[Pēteris Vasks String Quartet No.4, Chianti viel zu süß]
(I)
- Bah, Phorkyas, was soll denn das Kultur-Gedöns da oben.
- Na, bei dieser Musik merkt man das religiöse Gepräge geradezu. Und das wäre doch als Einstieg ein guter Kontrast zu deiner Ästhetik, in der es keinen Himmel geben darf.
- Nein, das ist ja Unsinn.
- Ich weiß, gleich schon fange ich wieder mit solchen Unterstellungen an. Dabei ist es ja nur Konsequenz. Der Roman sagt es ja explizit von sich selbst: er darf nicht schön sein, nicht gelungen. Er muss immer so wirr und mosaikhaft aussehen, als hätten tatsächlich alle in dem Roman vorkommenden Texter daran rumgewerkelt.
- Natürlich ein Meta-Roman. Das zeigt doch schon der Klappentext.
- Meta-Roman. Wäre das hier so eine Spießer-Kultursendung und hätte ich so Karteikärtchen mit Stichworten so wäre das der Punkt fürs Namedropping: Gides “Falschmünzer”, “Meister und Margarita”.
- Ich weiß, die beiden verehrst du sehr. Und vermutlich müsstest du nun mit aller Energie zeigen, warum sich meine abgesoffenen Gondeln aus Blei, pardon Hohlkörper, nicht mit solchen Meisterwerken vergleichen ließen. Weil’s so abtörnend ist, weil’s sich partout nicht hochschwingen will zu irgendetwas Höherem, und sei es nur einer Ganzheit, Form, Symmetrie.
- Diese Weigerung, ich verstehe sie ja. Vielleicht ist sie schon erzwungen diese Form der Formlosigkeit. Aber ich bin einfach kein Freund der Realität, der Kakophonie des Alltags.
- Und du fragst dich, warum du dir jetzt auch noch in Romanform geben sollst, wenn die Katharsis ausbleibt.
- Die du für eine Lüge hälst.
- Nein, nicht Lüge. Aber Flucht. Die Erlösungen sind ja nun auch gut vermarktet und erfasst. Feste Labels, die man sich irgendwo hinpappen kann.
- Ich bin ratlos.
- Deshalb solltest du besser schweigen.
(II)
Wirre Gesprächsfetzen wie unter (I) flackerten nun schon desöfteren durch dieses Blog, wenn die blogozentrische Motte von innen an meine Bildschirmwand flatterte.
[Glas leer.]
(III)
- Nun lenk nicht ab. Du wolltest doch den Roman “Hohlkörper” rezensieren.
- Tu ich doch. Tu ich doch.
- Muss ich dir schon wieder helfen: Die Hohlkörper sind dir schon ein paradigmatischer Begriff geworden für die Leere unseres Alltags. Und dir widerstrebt es, dass es offenbar keine Möglichkeit geben soll diese Körper zu befüllen.
- Ja, das is’ mir zu postmodern oder was auch immer. Ich mein: Klar, wenn man alles Kulturelle nur als Codes und Labels betrachtet, dann kann keine Kunst ein befriedigendes, erfüllendes Erlebnis herbeiführen, dann bleiben nur bunte Werbebanner, die Hohlkörper zu bekleben.
- Ach, oder hast du nur Angst deine eigene Hohlheit festzustellen?
- Mit der hab ich keine Problem.
- Sicher?
- Ja, ich finde es eher beunruhigend, wie dieser Hohlkörper da ziellos schwimmt. Keinen Arschimedischer Punkt.
- Kein trigonometischer Punkt.
- Nur das Treiben, Driften.
- Du bist doch Taoist.
- Na, wär ich’s mal. Aber ich bin offensichtlich keiner dieser Mönche, die über den Go-Brettern levitieren.
[Blogo sieht lächelnd zu, wie der deprimierte Phorkyas zum Go-Brett kriecht und die Steine mühsam, nicht mehr ganz koordiniert auf das Brett verstreut. Phorkyas Bewegungen sind sehr langsam, plötzlich muss er laut lachen, er steigt in seinen Raumanzug: "Hey Blogo, kommste mit nach Melancholia?"]
