug ist, eine unpassende Brille anzuziehen.

Ah, das haben Sie wieder schön negativ gesagt. So kennt man Sie. Aber meinen Sie, Sie könnten nicht auch anders? Sie hocken hier in Ihrem digitalen Loch, wo es schon durch die Decke tropft und dabei wäre es an Ihnen, das mal ein bisschen aufzuhellen. Diese Form zu nutzen, sie auszufüllen.

Phorkyas: Womit denn?

Ja, was weiß ich. Die Möglichkeiten sind doch so groß, als schrieben Sie einen Roman.

Phorkyas: Ei, fangen Sie bloß nicht damit an. – Es wäre nämlich genauso frustrierend wie ein Roman, den keiner liest, und so ist es ja auch.

Ihren Blog liest keiner?

Phorkyas: Sagen wir, er hat eine sehr lokale Reichweite. Die Praxis, die jetzt doch noch geöffnet zu sein scheint, hat da wahrscheinlich schon etwas mehr.

Wech vom Web (wochenweise)

Jetzt! (2 Go Posts kommen aber noch)

Go-Regeln: Seki (Oder: How not to play Go with Phorky)

Eine der Regeln, die ich bisher glatt weg vergessen hatte, tauchte prompt in einer gestrigen Partie auf. Dieses mal sollte ich neun Steine Vorgabe geben und hab’s zweimal gründlich vermasselt, viel zu ruhig gespielt. Hier habe ich mich zudem auch noch grob vertan.

Seki - Phorky kackt ab.

Das Diagramm zeigt das Ausspiel der rechten, oberen Ecke. Ich dachte, wie mein Genger wohl auch, ich hätte die schwarze Gruppe am rechten Rand getötet: ich muss nur die drei äußeren Freiheiten A,B und C füllen und dann kann schwarz die drei Steine nicht fangen, weil das 3er-Auger tot wäre. Dummerweise muss er das aber gar nicht, sondern kann es einfach so stehen lassen: Um zu drohen seine Gruppe zu schlagen, muss ich eine der inneren Freiheiten bei D oder E besetzen. Dann aber kann er einfach die vier weißen Steine schlagen und hat ein lebendiges 4er-Auge!

Da in diesem Falle also keine Parteien auf D oder E spielen möchte, weil es negative Folgen für sie hätte (für Schwarz bedeutete es hier, dass seine Gruppe stirbt, für Weiß, dass Schwarz nun bedingungslos lebt) und nicht dazu gezwungen werden kann, wird die Spielsituation so belassen und die Steine in diesem Bereich werden zu neutralem Gebiet erklärt, zählen für die Wertung also nicht. Dies ist ein sogenanntes Seki. Für mich als Weißer hatte das jedoch verheerende Folgen: Die beiden Gruppen am oberen und rechten Rand sind nun nicht mehr verbunden und lebendig, sondern durch die Seki-Gruppe getrennt. Sie müssten nun einzeln um ihr Leben ringen. Die Partie konnte ich bereits abhaken.

Sein Grab in der Luft

Es liegt sich ganz luftig hier im Virtuellen. Und wenn jetzt noch Schweigen wäre und Leere es ließe sich wahrlich aushalten. Noch einen Kaffee, Doc?
Nein, danke. Ich habe heute noch eine Verabredung mit meiner Makita – ein paar Neubauten einstürzen.
Und Sie sind wirklich entschlossen nicht mehr zu praktizieren?
Sieht so aus. Soll’n die ihren Käse ohne mich verzapfen.
Rückkehr ausgeschlossen?
Ausgeschlossen.
Wunderbar. Vanillekipferl?
Diese, ja, sofort.
(zögernd) Ja, aber, was wird dann aus uns?
(summend zur Tür hinaus) Tja.

Augen – und ihre Größe, Form, Echtheit und Anzahl

In einem letzten Post hatte ich gesagt dass diese vier Eigenschaften der Augen über den Status einer Gruppe entscheiden.

