Lafcadios Loch

Go-Steine und nicht viel mehr

Monat: Juni, 2010

Fortschritt

Fortschritt?

Fortschritt = d(BIP)/dt

Schöne Formeln (2)

Naturalismus (3)

Zwei sinnlose Polemiken und dabei hatte ich schon beim zweiten Text zu diesem Thema einen besonneren Tonfall anschlagen wollen. Aber da ist es schon wieder mit mir durchgegangen.

Worum geht es hier aber eigentlich?
“Die Negation der Philosophie?” – So wie sie Wittgenstein in Walter Jens’ Interpretation gleich zweifach versuchte. Im Traktat nach seinen eigenen Worten:

6.53 Die richtige Methode der Philosophie wäre eigentlich die: Nichts zu sagen als was sich sagen läßt, also Sätze der Naturwissenschaft – also etwas, was mit Philosophie nichts zu tun hat -, und dann immer, wenn ein anderer etwas Metaphysisches sagen wollte, ihm nachzuweisen, daß er gewissen Zeichen in seinen Sätzen keine Bedeutung gegeben hat.

Dieser positivistische Maulkorb, welcher Naturwisschenschaftler hat ihn den “geisteswisschenschaftlichen Schwaflern” nicht auch schon erteilen wollen? Hier bereitet sich dann auch gleich das Schlachtfeld für den clash of “Two Cultures” (C.P. Snow). Mögen die science wars beginnen. Oder vielleicht auch besser nicht. Was ist denn mit der Sokal-Affäre gewonnen oder mit ihrem Counterpart der Bogdanov-Affäre? Das reicht als Argument gegen die Gegenseite gewendet doch nicht weit über Nelson hinaus: Haha, was seid ihr doof! (Allgemeiner gefragt: Betrifft derlei nicht einfach jeglichen akademischen Betrieb: Dass die Ernsthaftigkeit und Tiefe der Wissenschaft, tritt sie institutionalisiert und symbolisiert auf, auch eine gewisse Fallhöhe schaffen – schön, wenn Leute wie Hans Bethe sie nutzen, um Eddington etwas zu veräppeln, oder sich, aus Symmetrigründen, mit auf die Alpher–Bethe–Gamow Veröffentlichung schreiben lassen. Aber bei den science wars ist es dann viel zu ernst, und deshalb verfasst man auch sinnlos polemische Blogeinträge, die eh keiner liest.)

Also: Wie die Luft rauslassen, aus den wutschnaubenden Nüstern, den sich vor Stolz blähenden Kröpfen (als Beispiel s. Post (1) und (2) zu diesem Thema). – Muss es denn scheitern, nur weil hier Lebenseinstellungen, Ideologien, Weltbilder kollidieren?

Auch jene die etwas besonnener auftreten, wie Heitler oder Kuhn, wird man nicht hören wollen. Ersterer ist wohl Vertreter jenes sich verflüchtigenden Bildungsbürgertums und wenn er dann von dieser Warte den Wissenschaften Grenzen auferlegen will, so ist das wohl schon anachronistisch. Und Kuhn, was erdreistet sich dieser mit seinen Paradigmen den blinden Fleck der Wissenschaften ausloten zu wollen. Rührt seinen Historismus, Soziologismus, Psychologismus ineinander, um mit diesem diffusen Begriff, die Wissenschaft fassen zu wollen? – Ist es nicht in beiden Fällen auch eine Art Hybris, sich über die Wissenschaft zu stellen, deren Wesen oder Handeln und Wirken erfassen zu wollen? – Aber wer soll es denn sonst auch tun, wenn die Wissenschaftler nur in der Forschung sind, und sich qua Naturalismus auch noch die Einmischung von außen verbieten wollen? Wo will er denn hin der Tourbus “Forschung”? Fortschritt um des Fortschritt willens? Solange die Drittmittel halten? Na, da verlasse ich doch lieber einmal das Schiff für einen entspannten Spaziergang durchs Grüne.

Schöne Formeln (1)

(Angeblich halbiert für Bücher jede Formel die Leserzahl. – Aus der Wikipedia,.. aber welcher geniale Mathematiker war’s?)

Naturalismus (2)

Während ich bei Populärwissenschaft noch zu Schusswaffen greifen wollte (ja, schön so ein faschistisches Zitat, gell?), so wünsche ich mir bei Brights und Konsorten die Selbstentsicherung der Philosophie – Schieß doch Sloterdijk! – Ja, auch den würde ich noch in die Mannschaft nehmen, ist er doch immer gut für ein Skandälchen und unqualifizierte Grätschen vor der Strafraumgrenze (auch mal gerne den Journalisten eins auf Maul, das hab’ ich gern, sind die doch noch dünnhäutiger als unser Ex-Presidente).