[...] beknackt aus? Ich will Ihnen aber ein Geheimnis verraten. Es ist ja gar kein Roman. Es ist, wie Sie ganz richtig sagen, ein Metaroman, ein Roman über das Nichtzustandekommen eines Romans. Und zwar kommt für mich, [...]
Pingback von Text, entstanden bei dem Versuch, ganz blogozentrisch-hohlkörperisch die Kritik einer Kritik zu verfehlen « blogozentriker. — November 5, 2011 @ 10:59 am
Ich weiß nicht, ob Du mal darüber gestolpert bist, bei mir kam nach dem Lesen das heraus (“Besprechung, Rezension”).
Kommentar von metepsilonema — November 5, 2011 @ 5:03 pm
Ok, bist du.
[Unglaublich selbstreferentiell, fällt mir gerade auf!]
Kommentar von metepsilonema — November 5, 2011 @ 5:15 pm
Ja, eure Diskussionen habe ich schon rezipiert(; – Allerdings die Quellenangabe vergessen.
[Ja, das ist schon echt blogozentrisch eingerichtet, dass unsere Rezensionen nun auch um sich selbst kreisen..]
Kommentar von phorkyas — November 5, 2011 @ 5:23 pm
Danke für den Musiktipp. Von Vasks hatte ich bisher noch nie was gehört. Überzeugt mich auch noch nicht 100%ig, aber anhörbar ist’s in jedem Fall.
Kommentar von der blinde Hund — November 5, 2011 @ 7:25 pm
Muss man “Hohlkörper” gelesen haben? Oder macht der sogar Spaß beim lesen?
Kommentar von tom-ate — November 10, 2011 @ 8:16 pm
‘Spaß’, ist wohl das falsche Wort. Wahrscheinlich würde der Autor sich sogar missverstanden fühlen, wenn du dich beim Lesen nicht ein wenig aufregst oder selbst anfängst darüber nachzudenken, wie man das eigentlich schreiben müsste, s. z.B. hier: http://metepsilonema.wordpress.com/2010/05/23/robert-mattheis-hohlkorper-ein-roman-aus-der-medienwelt/
Eine Kaufempfehlung? – Wenn du so willst.
Kommentar von phorkyas — November 10, 2011 @ 8:30 pm
…also, dann kauf ich den Hohlkörper. Aufregen tue ich mich ja gerne…
Kommentar von tom-ate — November 10, 2011 @ 8:39 pm
Nur versprechen kann und will ich da nix, dazu is die Wechselwirkung mit Literatur einfach zu nichtlinear…
Kommentar von phorkyas — November 10, 2011 @ 10:01 pm
…Und du musst natürlich damit rechnen in ein blogozentrisches Universum eingebunden zu werden, wie es dir auch jetzt schon zuteil wurde:
http://blogozentriker.wordpress.com/2011/11/11/die-einzig-richtige-art-die-hohlkorper-zu-kaufen/
Kommentar von Phorkyas — November 11, 2011 @ 11:31 am
Das hat man nun davon. Will man mal ein schönes Bücherl kaufen gehen. HOHLKÖRPER, vielleicht füll ich den ab mit… hm fällt mir schon noch was ein.
Kommentar von tom-ate — November 12, 2011 @ 8:28 am
Himbeersirup. – An die Scherereien gewöhnt man sich.
Kommentar von phorkyas — November 12, 2011 @ 3:37 pm
Jetzt hab ich ihn. Ein bisschen schmal wirkt er schon, dieser Hohlkörper. Ob da Himbeersirup reinpasst?
Kommentar von tom-ate — November 17, 2011 @ 8:04 am
Schmal? Ich werd wohl nie “Romane” schreiben, die über 200 Seiten hinausreichen. Aber man kann natürlich die Zeilen ein bisschen auf Abstand setzten und die Seiten noch weniger befüllen, dickres Papier wählen und schon sieht’s wie’n rechter Roman aus, in den man auch ordentlich was reingießen könnt.
Kommentar von phorkyas — November 17, 2011 @ 10:39 pm
[...] auf die verzweifelte Suche nach Hypersensibilität), trat er nur durch das Verfassen des Romans HOHLKÖRPER in Erscheinung. Warum Macha sich bei der Veröffentlichung eines so komplizierten Pseudonyms wie [...]
Pingback von Was Wikipedia über Bob Macha weiß: « blogozentriker. — November 30, 2011 @ 2:49 pm