Lafcadios Loch

Go-Steine und nicht viel mehr

Monat: Dezember, 2011

Normierung und der Fetisch der Zahl (III)

III) Wat is en Zahl?

Der erste Beitrag dieser Reihe sollte den Blick schärfen für den genauen und peniblen Umgang mit Zahlen bzw. Messwerten, während im zweiten schon der Übergang zu einer möglichen Kritik begonnen wurde, indem das Komplexitätsreduzierende der Zahl problematisiert wurde. Vielleicht ist hier eine noch weitwinkligere Perspektive nötig, wie sie zu Anfang mit dem Bezug auf die Herbst’sche Ästhetik angedeutet wurde: So könnte man auf die Idee verfallen, dass es heute eine Vorherrschaft der Zahl, des bloß Messbaren gibt. Ein stumpfes Klammern an die Ziffern, die nicht mehr selbst poetisch geladen, wie bei den Pythagoräern oder bei Kepler, wo sie noch Träger der sphärischen Harmonie. Haben wir nun nur noch die säkulärisierte Zahl oder gab es doch religiöse Schauer, wenn Steve Jobs die neueste Rekord-Bilanz präsentierte? Muss denn das Poetische bei dem gerade die Leerstellen zählen(!), das Nicht-Messbar-Inkommensurable überhaupt gegen das rein Faktische in Position gebracht werden? Oder ist dieses Unbehagen gegen die Technik, den Fortschritt, die Aufklärung, das uns schon Jahrhunderte begleitet, ist das letztlich nur eine Chimäre? Wenn dieses Jahr sogar der Physik-Nobelpreis dafür verliehen wurde, dass Forscher uns in Kenntnis setzten, dass wir über 95% des Universums in völliger Unkenntnis sind, sollen wir dann überhaupt noch Angst vor dem Einengenden der reinen Fakten haben? Ist dann der Hirsch dem Index nicht schon längst entsprungen:
Blogdynamische Sprengung des Hirsch-Index durch Dr. Schein
(freundlichst zur Verwendung freigegeben von Dottore Schein)

“Es ist ein Hirsch entsprungen” -
In diesem Sinne wünsche ich allen verstreut hier Lesenden ein befreites und entspanntes Fest!

Darüber was eine Zahl ist — und ob diese unabhängig vom Zählen, Rechnen überhaupt existiert — muss ich wohl später noch schreiben (da ich es auch einfach nicht weiß).

Normierung und der Fetisch der Zahl (II)

II) Die Zahl als Komplexitätsreduzierung

Nicht nur Wissenschaftler lieben Zahlen auch mancher Politiker, Werbestratege setzt sie gerne ein. Sie suggerieren Objektivität. Die nackte Zahl sollte ja so herauskommen, wie sie ist – daran ist nichts zu drehen. Ein anderer wichtiger Punkt ist meiner Ansicht nach aber auch, dass sie erheblich zur Komplexitätsreduzierung verwendet werden können. Z.B. kann man dann die Qualität eines Wissenschaftler ganz einfach “messen”, indem man dessen Hirsch-Index ermittelt, anstatt mühsam die betreffenden Veröffentlichungen zu studieren oder Leute in dessen Fachgebiet zu fragen. Das ist sehr einfach und bequem.

Normierung und der Fetisch der Zahl

I) Eine Zahl ist eine Zahl

Eines der Kampfthemen des Herrn der Dschungel ist die Normierung, nicht nur von Sprache.

Dabei dachte ich auch gleich an die mathematischen Definition einer Norm. – Die Axiome musste ich auch nachschlagen – Aber das Wichtigste ist es den Objekten des (Vektor-)raumes ein Maß, eine Zahl zuzuordnen. Eine der Grundfrage wird so wohl sein, wie es denn zu bewerten(!!) ist, wenn wir nun Lebewesen “normieren” bzw. sie in einem einfachen Zahlschema evaluieren.

Bevor wir jedoch überhaupt auf solche Fragen kommen, möchte ich auf den Gebrauch von Messwerten zu sprechen kommen, wie es sich für empirische Wissenschaften geziemte. Zum Einstieg ein Beispiel aus der Ökonometrie, die alles ad absurdum führt:

Konsumklimaindex bleibt stabil

Das Konsumklima in Deutschland bleibt stabil. Wie das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg mitteilte, lag der betreffende Index im Dezember bei 5,6 Punkten.

