Lafcadios Go-Ecke

Februar 28, 2012

Selbsbewusstsein, angekratztes

Einsortiert unter: Allzupersönliches — phorkyas @ 11:31 nachmittags

Mein erstes Go-Turnier war nicht sehr erfolgreich. So gerade noch durch Glück habe ich in der letzten Partie noch einen glücklichen Sieg abgestaubt, weil ich am Ende noch ein paar Steine fangen konnte und das Ding zu meinem eigenen Erstaunen noch so gerade eben gewann. Trotzdem ging ich dann mit zwei Niederlagen und einem Sieg nach Hause.

Und mit solch einem überragenden, stolzen Selbstbewusstsein spiele ich dann momentan auch: Hier sah ich schon all meine Felle davonschwimmen und gab verfrüht auf!

Phorky gibt auf!

Konstruktivismus anyone?

Einsortiert unter: Taschenphilosoph — phorkyas @ 5:34 nachmittags

Ja, reflektieren sie denn grad alle über Begriffe oder den Konstruktivismus?

Mete, Frau Torik, Kwaku Ananse und Tom-ate.

Irgendwie hatte ich das ja auch schon mal so ähnlich: der Mensch als Metaphernmaschine, in Narration, in Sprache erschaffen und bewältigen wir unsere Welt. Was mich daran stört ist ein gewisser Relativismus: Millionen, Milliarden Welten können da hervorgebracht werden, ohne zunächst in irgendeinem Bezug zu stehen. In meiner Welt könnte der Mond aus Käse sein, warum auch nicht?

Vielleicht ist es aber so ähnlich wie es sich in Metepsilonemas Entwurf andeutet: all die Welten sind nicht isoliert sondern im ständigen Kontakt, Umbruch, durch oder in Kommunikation. Manche Absurdität mag so verhindert werden.. andere Kollektivhalluzinationen mag es aber noch befördern.

Irgendwie jedenfalls bin ich vom Konstruktivismus wieder abgerückt. Vielleicht bin ich zu sehr Physiker oder gar Metaphysiker? Oje.

Alea Torik schreibt:

Die Bilder der Physiker – vom Universum und dem ganzen Rest – sind sehr schöne, in erster Linie allerdings poetische Bilder. Wir visualisieren die Umstände, um sie uns vorstellen zu können.

Wenn sich das z.B. auf die Bilder vom Hubble-Teleskop bezieht, so könnte ich hier jedoch einwerfen, dass da meines Wissens zunächst nichts manipuliert oder poetisiert ist: Die Bilder zeigen, was wir auch mit dem Augen sehen könnten, wäre nicht die störende Atmosphäre dazwischen und unsere Augen ein paar tausend Mal schärfer. (Allerdings steht da natürlich immer noch das Problem, diese Dimensionen zu fassen, was im bunten Bild zum Glück unter geht und wo wir dann uns mit den Zahlen behelfen müssen wie einst Archimedes mit seiner Sandzahl.)

Es ist schon so, dass ich auch Paradigmen oder Leitbilder wissenschaftlicher Forschung mitunter als Metaphern sehe. Und auch Begriffe, die wir als wissenschaftlich klar und eindeutig wähnen, sind in Wahrheit vielleicht auch mit fransigen Rändern oder gar nicht so klar definiert wie wir denken, aber wir haben mit der Zeit gelernt sehr effektiv damit zu operieren (z.B. Kraftbegriff, Energie, etc.) – Aus dieser Praxis stammt dann auch vermutlich ein Art Realismus, von dem ich annehme, dass die meisten Physiker ihm anhängen: Da wird dann eben nicht mehr unterschieden zwischen Modell und Realität. Es ist ja auch wahnsinnig umständlich zu sagen: “Wir können gewisse Eigenschaften eines Festkörpers gut dadurch beschreiben, dass wir annehmen, in ihm befände sich ein Gas von freien Elektronen” – Gewisse Modelle, Vorstellungen von Materie sind so gut etabliert, dass wir diese Klammer “Es ist nur ein Modell” weglassen. Wir bestehen aus Elektronen und Nukleonen. Punkt.

[Und selbst wenn es nur Modelle nur Annäherungen gibt. Was sind das dann für Modelle wovon bzw. Annäherungen woran?]

Februar 12, 2012

Die Zauderer

Einsortiert unter: Allzupersönliches, Polemik — phorkyas @ 8:27 nachmittags

In der Führerscheinprüfung ging gleich das erste Wendemanöver fehl. Darauf hatte der Prüfer mich richtig auf’m Kieker. Verlängerte die Prüfung, um alles zu machen. Das Einparken setzte ich völlig in den Sand, fuhr sonst wohl ganz vernünftig, was mich auch rettete, war aber vor Nervösität schon nah am Zusammenbruch; und er?
Regte sich über unsere verweichlichte Generation auf. Sie hätten noch Züge gefahren mit 200 Leuten drin, alles kein Problem. Macher, Entscheider. Die jungen Leute aber: Verantwortung?

