Lafcadios Loch

Go-Steine und nicht viel mehr

Monat: Juli, 2011

Ich bin ein Zombie

[..] wenn Sie sich von der Angst freimachen – einer Angst, die gar nicht auf die Kunst beschränkt ist, aber die an der Kunst sich gewissermaßen kristallisiert -, daß durch die Tatsache des Bewußtwerdens das, was einem dabei bewußt wird, zerstört wird, daß es bewußt wird [..]

Adorno “Ästhetik (1958/59)”

Nun beziehe man dies auf unser Bewußtsein selbst, et voilà: der zombic hunch? – Von welchem Daniel Dennett uns kurieren möchte. Ja, diese Erkenntnis stieg schon in mir hinauf, als ich Metzingers Einführung in die Philosophie des Geistes las, dass diese ganze Kampfrhetorik, die Qualia und Gedankenexperimente mit denen man sich gegen die wissenschaftliche Restloserklärung unseres Bewusstseins wendet eben genau einer solchen Angst entspringt. Dass uns dann nichts Eigenes mehr bliebe, die objektiv erklärende Wissenschaft dann auch die letzten Winkel in uns ausleuchtete (das darf einfach nicht sein). Nun habe ich diese Angst so gut wie abgelegt. Vielleicht ist mir grad auch alles egal, vielleicht sind wir alle philosophische Zombies oder nur mein Nachbar, der immer seinen Aggro-Hip-Hop hört, und meine Seele, von der wir nicht mehr sprechen; wie Hofstaedter fragt:

Is the soul more than the hum of its part?

(Wie hätte der Seelensucher sie dann auch finden können?)

Schreiben

Sie hockten da in der versifftesten und schummrigsten Ecke; Mete, Blogo und der stinkende Alte, namens Phorky, der gerade erregt seinen zerrissenen Umhang zurechtzupfte:
So ein Blödsinn. Mögliche Welten. Der beschwingte Flug der Phantasie. Das als, als ob.. (Bei den letzten Worten zuckte seine Hand vor Erregung unkontrolliert hin und her und hätte fast die Bierkrüge umgeschmissen.)
Jetzt beruhig dich mal, Alter. Was ist’s denn, was dir daran so stinkt?
Mag ja angehen, dass es das Ergebnis all dieser endlosen Bemühen ist, dass dann eine neue Welt, ein neues Atlantis aus der Tiefe ersteht. Aber.. das weiß man vorher doch noch gar nicht.
Du meinst ich unterschlage, den steinigen Weg dorthin. Die ganzen verkrüppelten Schutthalden, die nie etwas wurden, den überquellenden Papierkorb – den Schweiß, warf der Grieche ein.
Nicht nur. Der Moment der Schöpfung, das ist doch kein Spaß. Die Worte die man da mühsam gebiert, sie kommen im Zwang. Sie müssen mich zwingen, so und nicht anders gesagt zu werden, notwendig.
Ach, was soll denn diese olle Schmerzstilisierung wieder. Schmerzen habe ich auch. (Dabei deutete Blog auf seinen Arm, der behelfsmäßig mit Papier drapiert war, welches das inzwischen getrocknete Blut aber nur ungenügend aufgenommen hatte.)
Weiß ich auch nicht. Ich will nur sagen, dass, wenn der Zwang nicht kommt, keine Inspiration, dass es dann vielleicht besser wäre zu schweigen.
Ja, so wie du.
Ja, (und die Geste, mit der er seinen zerrissenen Umhang um sich schlug, als wolle er sich noch etwas mehr Würde verleihen, ließ ihn umso lächerlicher wirken) mein Schweigen wird nicht überbewertet.
___________________________
(Der erregte Phorkyas hatte sich wieder gesetzt und bleischwer legte sich die Stille über die Gesellschaft. Vier Minuten saßen sie so schweigend bis es endlich aus Blogo herausbrach:)
Was soll das denn. Wir hocken hier in unser kleinen verklebten Ecke, schreiben uns alles mögliche zu; foltern, füllen uns ab, raufen uns, machen uns lächerlich, wie um zu vergessen, wie sinnlos das ist. Statt uns zu engagieren verheddern wir uns dekonstruierend in unseren Konstruktionen.. Nur um beschäftigt zu sein, um nicht nachdenken zu müssen?
(Jetzt war er an der Reihe, aufgebracht seinen Humpen auf den Tisch zu donnern. Aber auch Mete hielt es nicht mehr auf dem Stuhl.)
Als hätte jemand etwas anderes behauptet. Nur irgendwie müssen wir unser Denken doch befeuern, Lunte legen. (Seine Augen sprühten.) Los du, Alter. Auf! (Er zerrte auch Phorky in die Höhe.) Also:….
Auf das Schreiben, die Worte.
Auf den Logozentrismus.
Die Metaphernmaschine Mensch.

Welt

Die Welt wird so klein und immer kleiner. Schon gleitet sie zwischen die Steine im Gehsteig.

Die Welt wird so groß und immer größer. Nicht einmal den Fuß eines Hauses können wir noch erblicken.

Voll in die Fresse


für Blogo

Die Dekonstruktion eines Romans schaffen, dass sie diesem Papierreligiösem, Literaturgläubigen im Mund zerbröselt, wenn er seine Illusion erblühen lassen will, dass er enttäuscht und wütend zurücksinkt, weil es ihn zurückstößt auf seine Simulation.

Ihm dieses Papier voll in die Fresse stopfen, mir!

Aus aktuellem Anlass? (Schöne Formeln (5) rewritten)

Temporäres Blogverbot

..für den Phorkyas.

(Hält der aber eh’ nicht durcht).

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