Quelle: http://www.dradio.de/nachrichten/201112201000/8

Nun mag es sehr konservativ sein, was man dazu in Physikpraktika eingebleut bekommt, aber hier hilft es vielleicht:
1) Ein Messwert ohne Einheiten ist sinnlos (allein weil der nackte Wert schon von der Wahl des Einheitensystems abhängt – meist zeigt die Einheit auch schon, um welche Größe es sich überhaupt handelt).
In obigem Beispiel sollte also gefragt werden, in welchen Einheiten das Konsumklima gemessen wird. Handelt es sich etwa um 5.6 verbrauchte Klopapierrollen pro Einwohner pro Monat? Wir erfahren nicht, wie dieser Konsumklimaindex überhaupt gebildet wird, was er misst. Die Information ist also ziemlich wertlos. Bei Physikern steht dann manchmal noch a.u. für “arbitrary units” an solchen Kurven, deren Informationsgehalt ohnehin eher illustrativ ist und lediglich irgendwelche groben Trends zeigen kann. Aber selbst dieser “Informationsgehalt” wird hier nur suggeriert, weil die Vergleichswerte, aus anderen Jahren oder Monaten nicht genannt werden, lediglich behauptet wird, dass der Wert stabil sei.
2) Ein Messwert ohne Fehler ist kein Messwert. Oft wird dagegen verstoßen und auch ich habe es oft genug. Aber strenggenommen ist diese Information über den Messwert unerlässlich, weil erst über ihn klar wird, wie verlässlich er ist. Ein Unterschied oder Diskrepanz zwischen zwei Messungen kann so zum Beispiel nur festgestellt werden, wenn sich die Werte um mehr als die veranschlagten Fehler unterscheiden. (Absurd finde ich immer solche Kriminalstatistiken, die nur von einer Handvoll von Fällen handeln, bei denen die Schwankungen der Werte naturgemäß fast so groß sein könnten, wie die Werte selbst aber Rückgänge oder Abweichungen von einigen Prozent schon ursächlich irgendeiner Politik zugeschrieben werden.)

Ende des Präludiums I, welches hoffentlich so illustriert, wie sorgfältig mit Zahlen umgegangen werden sollte, bzw. wie skeptisch man sein sollte, wenn einem einfach eine 5.6 an den Kopf geknallt wird.

_______________________

PS. Mir ist schon bewusst, dass es in einer Drei-Sätze-Nachricht nicht unterzubringen ist, wie dieser Index funktioniert. Ich habe es auch noch immer nicht hundertprozentig verstanden bzw. finde es äußerst vage, so dass ich meine Klopapierrollenpolemik auch nicht zurücknehmen werde.

Die Muhdose

Seine Stimme war die einer Muhdose. Immer und immer wieder kippte er die Dose. Immer und immer wieder erklang der gleiche, triste Laut. Eines Tages aber als auf einem Hügel ihm die Dose entglitt, und sie muhend herunterpolterte und knapp am Abgrund erst zum Liegen kam, fand sie seine Stimme. Klar und deutlich sprach sie.

F*** you all!

Erste Bilanz:
11 Bewerbungen
4 Einladungen zu Vorstellungsgesprächen
1 Absage

2 Vorstellungsgespräche
1 Absage

(Die Leute haben nicht einmal den Anstand, Aufrichtigkeit, Mut für ein einfaches Nein)

Prophylaktisch arbeitssuchend melden wie dies vorgeschrieben ist?
Die Agentur für Arbeit schickt mir Unterlagen, die am gleichen Tag noch von mir und vom Arbeitgeber ausgefüllt abgegeben werden sollten und einen “Vorladungstermin” mitten in der Arbeitszeit. Warum soll ich mich von einer Behörde gängeln lassen, die nicht einmal einfache, unqualifizierte Tätigkeiten vermitteln kann, geschweige denn Berufe für Akademiker, deren einzige, eigene Qualifikation also im Gängeln besteht?

Merkwürdig: Jetzt in dieser Wut finde ich endlich mein Gleichgewicht wieder, bin ich völlig ruhig –

Medien-/Menschenlogik

Nur zur oberflächlichen Unterhaltung. Vergleichen Sie die beiden folgenden Beiträge (überfliegen reicht):
Weihnachtfilmkritik
Weihnachtsfilmauswahl

Und nun diese:
Ehrenkodexforderung
Schwalbenpladoyer

Journalisten sollte man nicht mit der Aufgabe betrauen, ein System der Logik zu entwerfen, dieses wäre mit Sicherheit nicht widerspruchsfrei.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!

Liebe “WELT”,

was musste ich da heute morgen in der Presseschau aus Ihrem Munde vernehemen?

[Die Salafisten] wären nach den Muslimbrüdern, deren Ausrichtung gemessen an den Grundsätzen der Salafisten tatsächlich als gemäßigt gelten muss, zweitstärkste politische Kraft. Wollen die Ägypter das?

Die CDU hat die Wahl gewonnen. Wollen die Leute das? Nein, das kann doch nicht ihr Ernst sein. Und dabei dachte ich immer es sei ein Privileg der Marxisten oder Leninisten besser als das eigene Volk zu wissen was es will.

In ihrer Mehrheit wohl kaum. Die besorgniserregenden Wahlergebnisse zeigen, dass die Menschen sich offenbar wenig um politische Programmatik und Ideologie kümmern.

Die Mehrheit, die diese wählt, ist also nicht die Mehrheit? Und diese falsche Mehrheit, die also die Falschen wählt kann diese unmöglich wegen ihrer falschen Programmatik und Ideologie gewählt haben, weil diese ja falsch ist.

Sie haben diejenigen gewählt, die aus ihrer Mitte kommen, die mit Geld, Geschenken und Hilfe die Notleidenden unterstützt haben. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!”,

Zum Glück kommt hier kein Christ mehr auf die Idee die Bergpredigt ernst zu nehmen oder wüsste überhaupt noch was Almosen sind.

Ihr Kronenbrot will gar nicht essen,
Phorkyas

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.