Daran fühle ich mich nun ein bisschen erinnert. Ein Freund sucht einen Nach/-Mitmieter für eine WG und die Leute können sich alle nicht entscheiden. Vier Leuten hat er schon zugesagt. Die aber müssen noch einmal drüber schlafen, sich ein Hintertürchen offenhalten, nur keine Verpflichtung, keine verbindliche Zusage. Drei sind schon wieder abgesprungen. Ist das meine Generation der Zauderer, bin ich auch so?

Spiel und Sprache

Einsortiert unter: Taschenphilosoph — phorkyas @ 12:42 vormittags

Die Begeisterung für das Go-Spiel hält an. Zwar bin ich immer noch genauso ein Stümper wie beim Schach, aber darum war es mir ja auch nicht gegangen. Es interessierte mich vielmehr die Spielphilosophie. Der Kampf der Parteien wurde da gar mit dem Gleichgewicht von Ying und Yang verglichen. Solche Dinge machten mich beim Schach schon skeptisch: Übertragungen auf das Leben oder den Charakter der Spieler. Dass es da ruhigere, positionellere Spieler gebe und aggressiv-angriffslustige. Aber wir Menschen sehen es fast zwangsläufig so: wir unterstellen einzelnen Zügen immer einen Sinn, einen Plan und sehen so in ihnen manchmal sogar noch mehr; eine Art, einen Charakterzug. Und so wird das Spiel z.B. bei solchen “Meisterpartien” dann oft stilisiert zum Kampf verschiedener Temparamente und Genies.

Was passiert nun wenn der Gegner eine Maschine ist, die ihre Züge nur kalkuliert? Hat deren Spiel überhaupt noch einen Sinn oder sollten wir ihn zumindest unterstellen? Die Spielweise der Menschen ist doch so: dass sich ein Wissens- und Begriffsschatz ansammelt und dass man von einem Schüler sagt, er habe das Spiel begriffen, wenn er mit diesen Instrumenten eigenständig arbeitend sinnvolle Züge tut. Beim Schach lernt man dann z.B. nach den Erlernen der Regeln so etwas wie das Besetzen von offenen Linien, Freibauern, Gabeln usw. kennen. Wenn das Schachprogramm die Steine so führt, als habe es diese Begriffe zu meistern gelernt, könnte man dann davon reden, dass es sie ebenso begriffe? [Mentale Notiz: Die Grundfrage, die hier liegt ist vielleicht: Lässt sich das ganze menschliche Denken auf logisch-symbolische Prozesse abbilden? Ließe es sich auch auf eine Turing-Maschine transferieren?]

Damit wollte ich insbesondere die Bedeutung der Sprache für die menschliche Erkenntnis betonen. Wir bilden Begriffe und erst durch diese sehen wir die Dinge, können sie begreifen. Aber reicht das zur Begründung, dass das Spiel der Maschinen etwas ganz anderes sei als das der Menschen? Wieviel wissen wir denn von unserem eigenen Spiel? Vielleicht laufen in unserem Hirn ja auch nur algorithmenähnliche Prozesse und die Begriffe sind lediglich nachgeschaltete Rationalisierungen, dessen was unser Neuronengefeuer da fabrizierte?

Februar 9, 2012

Schönheit, mathematische

Einsortiert unter: Formeln — phorkyas @ 8:12 nachmittags

Zeta-Funktion
(wikipedia)

Dieses Blog soll bunter werden…

Wobei wirklich schön ist ja dann eigentlich erst:

schöne Formel
(wikipedia)

Februar 6, 2012

Fortschritt

Einsortiert unter: Uncategorized — phorkyas @ 8:29 vormittags

Am Fortschrittsgedanken arbeite ich mich nun schon regelmäßig ab ohne fortzuschreiten. Nun kam die Frage, ob als Naturwisschenschaftler ich diese Kritik ernst meinen könne. Oh ja, es ist mir sehr ernst damit. Vielleicht dazu eine kleine Geschichte.

Ich hatte einmal das Vergnügen einem Vortrag des Leiters einer größeren Forschungseinrichtung zu lauschen. Der Eindruck war verheerend. Der Mann zeigte stolz die Riesenzahlen seines Etats, und bildete unaufhörlich Sätze mit Innovation, Spitzenforschung. Höhepunkt des Vortrages war für mich aber das “grüne Rechnen”. Ich habe mal gehört, dass größere Rechencluster in einem Jahr ihre Anschaffungskosten in Energie verbraten. So sparsam ist das also nicht, trotzdem zeigte der uns also seine Folie mit den saftig, grünen Wiesen – es muss ja alles umweltfreundlich sein.