Anzahl

Eine Gruppe, die mehr als ein Auge hat ist lebendig. Wenn ein Auge auf einen Punkt reduziert ist und alle äußeren Freiheiten besetzt sind, so tötet der in dem Bild markierte Stein (dieser darf gesetzt werden, obwohl er im Moment des Setzens eigentlich keine Freiheiten hat, aber nach Entfernen der fünf, acht sieben weißen Steine sehr wohl).
Weiß wird geschlagen

Anders ist die Situation wenn Weiß zuvor diesen Punkt besetzt hat. Sie hat nun zwei Augen und der markierte Stein kann nicht gespielt werden, weil er tatsächlich Selbstmord verüben würde: Weiß hat, selbst wenn er gespielt ist immer noch das andere Auge – da aber immer nur ein Stein gespielt werden kann, ist eine Gruppe, die mindestens zwei Augen hat lebendig.
Weiß lebt

Größe und Form

Die Größe eines Auges ist die Anzahl freier Schnittpunkte. Hat eine Gruppe nur ein größeres Auge, so wissen wir aus dem vorigen Abschnitt, dass die Gruppe nur dann überleben wird können, wenn es gelingt den Augenraum aufzuteilen. Bei dem vorliegenden Viererauge ist dies immer möglich, wegen einer Art Zwickmühle (im Go nennt man das miai): Spielt Schwarz auf A so kann Weiß B spielen und umgekehrt und so in beiden Fällen zwei Augen erreichen .
4er-Auge lebt

Das Viererauge ist auch ein erstes Beispiel dafür dass die Form des Auges entscheidend ist. Das folgende quadratische Viererauge ist tot. Um den Augenraum aufzuteilen müsste nun Weiß umgekehrt zwei Züge hintereinander tun dürfen: z.B. A und B spielen. Egal welchen der Züge sie jedoch versucht, so kann schwarz immer den anderen tun und die Gruppe so töten.

4er-Auge tot

(Das ist eine generelle Tendenz: klumpige Augen sind schwerer zu unterteilen, während dünne, lange Augenräume natürlich leichter zu trennen sind.)

Echtheit

Nach dem was wir bisher gesagt haben, sieht Weiß im folgenden Diagramm sehr lebendig aus. Zwei Augen bei A und B. Lebend, Fall abgeschlossen? Nein. Das Auge bei B ist ein unechtes. Sobald Schwarz einen Stein auf C stellt kann es den Stein rechts neben B schlagen. Danach hat Weiß nur noch ein Auge und ist tot.
Weiß hat ein unechtes Auge und stirbt

Phorky deflated

Phorkyas spielt Schwarz. Ging nicht gut aus.

Kommunikation

Communication

http://xkcd.com/1028/

Si tacuisses…

- Warum habe ich nicht geschwiegen.

- Nichtswürdiger. Wieso ergreifst du überhaupt den Stift? Krumm und krakelig sind deine Worte. Ungestalt.

- Ich weiß, in einer Ecke sollen sie für niemand sichtbar verrotten. Nur einer vielleicht der käme und in dieser Missbildung noch sehen könnte den Schrei.

- Den Schrei der Kreatur? Du schreist ja nicht. Deine fahrigen Gedanken, deine fahrigen Worte hasten, fliehen nur damit du nicht schreist. Sie sind das Papier nicht wert, das du beschmierst. Die Augen die daran entlanggehn, sie zu lesen. Stiel nicht ihre Zeit.

- Will ich nicht. Ich wäre gerne nur ein Punkt in der Ecke – ein Loch zu entschlüpfen.

- Wohin?

- Nur weg. Weg von mir selbst. Zu schweigen. Das ist es doch. Ich muss doch diese Worte nur machen, weil keiner die Balance, den Ton meines Schweigens trifft.

- Auch du nicht.

- Auch ich nicht.

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