Aber machen wir uns nichts vor: Dieses martialische Getrommle es zeigt doch auch schon: Die Jungs stehen mit dem Rücken zur Wand und deshalb wedeln sie ja auch schon so lange mit der weißen Fahne; Hey, wenn ihr schon die Welt vernichten könnt, dann lasst uns wenigstens auch Wissenschaft sein. So ließe sich der Naturalismus eben auch lesen; als feige Selbstauslieferung, Selbstverrat. Und das ausgerechnet jetzt? Wo die Wissenschaft sich aufschwingt zur einzigen Art der Welterklärung. Aber auf dieser Seite des Feldes auch: Was für ein Erfolg, was ein sich immer weiter aufschwingender, exponentiell-explodierender Fortschritt! – Und dabei herrscht soviel Dunkelheit, über die eigenen Methoden, Paradigmen von mir aus… Ja, kleide den Himmel in Grau? Mir graut’s vor solchen grauen Herren – mit denen werd’ ich mir noch, wissenschaftlich, meine Klickzahl optimieren, meinen Genpool rasieren. Wenn die Renaissance-Humanisten das Mittelalter so verdunkeln durften, rückständig-religiös, katholische Kirche und so, dann darf ich das doch auch, verdammt noch mal, mit unsrer hellsichtigen Zeit. – Dann nehme ich mir doch lieber meine kleine Privatsonne mit dem hellen Lachen und lass es bei euch schön finster.

[Argh... Fußballmetapher. Das war keine gute Zeit, dies hier reinzuhacken.]

Naturalismus (1)

When you hear of some new attempt to explain reasoning or language or choice naturalistically, we ought to react as if we were told someone had squared the circle or proved to be rational: only the mildest curiosity is in order – how well has the fallacy been concealed?
Peter Geach

Gilbert Ryle:

[D]er Einfluß des mechanistischen Schreckgespenstes ist im Lauf des letzten Jahrhunderts fortwährend zurückgegenagen, weil neben anderen Gründen die biologischen Wisschenschaften in dieser Periode ihren Anspruch auf den Ehrentitel >Wissenschaft< begründet hatten. [...] Der Mensch [...] könnte schließlich doch eine Art Lebewesen sein, nämlich ein höheres Säugetier. Es muß noch der verwegene Sprung zu der Hypothese gewagt werden, daß er vielleicht ein Mensch sei

Zitiert aus einem Aufsatz von Geert Keil. Dieser z.B.:

Ein beliebter Philosophenkommentar zu Auffassungen dieses Allgemeinheitsgrades lautet, daß sie entweder trivial oder falsch seien. Dieser Kommentar liegt auch hier nahe: Daß alles, was wir sind, tun und können, in dem Sinne Resultat der Naturgeschichte ist, daß diese Fähigkeiten etc. nicht vorhanden wären, wenn die natürliche Evolution anders verlaufen wäre, ist eine Behauptung nahezu ohne empirischen Gehalt. Es ist nicht zu sehen, wogegen – abgesehen vom religiösen Supranaturalismus – sie sich richten könnte und warum mit der Einsicht, daß unsere Fähigkeiten kontingente natürliche Voraussetzungen haben, etwas für die Verteidigung des Naturalismus gewonnen sein sollte.

Wunderbar arrogant, die Philosophen. Nicht nur dass ich Polemik schätze ich kann sie angesichts solcher Pamphlete verstehen. – Da kommen die Naturwissenschaftler an, wedeln mit ein paar bunten Bildern: Hey, wir erklären euch jetzt mal eben was Geist ist, warum es den freien Willen nicht gibt etc… Und das Argument im Hintergrund ist eigentlich immer nur: “Science works..“. Schaut auf den Erfolg, was wir alles können. (Ich wollte jetzt schon sagen: Autobahnen.. – Positivisten und Naturalisten, wir können Autobahnen (s. Dialektik der Aufklärung)? Ach, werd ich wieder primitiv.)

Trip

Sie wirkte geradezu extrovertiert. Nichts von dem sprichwörtlichen sich ins Schneckenhaus zurückziehen. Sie schien es sogar zu mögen ein bisschen an der Unterseite gestreichelt zu werden und schleimte meine Hand vor Freude noch mehr ein.

Der Rest der Gruppe war schon weitergezogen, aber dies zutrauliche Exemplar wollte ich noch nicht wieder auf den Boden lassen. So stürmte ich, die Weinbergschnecke auf der Hand, den Hügel hinab. Sie genoss den Fahrtwind sichtlich und ihre Fühler mit den Augen rotierten fröhlich durch die Luft: Sie flog.

(Gedanken an Hofmann)

Zärtliche Warenwelt

für meinen roten Wirbelwind

Er überquerte die Straße, zögerlich und ungelenk. Ich hielt dort mit dem
Fahrrad. Er brabbelte Worte vor sich hin, ins Selbstgespräch vertieft.
Am Ampelpfosten blieb er stehen:
“Ich liebe dm, ich liebe edeka, ich liebe…”
Er hatte mich gesehen, so dass er Teile seiner Aufzählung schon an
mich richtete. Seine ganze Konzentration und Energie setzte er in das
Erstellen der Liste. Auch zählte er die Listenpunkte an den Fingern ab:
“Ich liebe dm, ich liebe raab kaarcher, raab karcher, ich liebe..”

(Gedanken an Fromm)

Edit: Ein umgangsprachlicher Lapsus wurde entfernt. Vielen Dank für den Hinweis
und die Formulierungshilfe!
(Widmung angefügt)

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