Kann man es mir da verübeln, dass ich auch die Rede vom Fortschritt für substanzlose Werbung, für Forschungsmitteleintreiberei halte, in einer Zeit in der wissenschaftliche Qualität nur über Zitierindex (H-Faktor) gemessen wird? Muss man da nicht angesichts dieses Wissenschaftsbetriebs sogar die Parallele ziehen zwischen Jan Hendrik Schön und Herrn Guttenberg, als Sinnbild für die krankhaften Strukturen von Politik und Wissenschaft, (die in Wenzel Strapinski den polnischen Grafen sehen wollen und ihn in diese Rolle drängen).

Nun ganz richtig; diese Wut ist enttäuschte Liebe. Meine Prägung, mein Verständnis von Wissenschaft ist dieser erkenntniseherne Ethos wie ihn mir die Biographie von Madame Curie einimpfte. Dieser vertraute Ton, den ich auch bei Hermann Broch vernehme. Alles in den Dienst von Forschung und Erkenntnis. Natürlich schreitet die Erkenntnis dann auch fort, aber nicht mit den marktschreierischen Moden, “Hot-topics”, sondern still und leise mit Herrn Perelmann. Ja, das sind viel mehr meine Helden; wie vielleicht auch Boltzmann oder Cantor.

Februar 5, 2012

Spiel, Spaß, Spannung

Einsortiert unter: Taschenphilosoph — phorkyas @ 12:28 vormittags

Der Mensch spielt nur, wo
er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist,
und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Schiller

Es gibt etwas, das mir höchst zuwider ist, und das ich auch bei Kant schon nicht abhaben konnte: Fortschrittsdenken. Warum soll es immer besser, schneller, vollkommener werden? Dafür sehe ich einfach kein Gesetz, keine Notwendigkeit. Die Natur kreist ewig und mag immer abgefahrenere, unglaublichere Kreaturen hervorbringen, eine Notwendigkeit Lebewesen mit Intelligenz oder gar Bewusstsein auszustatten sehe ich aber nicht. Oder gar, dass die Naturgesetze so beschaffen sein sollten, dass sie dies begünstigten, damit irgendwo auf irgendeinem Planeten ein Wesen hockt, dass sich als Krone der Schöpfung dünkt, weil es den Geist verliehen bekam, die ganze Schönheit der Welt zu erschauen, einer Welt, die ohne diesen Geist ganz leer und sinnlos wäre. Das erscheint mir absurd.

Aber zurück zum Fortschrittsdenken.(Standard-Polemik) Auf den Geist angewendet bedeutet er: Vervollkommnung, immer größere Klarheit, (Selbst-)Erkenntnis. Gerade auch der Wissenschaft scheint er so fest eingeschrieben, dass er in Mark und Bein übergegangen ist. Unaufhörlich werden alle Geheimnisse der Natur entrissen, alles beobachtet, vermessen, bestimmt.

Auch in der Mystik bzw. Spielen, die mystische Erkenntnis symbolisieren, gibt ebenfalls diesen Fortschrittsgedanken dargestellt durch Leitern.

Das Spiel wurzelt im rituellen, mythisch-religiösen. Überbleibsel davon lassen sich vielleicht selbst heute noch in den profanen Sport-Events ausmachen (oder liegt das nur an unserer Tendenz Dinge zu überhöhen also auch einem solchen Ereignis eine übertriebene Bedeutung beizumessen). Auch heute noch findet Sport an einer bestimmten Stätte mit bestimmten Regeln statt – der Alltag ist außer kraft, weil für die Zeit, die man den Sport betreibt oder ihm zusieht, nur die gesetzten Regeln zählen. Rituelles wie den Bundesliga-Abend oder den Super-Bowl, etc. gibt es dabei immer noch, freilich nun profan, wie auch der Status, der dem Ort zugemessen wird nicht mehr geheiligten Charakter hat, selbst wenn man noch vom geheiligten Grün spricht und bei einem Aufstieg die Fans Teile des Rasens zu Reliquien werden lassen.

Spiel als Metapher
Spiel des Lebens

PS. Bleibt leider bis heut abend auch noch Fragment. Sorry..

Februar 1, 2012

Schönheit

Einsortiert unter: Uncategorized — phorkyas @ 7:19 nachmittags

Kalte, erstarrte Gesichter blicken in die Ferne. Da steigt jemand in den Bus; sie kennt ihn. Sie mag ihn, das zeigt ihr lächelbereiter Ausdruck, der zu ihm hinstrebt. Und er muss es nur bestätigen, etwas erzählen, ihr Beachtung schenken, damit sie lächeln kann. Er tut es und etwas Schönes und Warmes huscht über ihre Gesichter.

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